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Im Interview: Paul Henschel (Lux und Laune)

12 Apr 2011, Geschrieben von Peter Rudolph in Sieben und Artists, 5 Kommentare

Im Interview: Paul Henschel (Lux und Laune)


Paul Hen­schel als Netz-Revolutionär zu bezeich­nen, wäre ver­mut­lich über­trie­ben, und doch hat das von ihm gegrün­dete Forum „Lux und Laune“ in den letz­ten Mona­ten für eini­gen Auf­ruhr gesorgt und in kür­zes­ter Zeit einen enor­men Bekannt­heits­grad unter Foto­gra­fen und Bild­be­ar­bei­tern erreicht. Aber Paul macht ganz „neben­bei“ auch noch groß­ar­tige Bil­der – wir haben den jun­gen Ber­li­ner sowohl zu sei­nem Enga­ge­ment beim „Lux“ als auch zur Foto­gra­fie gelöchert.

 

Moin Paul, danke, dass du dir die Zeit nimmst. Stell dich unse­ren Lesern doch kurz vor: Wer bist du und was machst du, wenn du nicht gerade Inter­view­fra­gen beantwortest?

Hi, ich heiße Paul Hen­schel. Ich komme aus Ber­lin. Foto­gra­fie ist eigent­lich noch sehr neu für mich und so habe ich mich bis­her auf kei­nen Bereich fest­ge­le­gen kön­nen – ich expe­ri­men­tiere viel, bin sehr sprung­haft. Ich habe kei­nen Anspruch auf Pro­fes­sio­na­li­tät, was auch immer das sein mag. Mein Job als Pro­gram­mie­rer erlaubt viele Frei­hei­ten und so käme mir nie der Gedanke an eine Kar­riere in den Sinn, ich nehme die Kamera in die Hand, ohne Druck und Ambi­tion, weil es mich reizt Vor­stel­lun­gen umset­zen zu kön­nen, es macht mir Spaß und ein wenig Ader­lass ists obendrein. (-:

Bevor wir zu dei­nen eige­nen foto­gra­fi­schen Arbei­ten kom­men: Du bist Grün­der und Admin von „Lux und Laune“, einem Forum, das ein wenig „anders“ ist – kannst du das Forum kurz beschrei­ben? Was zeich­net es aus?

Seve­rin Sad­jina und ich haben das Forum begrün­det. Die Idee wurde aber von vie­len Leu­ten getra­gen und ist schon älter. Lux wurde gebo­ren weil wir der Mei­nung waren, dass die gän­gi­gen Orte nicht die foto­gra­fi­schen Not­wen­dig­kei­ten mit­brin­gen die da sind: Freund­schaft, Inspi­ra­tion, hohes Niveau, Viel­fäl­tig­keit, freier Umgang und Ansporn. Ich war und bin in etli­chen Foren und die Struk­tur, die so ein Por­tal von Haus aus bie­tet, kann ein­fach nicht die oben genann­ten Ansprü­che abde­cken. Du fängst also an, dein Kli­en­tel mit Regeln und Kon­ven­tio­nen zu gän­geln, zwingst sie, einen Bei­trags­schnitt ein­zu­hal­ten, Wis­sen zu tei­len und du lässt alle in dein Haus, wie sie eben kom­men, groß und klein, dumm und däm­lich. Man bekommt ein­fach das Gefühl, da wurde irgend­wann ein­mal etwas ver­an­schlagt, man hat dran fest­ge­hal­ten, und nun sitzt man auf einem Sack vol­ler Löcher — das Momen­tum um wirk­lich einen Unter­schied zu machen schon lang ver­passt und unwie­der­bring­lich. Wir haben ein­fach ange­fan­gen über sol­che und andere Dinge nach­zu­den­ken und das Medium „Forum“ neu auszulegen.

