05 Aug 2010, Geschrieben von Rene Haas in Gestaltung, 8 Kommentare
Visitenkarten - Klein aber oho!
Visitenkarten hat heutzutage so gut wie jeder und meistens gleichen sie sich wie ein Ei dem anderen. Name, Anschrift, Telefonnummer, Email, Webseite und neuerdings sogar Social-Media Accountnamen. Meistens einseitig auf einem 300g/m² starken Karton. Die Devise der meisten scheint hier ganz klar „Masse statt Klasse“ zu sein. Was in diesen kleinen Dingern so alles steckt und wie man sie richtig nutzt um sich und/oder sein Unternehmen richtig zu vermarkten, das wollen wir in diesem Artikel erläutern.
Vorwort
Nur weil Visitenkarten klein sind und meistens sofort im Portmonaie verstaut werden, heißt das nicht, dass man sich bei der Gestaltung und beim Druck weniger Mühe zu geben hat als bei einem großen Printauftrag. Immerhin ist die Visitenkarte eines der besten Werbemittel. Sie lässt sich meistens relativ kostengünstig und schnell reproduzieren, ist platzsparend und somit immer dabei, lässt sich schnell den richtigen Personen aushändigen und kann bei guter Gestaltung einfach aus der Masse herausragen. Visitenkarten können eine klare und gute Message hinterlassen oder genau das Gegenteil bewirken und den Betrachter dazu veranlassen über die Qualität eurer Dienstleistungen/Produkte genauer nachzudenken.
Vorbereitung
Wie bei jedem Auftrag, auch wenn man für sich persönlich arbeitet, sollte man sich Gedanken darüber machen, wie das spätere Endprodukt aussehen soll und welche Wirkung es beim Betrachter hinterlassen soll. Soll es eher Fragen offen lassen, die Neugierde wecken oder soll es eine klare und vielleicht provokante Nachricht hinterlassen? Desweiteren wäre zu beachten, wo und für welche Branche die Visitenkarte zum Einsatz kommt. Bei einem Klempner mit berufsbedingt ständig dreckigen Händen müsste man auch das Material technisch anders gestalten als das für die Karte eines eines Bürokaufmanns. Eine kurze Auflistung von Fragen, die man sich besser schon vor der Gestaltung stellen sollte:
- Wer ist mein Kunde?
Die Frage klingt vielleicht banal aber hier verstecken sich oft einige persönliche Charakterzüge, die die Person ausmachen und welche man unter Umständen zur Gestaltung heranziehen kann um ein stimmiges Bild zwischen persönlichem Auftritt und der Message der Visitenkarte zu erzeugen. Ist er eher der ruhige und pragmatische Typ oder stets aufgedreht und eher intuitiv veranlagt? Hat er besondere Merkmale, die ihn Auszeichen? Besondere Haarfarbe/Frisur? Körperschmuck oder andere Merkmale die einem direkt ins Auge fallen? Wenn es sich bei dem Kunde natürlich um ein Unternehmen handelt, so sollte man diese Fragen auf das Unternehmen hin abstrahieren. Was verkauft das Unternehmen? Was unterscheidet es von anderen und wie kann man das visuell auf ein Format von 85x55 Millimeter übertragen? - Ist ein CD (Corporate Design) vorhanden?
Diese Frage wird man sich vor allem bei Unternehmensaufträgen stellen und bekommt meistens, sofern ein CD vorliegt, auch den dazugehörigen Styleguide mitgeliefert, welchen man auch tunlichst beachten sollte. Sollte man keinen Styleguide bekommen, so schadet es nie, danach zu fragen, um etwaigen Problemen schon im vorhinein aus dem Weg zu gehen. - Steht die Visitenkarte unter besonderen Beanspruchungen (Hitze, Kälte, etc.)?
Auch diese Frage klingt im ersten Moment vielleicht etwas absurd, hat jedoch durchaus ihre Berechtigung. Während wir uns bei einem Bankkaufmann oder einem Designer wohl kaum größere Gedanken darum machen müssen, sieht es bei einem Klempner oder Automechatroniker schon anders aus. Öl, Klimaschwankungen und Feuchtigkeit sind nur einige der Faktoren, die wir dann bei der Materialauswahl berücksichtigen sollten. Von unschönen eingeschweißten Visitenkarten wollen wir uns aber gleich distanzieren — da gibt es wesentlich elegantere Wege.
