28 Mrz 2011, Geschrieben von Rene Haas in Buchtipp,Rezension, 1 Kommentar
Rezension - Mut zum Skizzenbuch
Ein leeres Blatt, weiß, unangetastet. Wer kennt das nicht? Wir sitzen vor unserem neuen Skizzenbuch und wollen keine Fehler machen, nicht die erste Seite mit einem hässlichen Gekrakel versauen. Felix Scheinberger, der Autor von „Mut zum Skizzenbuch“ weiß Rat und empfiehlt, auf Seite 17 anzufangen. Dieser und andere hilfreiche Tipps zum Umgang mit seinem Skizzenbuch finden sich in seinem Buch wieder. Wir haben uns das 160 Seiten umfassende Werk aus dem Hause Verlag Hermann-Schmidt Mainz einmal genauer angesehen und berichten!
Vorwort
Zum Anfang meiner Ausbildung wurde mir die Verwendung eines Skizzenbuches nahe gelegt. Ehe ich mich versah, hatte ich selbiges auch schon in der Hand. Hier beginnt eigentlich auch schon das Dilemma. Ich sah das leere Blatt der ersten Seite vor mir und hatte Hemmungen, etwas zu zeichnen. Immerhin ist es die erste Seite eines neuen, fehlerfreien Buchs. Scheinbar bin ich nicht der einzige dem es so ergeht und vielleicht hat genau das, Felix Scheinberger dazu angeregt, ein Buch mit dem Namen „Mut zum Skizzenbuch“ zu verfassen. Eines kann ich auf alle Fälle bestätigen: „Es macht MUT!“
Über den Autor
Felix Scheinberger wurde 1969 in Frankfurt am Main geboren und studierte Kommunikationsdesign an der FH für Gestaltung in Hamburg. Seit 1995 ist er Hauptberuflich als Illustrator tätig und kann auf einige Publikationen und Preise, wie den „Robert Binder Award 2010″, zurückschauen. Des Weiteren war er von 2007 – 2008 als Vertretungsprofessor an der FH Mainz, anschließend Gastdozent für Zeichnen und Illustration an der „Bezalel Academy of Arts and Design“ in Jerusalem tätig. Seit 2010 ist Felix Scheinberger stellvertretender Vorsitzender der „IO Illustratoren Organisation“.
Allgemeines
Der erste Eindruck zählt und bevor man auch nur einen Blick in das Buch wirft, bemerkt man die Qualität und die Liebe, mit der es produziert wurde. Metallverstärkte Ecken und ein geprägter Halbleinenband geben dem Buch das richtige „Outfit“ und machen es zu einem robusten Begleiter für den Alltag. Ab damit in die Tasche, in ein schönes Café gesetzt und das Gelesene am besten direkt ausprobiert. Für die Qualität und Verarbeitung des 160 Seiten umfassenden Werks ist der Verlag Hermann-Schmidt Mainz verantwortlich. „Printed in Germany with love“ ist hier nicht nur irgendeine belanglose Werbefloskel, sondern wird durchaus ernst genommen und mit aller Sorgfalt umgesetzt.
Keine Zeichenschule
Im Buch selbst wird der Leser von Illustrationen des Autors durch die verschiedenen Themen geführt. Wir können dieses Buch zwar wärmstens Empfehlen, wer aber glaubt, er bekomme hier eine kompakte Zeichenschule, der fehlt. Mut zum Skizzenbuch versteht sich nach unserer Meinung eher als Motivations– und Therapiebuch vor der bekannten „Angst vor dem weißen Blatt“. Zwar werden auch Tipps zu Zeichenmaterial, Perspektive und Co. vermittelt, dennoch sehen wir die Stärken des Buches eher in Aussagen wie: „Fehler sind erwünscht!“, die vor allem dem Anfänger und den inneren Perfektionisten ins uns dazu bewegen, Fehler zuzulassen und diese als zwingend notwendig für unsere Entwicklung zu akzeptieren.
Ungewöhnliche Tipps
So gut wie jeder von uns hat irgendwo ein Buch über das Thema „Zeichnen“ im Schrank und kennt grundlegende Tipps zum Zeichnen, welche von Buch zu Buch durchgekaut werden. Felix Scheinberger hat sich in „Mut zum Skizzenbuch“ für einen anderen Weg entschlossen. Anstatt Tipps zur richtigen Schraffur zu geben, empfiehlt er eher unkonventionelle Techniken wie das „Blindzeichnen“, also das Zeichnen eines Objekts, ohne dabei auf das Papier zu sehen oder das Randnotizen zu einer Skizze dazu gehören und zusammen mit der Signatur oft als stilistisches Mittel eingesetzt werden.
Alltagstauglich?
Als Leser hat man so ein Buch gerne bei sich. Sei es, um sein Wissen nochmal aufzufrischen oder sich einfach von den Illustrationen im Buch inspirieren und ermutigen zu lassen. Nicht jedes Buch kann und will ständig in einer Tasche mit sich getragen werden. Eselsohren, verkratze und befleckte Buchdeckel sind meistens die Folge. Den Praxistest hat „Mut zum Skizzenbuch“ auf alle Fälle bestanden. Hier kommt die oben bereits erwähnte Verarbeitung zum tragen. Die metallverstärkten Ecken verhindern die Bildung von Eselsohren und das robuste Cover bekommt durch ein paar Kratzer sogar noch einen authentischeren Flair. Ob das nun im Sinne des Autors und Verlags war, können wir nicht sagen, aber den Härtetest von 5 Monaten in meiner Tasche, bei Wind und Wetter, hat es einwandfrei überstanden. Doch nicht nur der Einband ist für den alltäglichen Gebrauch gedacht, auch die Themen, die Felix Scheinberger behandelt, betreffen oft alltägliche Situationen. So scheut er nicht davor zurück, Themen wie „Zeichenverbot“ und das Zeichnen in der Öffentlichkeit anzusprechen.
Fazit
Nach unserer Meinung ist das Buch auf alle Fälle seine €29,80 wert und sollte in keinem Bücherregal fehlen, vorallem bei jenen, die noch ein leeres oder halbleeres Skizzenbuch besitzen und die Angst vor dem weißen Blatt nur zu gut kennen. Ein kleiner Wermutstropfen lässt sich aber dennoch nicht verschweigen: Sobald man richtig in den Genuss des Buches gekommen ist, ist man auch schon auf der letzten Seite angelangt und möchte am liebsten weiterlesen. Wir hoffen, dass es eventuell einen zweiten Teil des Buches geben wird, der die Materie des ersten Buches noch etwas vertiefen kann. Alles in Allem bekommt man schon während der Lektüre des Buches ein gewisses Kribbeln in den Fingern und möchte den Bleistift (den Scheinberger übrigens nur eingeschränkt für Skizzenbücher empfehlen kann) schnappen, sich nach draußen begeben und anfangen zu Skizzieren – was kann man sich von einem Buch, das Mut zum Skizzenbuch machen möchte, also mehr wünschen? Daumen hoch!




















1 Kommentare
30. März 2011 12:13
Schnette @87blog
Na gut — erst das Gespräch mit memod und jetzt das hier.
Ich werde dann mal mit Seite 17 beginnen :-)
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