Worin siehst du die Schwach­stel­len ande­rer foto­gra­fisch ori­en­tier­ter Com­mu­nities und ist „Lux & Laune“ eine Art „Gegenbewegung?“

Nein, keine Gegen­be­we­gung, eher eine Kon­se­quenz. Es gibt weder eine Fede noch eine Freund­schaft. Aber das kann sich ja in Zukunft ändern. — Damit meine ich den freund­schaft­li­chen Aspekt natür­lich! : D Was die Schwach­stel­len angeht, so zie­hen in mei­nem Kopf gerade fins­tere Wol­ken auf. Glie­dern wir’s ein wenig:

Die Regeln

Du hast einen Hau­fen bescheu­er­ter Regeln die eh nie­mand jemals liest, du Kate­go­riest und schaffst x Sub­fo­ren um dem Andrang Herr zu wer­den, ver­bie­test Wis­sens­aus­tausch da wo er auf­kommt. Stellst du in der Gale­rie eine Frage, dort wo der Foto­graf, zu dem du auf­schaust, die Früchte sei­ner Erfah­rung aus­stellt, so wirst du abge­ur­teilt. Stell die glei­che Frage in die­sen komi­schen Sub­fo­ren, wo sich Tech­ni­ker und Ana­lys­ten den gan­zen Tag die Köpfe ein­schla­gen und du kriegst alles, nur keine Ant­wort — und in so einen Pfuhl ver­irrt sich nur sel­ten ein Foto­graf. — Im Lux gibt es keine Regeln und Mode­ra­to­ren. Wis­sen kommt da auf, wo es eben auf­kommt, jedes Thema ist ein Nähr­bo­den und hat das Recht zu gedei­hen. Statt Zwang und Pflicht set­zen wir auf gegen­sei­ti­ges Vertrauen.

Bei­trags­schnitt

Die Foren, die dar­auf bauen um mehr „Mit­ein­an­der“ zu kul­ti­vie­ren sind wie ein Geis­ter­haus. Die Mit­glie­der schrei­ben weil sie schrei­ben müs­sen und das ist die reinste Phra­sen­schlacht. „Danke! Ich schau es mir in einer ruhi­gen Minute mal rich­tig an!“ hallt es da durch die kal­ten Gänge. Und wie­der, es wird ver­sucht etwas her­bei­zu­zwin­gen, was von allein nicht so recht ent­ste­hen will. — Lux küm­mern keine gro­ßen Benut­zer­zah­len und es spielt über­haupt keine Rolle wie­viele Bei­träge am Tag rein­kom­men. Lie­ber die Leute sind drau­ßen aktiv und wenn sie eine freie Minute haben kom­men sie und tei­len ihre Erfah­run­gen mit.

Offen für alle

Eine per­sön­li­che Ath­mo­sphäre wird ein­fach nicht auf­kom­men, wenn du Leute ohne Hin­sicht auf die Gemeinde hin­ein­lässt. Es bricht ein­fach das Mit­ein­an­der weg, der gegen­sei­tige Respekt. Stell dir vor du packst Klein­kin­der, Vor­schü­ler, Gym­na­si­as­ten und Stu­den­ten zusam­men. Das wird eine Mords­sause, aber es kommt ein­fach nichts zustande. Man erlebt es eigent­lich jeden Tag, einer stellt eine ernst gemeinte Frage „Wie geht die­ses und jedes“ und jeder fühlt sich beru­fen, Ant­wort zu geben. Am Ende haun sie sich vir­tu­ell tot weil es keine Überein­kunft gibt. In jedem gro­ßen Foto­fo­rum hast du ein paar krea­tive Köpfe, und dann hast du Tech­ni­ker, Mar­ken­fe­ti­schis­ten, Ana­lys­ten, Couch­po­ta­toes mit Objek­tiv­samm­lung in der Vitrine, etc., wie willst du die fried­lich zusam­men­brin­gen? Du brauchst gar­nicht erst drü­ber nach­zu­den­ken, es geht ein­fach nicht, und des­halb baust du auf Regel und Zwang, die Mods schwin­gen die Keule und die Ver­warn­punkte pras­seln. Das ist das glei­che wenn du eine Metro­pole in der jeg­li­che Zwi­schen­mensch­lich­keit weg­ge­bro­chen ist mit einem Dorf ver­gleichst. In einem klei­nen Dorf kennt man sich, man ist befreun­det, man hilft ein­an­der, etc. — Lux sor­tiert nun aus. Ja, das klingt hart, aber wir tun es aus gutem Grund. Jeder der schon ein­mal in Haba­kuks Forum war oder bei Twys weiß wie groß der Unter­schied ist.

Zu eurem Foren­kon­zept gehört auch, dass eine Jury über die Auf­nahme von neuen Mit­glie­dern im Forum ent­schei­det. Manch einer würde das als eli­tä­res Gehabe bezeich­nen – was ant­wor­test du auf sol­che Vorwürfe?