Prinzipiell können wir uns bei einer Visitenkarte die gleichen Fragen stellen, die wir uns auch beim Erstellen anderer Werbemittel stellen sollten.
Inspiration
Wie wichtig Visitenkarten sind, sieht man auch daran, dass es inzwischen eigene und nur für Visitenkarten ausgelegte Inspirationsseiten gibt, die die besten Karten in einer Bibliothek sammeln. Viele davon werden wir sicherlich nie verwenden können, da ihre Herstellung extrem kostenintensiv ist — aber es schadet sicherlich nie, sich auch hier weiter zu informieren als man eigentlich für die normale Arbeit braucht. Eine der wohl besten Seiten ist der Cardobserver — von dem auch die hier gezeigten Beispielbilder stammen.
Materialauswahl
Hier kommen wir auf einen Punkt zurück, den wir schon in der Vorbereitung angesprochen haben und zwar den Beanspruchungen, denen die Visitenkarte ausgesetzt ist. Dass wir bei einem Klempner schlecht eine unbehandelte Papiervisitenkarte gestalten können, sollte uns klar sein. Einmal mit nassen und dreckigen Fingern angefasst und schon ist das ganze Design für die Katz — das Papier quillt auf und der Dreck tut sein übriges. Hier möchte ich ein paar ausgefallene Materialien vorstellen, die man als Grundlage gebrauchen kann.
Metall

Visitenkarte aus gebürstetem Metall für ein Müllentsorgungsunternehmen mit einer kreativen Umsetzung des Firmenlogos in Form eines Flaschenöffners. Wind und Wetter machen dieser Karte ebenso wenig aus wie dreckige Finger (siehe Unternehmensbranche).
CDs
Visitenkarte mit nützlichem Hintergrund. Diese Visitenkarte ist eine funktionierende CD welche bis zu 450MB Datenspeicher enthält. Auch eine gute Idee für alle Fotografen und Designer die ständig Daten-CDs verschicken. So kann man geschickt seine Visitenkarte unter die Leute bringen.
Holz
Diese Visitenkarte besteht aus einer Holzfaserplatte, in die das Logo des Unternehmens eingelasert worden ist. Der Rest der Beschriftung wurde auf Papier geduckt und auf die Karte nachträglich aufgeklebt.
Lebensmittel
Bei dieser Visitenkarte handelt sich sich um ein abgeknabbertes Knäckebrot und sie wurde, wie man auf der Karte lesen kann, für einen englischen Personal Trainer und Ernährungsberater entworfen.
Plastik
Plastikvisitenkarten erfreuen sich seit Jahren zunehmender Beliebtheit. Hier wurde eine durchsichtige Plastikkarte bedruckt und die Transparenten stellen gekonnt eingesetzt. Visitenkarten auf Plastik sind im Vergleich zu anderen exklusiven Materialien noch in einem relativ normalen Preisrahmen anzufertigen.
Andere Materialien
Natürlich gibt es noch weitere Materialien, aus denen sich Visitenkarten erstellen lassen. Der Kreativität sind hier nur wenige bis keine Grenzen gesetzt. So gibt es beispielsweise Visitenkarten aus Keramikscherben, aus Stofffetzen oder auch als Streichholzschachteln.
Gestaltung
Was auf eine gut gestaltete Visitenkarte alles an Daten drauf muss, das wird hier wohl jeder Wissen. In der heutigen Zeit gibt es aber einige Besonderheiten die man beachten sollte. So sind viele Marketingkampagnen von Unternehmen auch auf Social-Media-Plattformen wie Facebook oder Twitter wiederzufinden. Auch Privatpersonen und vor allem Menschen aus dem Kreativbereich halten sich vermehrt auf solchen Plattformen auf. Bei solch einer Gelegenheit sollte man sich nicht scheuen, die Kontaktdaten für Facebook oder Twitter auch auf der Visitenkarte zu vermerken. Eine Visitenkarte sollte die Persönlichkeit des Unternehmens oder der Person widerspiegeln, natürlich ist hierbei aber darauf zu achten, dass der persönliche Facebook– oder Twitteraccount dann auch „geschäftstauglich“ aufbereitet ist.
Das folgende Beispiel wurde von mir basierend auf einer wirklich existierenden Visitenkarte nachgebaut — einzig und allein die Branche stimmt noch mit der ursprünglichen Visitenkarte überein und ich bitte jeden, der in seinem Bekanntenkreis so etwas sieht, sofort zu intervenieren.
