24 Sep 2010, Geschrieben von Rene Haas in Meinung, 5 Kommentare
Designcommunitys - Einer unter vielen?
Designcommunitys
Bestimmt ist so gut wie jeder, der diesen Beitrag liest, in irgendeiner der bekannten Communitys angemeldet. Sei es der DeviantArt, Behance oder bei Communitys, die sich speziell auf eine Sparte spezialisiert haben, wie zum Beispiel die Fotocommunity oder die Model-Kartei. Brauchen wir all diese Communitys überhaupt und wenn ja, wie kann man sie optimal für seinen Vorteil nutzen? Das wollen wir in diesem Beitrag einmal genauer beleuchten.
Darf’s denn etwas mehr sein?
Viele, und darunter zähle ich auch mich, sind in Unmengen Communitys angemeldet. Wahrscheinlich auch nicht zuletzt in der Hoffnung, seine Werke einem breiten Publikum vorzustellen und somit vielleicht einem zukünftigen Kunden aufzufallen. Doch sind wir mal ehrlich, bei wem hat das denn schon geklappt und wer kann von sich behaupten, dass er durch die Communitys groß geworden ist? Da fallen einem wahrscheinlich nicht all zu viele Namen ein, auch wenn es hier und da ein paar vereinzelte Fälle gibt.
Der vorherige Satz soll aber nicht heißen, dass es nicht geht — viel mehr soll er einem bewusst machen, dass man nicht durch die Masse der Netzwerke, in denen man angemeldet ist, bekannt wird, sondern durch das intensive Beschäftigen mit ihnen. Communitys sind etwas sehr Gutes, nur gibt es mittlerweile so viele, dass man mit einer wahren Welle an Internetseiten überschwemmt wird. Leider bringt die Vielfalt der Plattformen auch einen riesigen Aufwand mit sich, was die Pflege der eigenen Profile angeht. Man verkommt schnell in eine Art System und vernachlässigt, ohne es groß mitzubekommen, einige Plattformen, während man sich auf anderen ständig aufhält. Was bringt es uns also, in 10 Communitys angemeldet zu sein, wenn wir uns zeitlich nur um maximal zwei kümmern können? Um ehrlich zu sein, es bringt einem mehr „Ärger“ als Nutzen.
Friss die Hälfte!
Der Tag hat leider nur 24 Stunden und auch wenn wir manchmal gerne ein paar extra Minuten anhängen würden, es wird nicht geschehen und wir müssen uns damit arrangieren. Dazu eine sehr simple Rechnung: Wenn wir in 5 Designcommunitys angemeldet sind und uns in jeder Community etablieren wollen, dazu gehören Kommentare/Kritiken schreiben, Forenbeiträge posten usw. so bedarf dies einem geschätzten Zeitaufwand von ca. einer Stunde täglich, also einem Gesamtaufwand von 5 Stunden am Tag oder 35 Stunden die Woche. Wenn man nun von einem normal arbeitenden Mensch mit 40 Stunden die Woche ausgeht, so sieht man, dass es fast ein zweiter Job neben dem Job ist. Um das zu umgehen, sollte man sich nun einmal Gedanken darüber machen, welche Community einem mehr gefällt oder aus der man mehr Nutzen ziehen kann. Muss man also als Fotograf in 10 Communitys aktiv sein, die sich um Papierveredelung, Grafikdesign oder Zeichnen drehen? Wohl kaum, lieber sollte man sich ein bis zwei Plattformen suchen, die einem besonders ansprechen und sich dort einen Namen machen.
Die richtige Plattform finden
Nicht jede Plattform ist für jeden geeignet und andersherum. Communitys werden zu 98% aus ihren Mitgliedern gestaltet und nicht aus den zur Schau gestellten Bildern. Wie oft habe ich schon den Satz gehört: „Die Werke da sind ja so genial, meld dich da doch mal an!“. Was bringt es einem in einer Community zu sein, in der man sich schöne Bilder angucken, aber keine Konversation betreiben kann? Andersherum wäre die Frage, was einem eine Community bringt, in der nur Anfänger angemeldet sind, mit denen man aber super klarkommt. Beides endet darin, dass man früher oder später seine Aktivitäten in der jeweiligen Community zurück fährt oder gar ganz einstellt.
Um die richtige Community für sich zu finden, sollte man sich zuerst einige Fragen stellen:
• Was möchte ich mit meiner Anmeldung bezwecken?
–berufliche Kontakte knüpfen, kreativen Input oder einfach nur über mein Hobby mit netten Menschen diskutieren?
• Bin ich schon in einer ähnlichen Community?
• In welcher Sparte befinden sich die meisten Werke von mir?
• Deckt die Plattform mein Arbeitsspektrum ab?
–als T-Shirt Designer wird einem die Mitgliedschaft in einer Webdesignerplattform wohl wenig bringen und anders herum genauso
• Habe ich genug zeitliche Ressourcen, um mich um mein Profil in einer weiteren Community zu kümmern?
Hat man sich all diese Fragen beantwortet und weiß, wonach man eigentlich sucht, dann sollte das Finden einer geeigneten Community eigentlich kein Problem mehr darstellen.
Um euch die Auswahl etwas zu erleichtern findet ihr im nächsten Abschnitt einige Designcommunitys mit einer kurzen Beschreibung.
Welche darf’s nun sein?