Gar­nichts mehr. Ich habs ver­sucht und ich gebe auf. Sorry aber wer den Sinn einer sol­chen Maß­nahme nicht sieht und rennt im Leben von Schicht zu Schicht, von Kaste zu Kaste, von Stufe zu Stufe, von Posi­tion zu Posi­tion, von Cli­que zu Cli­que, von Inter­es­sen­ge­mein­schaft zu Inter­es­sen­ge­mein­schaft — der soll halt den Elite-Hammer schwin­gen aber ehr­lich gesagt mir ist’s gleich. Jedes­mal wenn die­ses Thema auf­kommt und du ver­suchst dich irgend­wie zu recht­fer­ti­gen, bricht ein Don­ner­wet­ter los und mir tut es jetzt schon leid für die Droh­schrei­ben die ihr bald im Brief­kas­ten habt : D

Man darf also auch Geheim­nisse haben? Wider­spricht das nicht dem Grund­ge­dan­ken eines „demo­kra­ti­schen“ Inter­nets, wo jeder jedem hilft?

Ich hatte es schon geschrie­ben, ich glaube nicht, dass Zwang irgend­je­man­dem hilft. Egal in welch schöne Worte du’s stopfst. Du zwingst dann wenn die Dinge nicht von selbst ent­ste­hen und genau darin liegt ja das Pro­blem. Wenn du es schaffst, die Umstände so zu kul­ti­vie­ren, dass etwas natür­lich wach­sen kann, nenn es Freund­schaft, nenn es Respekt, nenn es wie du willst, dann musst du dir über harte Maß­nah­men keine Gedan­ken mehr machen denn alles läuft und regu­liert von selbst. Wer hel­fen möchte der hilft und irgend­wann weicht auch der här­teste Klotz auf und gibt, nach­dem er soviel genom­men hat. Zumal „Hilfe“ ein sehr schwam­mi­ger Begriff ist. Ich weiss ja, viele ver­ste­hen dar­un­ter PSD’s frei Haus, alles auf dem Sil­ber­ta­blett ser­viert, eine DVD für jeden Hum­bug. Hilfe kann aber auch sein: Inpi­ra­tion, ein gutes Bild, ein net­ter Wink in die rich­tige Rich­tung, Ansporn, etc. Warum will ich zB. einen pro­fes­sio­nel­len Foto­gra­fen, der seine Fami­lie mit dem Wis­sen ernährt, das nie­mand hat außer er, nöti­gen, etwas auf Bie­gen und Bre­chen preis­zu­ge­ben? Und lernst du am Ende wirk­lich wenn du keine eigene Anstren­gung unter­neh­men muss­test? Die Frage muss man sich stel­len, denke ich. Und wenn du mich fragst, ich glaube nicht. Setz dich mal eine Woche lang hin und ver­such einen Stil selbst zu kna­cken mit allen Tech­ni­ken und Mit­teln, die dir zur Ver­fü­gung ste­hen, das macht einen gewal­ti­gen Unter­schied als wenn du „Wis­sen“ mit dem Breif­löf­fel rein­ge­scho­ben bekommst. Die­ser Workshop-Charakter wird im Lux auch aktiv unter­stützt. Da wer­den echte Fotos geschos­sen, man ach­tet auf das Aus­gangs­ma­te­rial, da wird Licht gesetzt, die RAW’s wer­den allen bereit­ge­stellt, man zeigt seine Ergeb­nisse, teilt seine Erfah­run­gen (ja, und auch PSD’s wenn’s sein muss) und der nächste baut drauf auf. Stück für Stück kom­men so zum Teil ver­blüf­fende Ergeb­nisse zutage und jeder nimmt etwas dabei mit. Ich kenne bis heute kei­nen Ort, an dem Infor­ma­tio­nen so frei und locker flie­ßen wie im Lux.

Wie stehst du zu Kri­tik und gibt es bei Lux & Laune wirk­lich kon­struk­tive Bildbesprechungen?

