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How to Design – Form & Format

27 Feb 2011, Geschrieben von Rene Haas in Gestaltung, 0 Kommentare

How to Design – Form & Format


Im letz­ten Arti­kel der Serie haben wir uns ein­ge­hend mit dem Thema der Gestalt­ge­setze beschäf­tigt. Wir haben gelernt unter wel­chen Umstän­den wir bestimmte Objekte als zusam­men­ge­hö­rig emp­fin­den und wann nicht. Im heu­ti­gen, zwei­ten Teil gehen wir nun auf die Wir­kung und Aus­sage von For­men ein.

Vor­wort

Wir Men­schen leben in einem vier­di­men­sio­na­len Bezugs­sys­tem. Diese vier Dimen­sio­nen wer­den auf­ge­glie­dert in drei Raum­di­men­sio­nen (Länge / Breite / Höhe) und eine, für uns als Gra­fik­de­si­gner oft­mals ver­nach­läs­sig­bare, Zeit­di­men­sion. Wir sind als Men­schen daran gewöhnt, drei­di­men­sio­nale Objekte zu beschrei­ben. So ist für uns ein Schuh­kar­ton kein Recht­eck son­dern eine fla­che Box und ein Ball ist kein Kreis, son­dern eine Kugel. Als Gestal­ter arbei­ten wir aber die meiste Zeit auf Medien, die nur zwei Raum­di­men­sio­nen zulas­sen, wie z.B. einem Blatt Papier oder dem Monitor.

Format & Grundformen

Das For­mat

Bevor wir etwas näher auf die ein­zel­nen Grund­for­men, ihre Wir­kung und die mit ihnen ver­knüpf­ten Asso­zia­tio­nen ein­ge­hen wer­den, möchte ich mich erstein­mal dem wohl wich­tigs­ten aller For­men beschäf­ti­gen – dem For­mat. Zu Beginn eines jeden Pro­jekts steht die Frage nach dem For­mat, auf dem das Design spä­ter zu sehen sein wird, an ers­ter Stelle. Was wir hier als For­mat wäh­len, ist zunächst ein­mal offen. Es kann von einem gewöhn­li­chen DIN A4 For­mat bis hin zu einer Häu­ser­wand oder einer Ton­scherbe, wie neu­lich bei einer Visi­ten­karte für ein grie­chi­sches Restau­rant gese­hen, rei­chen. Warum ist aber das For­mat einer Gestal­tung so wich­tig, dass wir es in die­sem Arti­kel als ers­tes behan­deln? Das spä­tere Design sollte best­mög­lich mit dem uns vor­ge­ge­ben For­mat har­mo­nie­ren und vor allem funk­tio­nie­ren. Eine Web­seite, die auf das For­mat DIN A4 (Hoch­for­mat) gestal­tet wurde, wird ein­fach nicht im Web wir­ken kön­nen, da die meis­ten der heu­ti­gen Bild­schirme ein Sei­ten­ver­hält­nis von 16:9 bzw 16:10 vor­wei­sen. Wie wir sehen, sind wir also stets auf ein bestimm­tes For­mat beschränkt – mal mehr, mal weni­ger. Das For­mat ist gleich­zei­tig die Grund­flä­che unse­rer Gestal­tungs­ar­bei­ten und wie wir spä­ter im Arti­kel noch sehen wer­den, hän­gen einige Aspekte des Designs mit dem Ver­hält­nis von Objekt zu sei­ner Grund­flä­che zusammen.