Deviantart.com
Die weltweit größte Plattform für Kreative ist wohl unangetastet Deviantart. Jeden Tag werden 100.000 Werke bei Deviantart eingestellt und können von mehr als 13 Millionen registrierten Benutzern betrachtet, kommentiert und sogar als Printversion gekauft werden.
behance.com
Nicht zu vergleichen mit der Fülle von Deviantart ist das Behance Network. Hier legt man Wert auf professionelle Arbeiten und somit ist Behance eine sogenannte „Invite only“ Community. Hier bedarf es einer Einladung um sich anzumelden.
fotocommunity.de
Groß, bekannt und für jeden was dabei, der sich mit dem Thema Fotografie beschäftigt. Ob Größen wie Pavel Kaplun oder der interessierte Amateure, hier findet man sie alle. Einziges Manko der Fotocommunity ist, dass durch ihr Premiumsystem einiges für den normalen Freeuser verwehrt bleibt. So ist als kostenloser Nutzer nur ein Upload die Woche möglich und das Betrachten von Aktbildern bleibt ebenfalls dem zahlenden Publikum vorbehalten.
Model-Kartei.de
Jeder, der in Deutschland ein geeignetes Model für sein nächstes Shooting sucht, wird hier fündig. Die Model-Kartei ist, wie ihr Name schon impliziert, eine Community für Modele und Fotografen. Hier findet man sich gegenseitig und so ist es nicht selten, dass man als Fotograf eine Shootinganfrage eines Models bekommt und nicht anders herum. Voraussetzung hierfür sind natürlich einige ansprechende Bilder.
Designerscouch.org
Die Designercouch ist, ähnlich wie Behance, eine sogenannte „Invite-Only“. Wie das Behance Network, so kann man auch die Designercouch zu den Seiten zählen, wo man wirklich hochklassige Arbeiten zu sehen bekommt. Beide sind eine Art internationales „xing“ für Designer.
AGD-Netzwerk
AGD (Allianz deutscher Designer e.V.) — Hier trifft sich Deutschland, oder eher gesagt seine Designer. Regelmäßige, regional stattfindende Stammtische und kompetente Beratung sind das, was das AGD-Netzwerk ausmacht.
design:related™
Sich selbst bezeichnet die design:related™ Community als kreatives Werkzeug und Plattform, welche Designer zusammen bringt. Das Konzept der Seite erinnert sehr an behance oder Designerscouch — nur ohne den „Invite Only“ Fakor. Allgemein lässt sich sagen, dass man sich für eine der drei Plattformen entscheiden sollte.
1x.com
Du bist Fotograf und steckst in einer kreativen Krise und möchtest dich etwas inspirieren lassen? Dann bist du bei 1x.com richtig. Hier findest du eine große Anzahl hervorragender und kreativ umgesetzter Bilder in verschiedenen Kategorien, die für jeden etwas bereithalten.
Fazit
Wenn man sich heutzutage einen Namen als Designer, Fotograf oder Ähnliches machen will, dann reicht es nicht mehr nur aus „einfach gute Arbeit“ abzuleisten. Communitynähe ist hier das Stichwort. Kreative Netzwerke, ob national oder international, bieten einem ungeahnte Möglichkeiten — in jeder Hinsicht. Sei es um einen neuen Mitarbeiter zu finden, jemandem um eine Kollaboration anzufragen oder der Organisation eines regionalen Stammtisches. Alles in allem ist das Thema Communitys recht komplex und daher wird ein ausführlicher Mehrteiler, der auf diesen Artikel basieren wird, demnächst folgen.
















5 Kommentare
24. September 2010 20:01
Jana @Janasworld
Das hast du gut zusammen gefaßt. Auch ich war vor 5 Jahren der Meinung, mich überall anmelden und dabei sein zu müssen. Es war ein langsamer Lernprozess, der mich im letzten Jahr dazu brachte, mich weitesgehend (wenn es überhaupt geht, in manchen Communitys ist das nicht so einfach möglich) überall wieder abzumelden. Da ich überwiegend mit meinem Blog beschäftigt bin, bleibt nur noch wenig Zeit für Flickr und die Fotocommunity. Seit Wochen oder Monaten habe ich dort nichts hochgeladen, geschweige denn kommentiert. Doch ich kann mich nicht ganz davon trennen, weil doch immer noch Kontakte darüber entstehen. Aber es ist richtig, lieber ein Community richtig machen, statt fünf oder mehr nur sporadisch. Das betrifft aber auch alles andere im Leben :-)
28. Oktober 2010 15:13
Marco @87blog
Designerscouch.com — diese Domain steht zum Verkauf :-/
October 29 2010 00:08 am
Rene Haas @87blog
Adresse wurde aktualisiert und müsste nun wieder gehen :)
5. November 2010 18:20
Annett-G @87blog
Ich dachte immer.. „wie schaffen die das?“ Bei manchen Leuten hab ich den Eindruck , sie kümmern sich um 10 Communities.
Im letzten Jahr hab ich mich auch hier und da angemeldet und musste schnell merken, dass man schnell überfordert ist mit dem Zeitaufwand. Nach dem kleinen Rechenbeispiel wundert mich nun nicht mehr, dass ich immer nur auf 2–3 Seiten wirklich aktiv bin.
27. März 2012 13:30
Design | VI @87blog
Könnt ihr mir einen Tipp geben, wo es eine technisch orientierte Design-Community gibt?
… wo man nicht einfach nur Kunstwerke bestaunen kann, sondern auch mal z.B. sieht und austauscht, mit welcher Druck-, Veredelungs– und sonstiger Technik man welche Erzeugnisse erzielt hat, und auf welche Parameter man geachtet hat. ;-)
Mir fehlt bei genannten Communities der Bezug zum handwerklichen Part des Mediendesigns.
Oder macht sich da keiner Gedanken zur Zusammenarbeit mit Druckereien, sonst. Herstellern, Farbmanagement und zielgerichteter Design-Konzeption?
Ich würde z.B. in so einer Community gerne unterschiedliche Arbeiten mit 3D Lack sehen, eigene zeigen und darüber austauschen. :-)
Danke für Hinweise.
LG, VI
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