Zwie­späl­tig. Wir haben zwei Gale­rien, eine offene und den Bereich Work-In-Progress. Im bes­ten Fall wird in der offe­nen nicht kri­ti­siert son­dern inspi­riert und das ist ein gewal­ti­ger Unter­schied. Wenn du in eine echte Aus­stel­lung gehst, dann ist das immer ein Grund zum Fei­ern und da kommt ein­fach nie­mand und pin­selt auf den Bil­dern rot an oder spricht her­ab­wür­di­gend als wüsste er alles bes­ser. Ich finde es wich­tig, dass so ein Bereich in einem Foto­fo­rum exis­tiert. Ich will nicht hun­dert olle Bil­der weg­kli­cken bis ich eines sehe das mir gefällt, ich will bewun­dern und stau­nen. In die andere Gale­rie kom­men die unfer­ti­ge­ren Sachen, die trotz­dem oft recht gut sind. Dort kann dann nach Her­zens­lust zer­pflückt wer­den, da wird an den RAW’s rum­ge­macht, da wer­den neue Wege in der Bear­bei­tung bespro­chen, etc. Solange die Fair­ness da ist sich auch ein­mal Schwä­chen ein­zu­ge­ste­hen macht das wirk­lich Spaß.

Wie lang gibt es euer Forum nun schon? Bist du mit der bis­he­ri­gen Ent­wick­lung zufrie­den? Was waren bis­her die größ­ten Herausforderungen?

Seit ca. einem hal­ben Jahr und ja, ich bin sehr zufrie­den. Her­aus­for­de­run­gen gab es einige, ange­fan­gen mit den tech­ni­schen Aspek­ten. Ich bin zwar Pro­gram­mie­rer aber C++ und Maschi­nen­spra­che nüt­zen einen Kericht, wenn du an Web-Applikationen rum­tüf­telst. Wir woll­ten kein stink­nor­ma­les Forum auf­zie­hen und haben von Anfang an über Ver­bes­se­run­gen gebrü­tet. So hat es viele Net­tig­kei­ten, die alles irgend­wie leich­ter machen. Zum Glück hel­fen immer ein paar Leute mit, so haben wir das meiste recht fix rea­li­siert. Eine wei­tere Her­aus­for­de­rung war natür­lich, an gute Leute zu kom­men, aber das ging eigent­lich recht gut. Die Idee und das Mani­fest klan­gen natür­lich viel­ver­spre­chend für viele. Die haben dann irgend­wann ange­fan­gen ihre Freunde ein­zu­la­den und nach und nach wuchs eine kleine aber feine Gemeinde zusam­men, die man ins Herz schlie­ßen kann. Zur Zeit suchen wir Mit­tel und Wege auf einen eige­nen Ser­ver umzu­zie­hen, weil uns das Shared-Hosting doch manch­mal den Gar aus macht. Wir haben nun von manitu ein 100% Spon­so­ring für einen eige­nen Root-Server bekom­men und sind sehr sehr glück­lich darüber. Wenn wir den Umzug hin­ter uns haben, sind viele Ideen in der Schub­lade, viele zukünf­tige Her­aus­for­de­run­gen: RAW & PSD Pool, Webpage/Blog Hos­ting für unsere Mit­glie­der, ein eige­ner Pos­ter­dienst, ein Shop, eine Agen­tur die kon­krete Auf­träge an kleine Teams ver­teilt, etc. Wir sind da recht fle­xi­bel und gute Ideen kom­men häu­fig auf.

Woher nimmst du die Moti­va­tion, viele Stun­den Arbeit, Ner­ven und ver­mut­lich auch Geld in ein Forum zu inves­tie­ren? Wel­chen Nut­zen ziehst du selbst daraus?

Ich seh‘ es nicht so wild. Ich habe zu dem Ort die glei­che Bezie­hung wie jeder andere auch, ich sehe es weder als mein Eigen­tum noch schreibe ich mir irgend­eine hohe Posi­tion zu. Das glei­che gilt für Seve­rin. Viele dort wis­sen nicht ein­mal, wer oder was dort über­haupt „lei­tet“ weil es a.) nicht unbe­dingt ersicht­lich ist und b.) Lei­tung nicht nötig ist — ich hatte das Thema Selbst­re­gu­lie­rung ja bereits ange­spro­chen. Das wirk­lich Tolle ist, da ist viel Elan und Hilfs­be­reit­schaft. Viele haben sich gem­del­det und hel­fen mit wo sie kön­nen, bas­teln am PHP, ent­wer­fen Gra­fi­ken, ver­fas­sen Texte, küm­mern sich um Spon­so­ren, stim­men über Neu­be­wer­ber ab, etc. Da will ich ein­fach nicht von den paar Krö­ten spre­chen die ich inves­tiert habe, ver­stehst du was ich meine? Ich stehe dort im Kon­takt zu vie­len net­ten Men­schen und darin besteht mein per­sön­li­cher Nutzen.