Quadrat/Recheck

Die sta­bils­ten und ruhigs­ten Grund­for­men, die uns begeg­nen, sind das Qua­drat und das Recht­eck. Diese ruhen auf einer ihrer Fächen und aus unse­rer Erfah­rung kön­nen wir sagen, dass diese For­men kei­ner­lei Bewe­gung dar­stel­len. Haben wir jemals einen gro­ßen Kas­ten oder Kar­ton gese­hen, der einen Berg her­un­ter rollt oder umfällt? Wohl kaum und daher ist diese Aus­sage wohl nach­voll­zieh­bar. Als Gestal­ter nut­zen wir Recht­ecke eigent­lich schon bei jedem Pro­dukt das wir gestal­ten. Schauen wir uns ein­mal um, erken­nen wir, dass die meis­ten aller Medien ein recht­ecki­ges Grund­for­mat auf­wei­sen. Die­sen Text lesen wir gerade auf einem Recht­ecki­gen Moni­tor, den Brief von Tante Inga sehr wahr­schein­lich auf einem Papier im DIN A4 For­mat und selbst die Pos­ter an unse­ren Wän­den haben meist ein recht­ecki­ges For­mat. Nach die­sen Bei­spie­len lässt sich auch nach­voll­lzie­hen, warum ich das Qua­drat, als Son­der­fall der Recht­ecke, als erste Form gewählt habe. Mit dem Qua­drat und dem Recht­eck asso­zi­ie­ren wir Sta­bi­li­tät, Häu­ser, Aus­ge­gli­chen­heit, Ruhe, etc.

Kreis

Das Non­plus­ul­tra aller For­men ist der Kreis. Eine Form ohne Anfang, ohne Ende und somit ein Sym­bol für die Ewig­keit. Wir Men­schen sind dar­auf getrimmt, stets einen kau­sa­len (Kau­sa­li­tät = Urasache-Wirkungs-Prinzip) Zusam­men­hang der Dinge zu suchen. Wen wun­dert es da noch, dass uns eine Form die weder ein Ende, noch einen Anfang hat, uns so sehr fas­zi­niert? Nicht zuletzt wird diese per­fekte Wir­kung auch noch die stete Anwe­sen­heit der Sonne und des Mon­des unter­stri­chen, die schein­bar schon ewig den Him­mel beherr­schen und unser Dasein über­haupt erst ermög­lich­ten. Mit dem Kreis als Grund­form ver­bin­den wir Dinge wie: Per­fek­tion, Ruhe, Ewig­keit, Sonne, Mond, Erde, Kugeln, Bälle, etc. Auch eine früh­kind­li­che Prä­gung durch die weib­li­che Brust wird immer wie­der als Grund für unsere Affi­ni­tät zu run­den For­men genannt.

Drei­eck

Es weist uns die Rich­tung, warnt uns vor Gefah­ren und seine Form wurde schon im Alter­tum mit Spi­ri­tua­li­tät, Sexua­li­tät und Gefahr asso­zi­iert – die Rede ist vom Drei­eck. Wäh­rend das Drei­eck in sei­ner A-Form von uns als ein recht sta­bi­les Kon­strukt aner­kannt wird, vebin­den wir mit sei­ner V-Form eine gewisse Span­nung, Insta­bi­li­tät und im Alter­tum wurde mit einem, auf der spitze ste­hen­den, Drei­eck der weib­li­che Scham­be­reich sym­bo­li­siert. In der heu­ti­gen Zeit steht das Drei­eck (A-Form) oft für eine gewisse Spi­ri­tua­li­tät. Im Mit­tel­al­ter wurde in den 3 Spit­zen des Drei­ecks die Drei­fal­tig­keit gese­hen und somit stand es für Geburt, Tod und Auf­er­ste­hung. Ein wei­te­rer und nicht unwich­ti­ger Ver­wen­dungs­zweck des Drei­ecks ist, sich sei­ner rich­tungs­wei­sen­den Wir­kung zu bedie­nen. Ein Drei­eck in A-Form wird stehts als „nach oben wei­send“ ver­stan­den, wäh­rend die V-Form nach unten weist und wie eine Pfeil­spitze in uns hin­ein­zu­ste­chen droht. Wir ken­nen das umge­drehte Drei­eck und seine warnende/aggressive Wir­kung übri­gens auch aus dem Straßenverkehr.