Wel­che Vor­aus­set­zun­gen sollte jemand mit­brin­gen, der in eurem Forum auf­ge­nom­men wer­den möchte? Was wünscht ihr euch und was für Typen wollt ihr auf kei­nen Fall dabeihaben?

Der Ort ist aus­schließ­lich krea­ti­ven und akti­ven Köp­fen vor­be­hal­ten. Natür­lich wol­len wir Bil­der sehen und die müs­sen her­aus­ste­chen. Papier­rolle run­ter, Pro­foto ange­knipst, Haar­licht auf 1/16 und tech­nisch per­fekte Bil­der am Fließ­band, sorry aber nicht bei uns. Neben den Bil­dern zählt auch das Mit­ein­an­der. Ein­mal im Monat ein Bild in die Gale­rie pfef­fern ist ein­fach nicht cool. Wer auf eine persönliche(re) Kom­po­nente keine Lust hat der sucht sich eben einen ande­ren Platz. Grund­sätz­lich gibt es keine defi­ni­ti­ven Kon­di­tio­nen oder Bedin­gun­gen — unsere Mit­glie­der stim­men nach Bauch­ge­fühl ab und dann geht es eben gut aus oder nicht. Wir benut­zen dabei einen Schnitt, den wir geheim hal­ten und der sich auch hin und wie­der ändert; am Anfang war es eher leicht hin­ein­zu­kom­men, zur Zeit ist es zuge­ge­ben extrem schwer. Wir ver­su­chen eine aus­ge­wo­gene Mischung zusam­men­zu­be­kom­men — wenn du ein paar wiss­be­gie­rige Anfän­ger unter Erfah­re­nen hast kann das Impulse frei­set­zen von denen alle pro­fi­tie­ren. Der Anfän­ger lernt im Nu dazu, weil er Tipps von Leu­ten bekommt, die weit über ihm sind und der Erfah­rene, der viel­leicht glaubt schon alles zu wis­sen, der fängt wie­der an zu tüf­teln wie frü­her ein­mal und auch er kommt wei­ter. Es wäre zu hart über „Aus­schluß­kri­te­rien“ zu spre­chen, wer genü­gend Selbst­ver­trauen hat und das Mis­si­ons­tate­ment ver­steht und unter­stützt, der soll ein­fach sein Glück ver­su­chen, kann ja nur in die Hose gehen. ;-)

Foren und Online-Communities sind gut und schön, aber es gibt ja auch noch ein Leben außer­halb des Inter­nets (so wird zumin­dest gemun­kelt). In wel­chem Ver­hält­nis ste­hen bei dir Online– und Offline-Aktivitäten, gerade auch hin­sicht­lich Net­wor­king mit ande­ren Foto­gra­fen und Bildbearbeitern?

Ich genieße es, mit ande­ren raus­zu­ge­hen und durch das alles ist es natür­lich leich­ter gewor­den. Es kommt jetzt öfters vor, dass man sich trifft und Pro­jekte zusam­men auf­zieht oder ein­fach nur mit der Kamera raus­geht. Bei Face­book haben wir eine eine Gruppe und da legt man schnell eine Nach­richt ab „hey, hat jemand Lust in die Aus­stel­lung XY zuge­hen“ oder „Die Sonne scheint, Archi­tek­tur­ses­sion in drei Stun­den?“ Viele benut­zen auch Skype, was den Kon­takt extrem erleich­tert. Im Lux selbst gibt es ein Forum für gemein­same Pro­jekte, die Idee dazu kam vom Stil­pi­ra­ten Stef­fen Bött­cher. Das ist noch recht klein, aber der Geist dahin­ter ist, dass man etwas zu kon­kre­ten Pro­jek­ten bei­steu­ert: Ideen, Assis­tenz, Equip­ment, Modelle, Requi­si­ten, Bret­zel und Bier, etc. Schauen wir, wie sich das noch entwickelt.

Zu dei­nen foto­gra­fi­schen Arbei­ten: Seit wann foto­gra­fierst du? Wel­chen Stel­len­wert nimmt die Foto­gra­fie in dei­nem Leben ein?

Seit unge­fär Anfang 2009, zwei Jahre und ein hal­bes circa. In der Ein­lei­tung hatte ich schon erwähnt, dass ich mir kei­nen Druck gebe. Ich habe aus irgend­ei­nem Grund das Glück, einen guten Beruf zu haben und da drängt es mich nicht sehr, Optio­nen zu erwä­gen. Wenn ich durch die Gegend stö­bere und Aus­schau halte nach guten Mög­lich­kei­ten, dann fühlt sich das ein­fach gut an. Ich mag es, wie ruhig alles um mich herum wird, wenn ich durch den Sucher schaue. Foto­gra­fie hat somit einen gro­ßen Stel­len­wert in mei­nem Leben und die Bild­be­ar­bei­tung natür­lich auch, denn die­sen Aspekt würde ich ein­fach nicht mis­sen wol­len. Foto­gra­fie und Bil­be­ar­bei­tung gehen für mich Hand in Hand.

Deine Bil­der sind teil­weise recht stark bear­bei­tet. Wür­dest du ein Bild wie das aus dem Deut­sche His­to­ri­schen Museum (s. oben, links) noch als „Foto­gra­fie“ bezeich­nen? Wo ist hier für dich die Grenze? Gibt es über­haupt eine?

Ach mich küm­mern Bezeich­nun­gen und Begriff­licht­kei­ten nicht so. Die Leute sind auch irgendwo Phra­sendre­scher, die­ses „nur echt wenn—“ hörst du ja öfter und in allen mög­li­chen Belan­gen. Ich mache viele ver­schie­dene Dinge, von knallbunt-kitschig bis unangetastet-roh, ich könnte mir zumin­dest nicht vor­stel­len, mich an etwas Bestimm­tes ket­ten zu müs­sen. Pho­to­shop macht ein­fach nur Spaß wenn du damit eini­ger­ma­ßen sou­ve­rän umge­hen kannst, aber ich ver­su­che dabei die Foto­gra­fie nicht aus den Augen zu las­sen und suche auch nach Mit­teln und Wegen, um zu den Grund­la­gen zurück­zu­fin­den. Der Umgang mit dem Licht hat mir zB. gehol­fen neue Wege zu gehen und lus­ti­ger­weise wirkt es sich auch auf meine Bild­be­ar­bei­tung aus.

Ganz spon­tan: 3 Foto­gra­fen die dich inspi­rie­ren oder die du bewunderst?

Papke, Möhle, *. Das muss jetzt echt blöd klin­gen, weil die bei­den im Lux sind aber ich sehe die Dinge prag­ma­tisch und kenne mich sonst nicht wirk­lich aus. Mich inspi­riert sicher vie­les aber es wäre jetzt irgend­wie dane­ben, Namen hin­zu­klat­schen und ich habe viel­leicht ein, zwei Bil­der im Inter­net bewun­dert. Die bei­den spre­che ich hin und wie­der, ver­folge mit Begeis­te­rung jedes neue Bild und natür­lich hat­ten und haben die einen Ein­fluss. Ohne Andreas‘ Ansporn wäre das Unter­fan­gen Foto­gra­fie und Bild­be­ar­bei­tung nur ein sehr kurz­le­bi­ges Hobby gewor­den, wegen Luisa geh ich auch mal ohne Blitze vor die Türe. Den drit­ten Platz nehme ich als Platz­hal­ter, da es etli­che Leute gibt. Ich habe es pro­biert, aber in mei­nem Kopf kommt ein­fach kein kla­rer Drit­ter auf, da kom­men viele Ein­drü­cke — zu ver­ne­belt, um einen über die ande­ren zu stellen.

Wel­che Bedeu­tung hat dei­ner Mei­nung nach die tech­ni­sche Aus­rüs­tung? Man sagt zwar immer, nicht die Kamera mache das Bild, son­dern der Foto­graf – trotz­dem sind viele Bil­der ohne ent­spre­chende Aus­rüs­tung schlicht­weg nicht umsetz­bar. Wie stehst du zu die­sem Thema, wel­chen Teil dei­ner Aus­rüs­tung hältst du für (un)verzichtbar?