Sonderformen:

Linien

Nun kom­men wir, wie im Abschnitt über das For­mat ver­spro­chen, auf das Ver­hält­nis von Objekt zu sei­ner Grund­flä­che (dem For­mat). Eine Linie ist im eigent­li­chen Sinne ein ein­di­men­sio­na­les Objekt das nur eine Län­ge­naus­deh­nung aber keine Breite besitzt. Da wis­sen­schaft­li­che Erklä­run­gen aber nicht immer mit dem sub­jek­ti­ven Emp­fin­den unse­rer Wahr­neh­mung kor­re­lie­ren, ver­su­che ich nun ein­mal eine gestal­te­ri­sche Erklä­rung zum Thema Linien abzu­ge­ben: „Eine Linie ist ein Recht­eck mit extre­men Sei­ten­ver­hält­nis­sen. Die Wir­kung einer Linie wird mit dem Ver­hält­nis, des ihre zugrunde lie­gen­den Recht­ecks, zu sei­ner Grund­flä­che wahr­ge­nom­men“. Um diese Erklä­rung noch etwas mehr zu ver­an­schau­li­chen, bediene ich mich mal einem extre­men Bei­spiel: Neh­men wir ein Recht­eck mit den Aus­ma­ßen 30 cm x 5 cm (L x B) und plat­zie­ren die­ses Recht­eck mit einem Sei­ten­ver­hält­nis von 6:1 nun auf ein gewöhn­li­ches DIN A4 For­mat, so haben wir keine Linie son­dern eher eine Flä­che. Neh­men wir nun diese Flä­che und set­zen sie auf eine Häu­ser­wand (Haus­wand = For­mat), so ver­liert die Flä­che ihre Wir­kungs­kraft und sie wird zum Strich bzw. einer kur­zen Linie.

Punkt

Einen wirk­li­chen Punkt wird es in der Gestal­tung nicht geben, warum? Ein Punkt hat, streng betrach­tet, keine Aus­deh­nung. Im Druck und auch im Web­de­sign haben wir aber Vor­ga­ben, die uns die kleinste abbild­bare Flä­che vor­ge­ben. Im Druck wäre das die Größe der ein­zel­nen Druck­punkte und bei der Arbeit für Moni­tore die Aus­deh­nung der Pixel. Wie aber schon bei der Linie ange­spro­chen, kommt es auf das Ver­hält­nis von Ojekt zu sei­ner Grund­flä­che an. Um das beim Punkt zu visua­li­sie­ren, benutze ich wie­der das oben genannte Bei­spiel. Ein Kreis mit den Aus­deh­nung von 15 cm x 15 cm auf einem DIN A4 For­mat würde wohl nie­mand als Punkt bezeich­nen, son­dern eher als Fäche. Neh­men wir aber den Kreis und plat­zie­ren ihn nun wie­der auf einer Haus­wand, so wird aus der klar ersicht­li­chen Flä­che ein win­zi­ger „Punkt“. Übri­gens gehen viele bei einem Punkt immer von einer run­den Flä­che aus, in Wirk­lich­keit wür­den wir auch ein klei­nes Qua­drat (siehe man­che i-Punkte) und  Drei­ecke als Punkte wahr­neh­men, wenn das Ver­hält­nis zur Grund­flä­che stimmt.

Fazit:

Wir haben in die­sem Arti­kel eini­ges über die Grund­flä­chen, das For­mat und die Bezie­hung, die beide mit­ein­an­der ein­ge­hen, beschrie­ben. Wie man die­ses Wis­sen nun ein­setzt, ist eine Sache der Erfah­rung. Wir kön­nen hier kein Patent­re­zept geben son­dern möch­ten euch dazu ermu­ti­gen, mit die­sen For­men zu Spie­len und diese, opti­ma­ler­weise mit dem Vor­gän­ger­ar­ti­kel: „Das foto­gra­fi­sche Auge: For­men“, zu kom­bi­nie­ren. Gute Gestal­tung ent­steht nicht aus dem rei­nen Wis­sen, son­dern mit der Erfah­rung, die man mit die­sem Wis­sen sammelt.

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