Ach ich benutze eben was ich habe und wenn mir etwas fehlt, dann finde ich Wege drum­herum. Ich kann mit dem gan­zen „geht nicht, will nicht, soll nicht, wird nicht, kann nicht, etc.“ dass du in den Foren tag­täg­lich hörst, nicht so viel anfan­gen. Ich habe HDR’s aus der Hand geschos­sen, ich habe Pan­ora­men ohne Nodal­punkt­ad­ap­ter gemacht, Pol­fil­ter digi­tal imi­tiert (DIE Tod­sünde :D ), ich habe mit klei­nen Blit­zen Stu­dio­licht emu­liert, bald werde ich wohl ein Rigshot ohne Rig machen, etc. Unver­zicht­bar … es wäre jetzt irgend­wie hohl zu sagen „Kamera,“ ich meine ich will kei­nen Hehl draus machen, Equip­ment ist wich­tig und nötig — aber wich­ti­ger noch ist für mich, dass eine Idee vor­han­den ist, der Rest ist optional.

Paul, vie­len Dank für deine offe­nen Ant­wor­ten! Wei­ter­hin viel Erfolg mit dem Lux und natür­lich auch beim Fotografieren!

Ich habe zu dan­ken – bis dann! :)

Wei­tere Bil­der fin­det ihr in Pauls Foto-Portfolio.

 

Wie steht ihr zu Pauls Hal­tung zu Online-Communities? Könnt ihr seine Mei­nung nach­voll­zie­hen? Wie beur­teilt ihr seine Arbei­ten? State­ments dazu gerne in den Kommentaren!

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5 Kommentare

12. April 2011 11:06

Elmar

Tolle Bil­der, für mich manch­mal zu sehr bear­bei­tet, aber die Bil­der gefal­len mir trotz­dem sehr.

Wie immer gibt es Pro und Cons und ich glaube, die Selek­tion der Mit­glie­der hat auch nicht nur Vor­teile, wie die ande­ren Sys­teme auch nicht. Aber jede Ein­schrän­kung — in wel­cher Form auch immer — hat seine Berech­ti­gung und bringt einen Blu­men­strauß an unter­schied­li­chen Foren und Gemein­schaf­ten mit. Ich finde das toll.

Lux und Laune bie­tet halt mehr was für Fort­ge­schrit­tene, die Anzahl der Bei­träge ist nicht son­der­lich hoch, aber hoch­wer­tig. Anfän­ger und Leute mit mitt­le­rem Wis­sen bekom­men woan­ders ihren Input und wer­den somit auch auf dem Foren­markt bedient. Für Mar­ken­fe­ti­schis­ten gibt es auch spe­zi­elle Foren — ergo gibt es für jeden etwas und Lux und Laune hat imho eine Markt­lü­cke erkannt und geschlossen.

Also ich finde Lux und Laune gut, die The­men dort sehr anspre­chend und hoch­wer­tig. Also wei­ter so, der Start ist mehr als geglückt, jetzt heisst es da weiterzumachen.

12. April 2011 12:59

Ste­fan

Paul ist und bleibt ein­fach der coolste! :D Das kommt alles so sym­pha­tisch und ehr­lich rüber und ich bin echt froh, dass er den Lux ins Leben geru­fen hat :) Er hat mir schon so oft mit Rat zur Seite gestan­den und ist sich nie für einen Tipp zu schade. Jeder im Lux ist froh dar­über.
Danke Paul

12. April 2011 13:42

Tors­ten Stolze

Wow, ich weiß gar nicht was ich sagen soll…
Ich kenne das Forum zwar schon eine Weile aber die Worte und Erklä­run­gen hier sind wirk­lich super. Ich habe mich schon öfter gefragt, ob es einen Ort bzw. ein Forum gibt, bei dem es nicht immer sofort ab dem zwei­ten Pos­ting um das typi­sche „Canon vs. Nikon“ geht.
Danke für diese Ein­bli­cke!
Viel­leicht sollte ich mich dem­nächst auch ein­fach mal bewerben. ;-)

LG
Torsten

12. April 2011 20:34

Luisa

Schön geschrie­ben, da bekomm ich glatt Lust, mal wie­der bei den Luxen vor­bei zu schauen. ;)

(Und danke für die Blu­men. *knicks*)

18. April 2011 18:10

Chris­tian

Pro­fes­sio­nell, seine Bil­der – aber defi­ni­tiv Geschmacks­sa­che. Für mei­nen sind sie (viel) zu sehr bear­bei­tet, sie wir­ken manch­mal fast wie aus der Ren­de­ring Engine von Cry­tek. Bei man­chem Bild habe ich mich echt gefragt, ob es „echt“ ist.

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