So bitte NICHT!
Als ich die Visitenkarte zum ersten Mal in der Hand hatte und mir angesehen habe, dass der Besitzer sich Grafikdesigner schimpfte, musste ich beinahe anfangen zu weinen. Hier sind alle Fehler vorhanden, die man sich nur vorstellen kann. Unpassende Schriftarten, die zum Teil auch verzerrt worden waren und die fast zusammenlaufende Faxnummer mit der Postleitzahl sind nur einige der Punkte, die hier zu kritisieren sind. Dann ein handschriftlich korrigierter Fehler. Würdet ihr bei solch einer Visitenkarte etwa ein Design in Auftrag geben? Wohl eher nicht! Egal wie gut der Mensch dahinter wohl sein mag — seine Visitenkarte zerstört ihm klare Einkommenschancen.
So wird’s gemacht!
Eine super, wenn auch nicht mehr ganz neue, Idee ist das Unterbringen eines QR-Codes. Dieser Code kann mit jedem QR-App auf dem Iphone ausgelesen werden und kann verschiedener Dinge ausführen. So ist eine Weiterleitung auf die Internetseite genauso möglich wie das Präsentieren weiterer Informationen über die Person der diese Karte gehört. Hier finden wir klare Schriften, eine ansprechende Farbwahl und genügend Weißraum der die Visitenkarte, trotz ihrer Informationsvielfalt, nicht zu voll aussehen lässt. Alles in allem ein gelungenes Layout.
Wie ihr seht, sind auch bei der Gestaltung von Visitenkarten keine wirklichen Grenzen gesetzt. Ob schlicht und klassisch in Schwarzweiß auf „einfachem“ Papier oder ausgefallen und modern auf ein Stück Stoff gestickt. Natürlich variieren die Möglichkeiten je nach Material. So ist nicht alles auf Stoff möglich was z.B. auf Papier machbar wäre und anders herum. Ein Patentrezept gibt es auch hier nicht, aber die üblichen Gestaltungsgrundlagen gelten auch bei einem Format von 85x55mm und sollten auch angewendet werden.
Was eine Visitenkarte aber auf alle Fälle tun sollte ist, aus der Masse heraus zu stechen. Das kann durch eine besondere Haptik, ein spezielles Format oder einfach durch eine ausgefallene Gestaltung passieren. Je interessanter die Visitenkarte für den Betrachter, desto mehr wird sie ihm auch in (positiver) Erinnerung bleiben und er wird sich daran erinnern, wenn er jemanden sucht.
Fazit
Zum Schluss kann ich nur hoffen, das der Artikel einigen die Augen geöffnet hat und man sich nun mehr Gedanken über die eigenen Visitenkarten macht. Schlechte Beispiele, wie oben gezeigt, gibt es immer noch viel zu häufig und sollten eigentlich niemanden angetan werden. Bei einer Visitenkarte sollte man sich stets fragen, ob man selber, nur aufgrund der Karte, etwas bei der Person/Firma in Auftrag geben würde oder diese überhaupt als kompetent genug dafür ansieht.
Wer sich nun dazu entschlossen hat, eine kreative Visitenkarte anzufertigen und diese drucken zu lassen, wird sich meistens dem Problem stellen müssen, WO er diese Karten überhaupt drucken lassen soll. Da hilft einfach nur der direkte Kontakt mit einer Druckerei, denn diese Fälle sind meist zu spezifisch, als dass man sie online bestellen könnte.
Wie sehen eure Visitenkarten aus? Haltet ihr ausgefallene Visitenkarten für sinnvoll oder für total übertrieben? Seid ihr der Meinung das man Visitenkarten so einen großen Stellenwert einräumen sollte oder findet ihr das übertrieben? Schreibt uns eure Meinung!

















8 Kommentare
5. August 2010 16:41
ICEPIN @87blog
obwohl „so bitte nicht“ auch schon wieder seinen reiz hat…
am ende zählt das, was man macht, die karte auf einen zugeschnitten ist und wenn ein oberkreativer design-guru mit ner copy-shop-karte kommt hat das stil!
6. August 2010 15:20
CMDVisuals @CMDVisuals
Auch schon gesehen, und grade für Fotografen gut, wenn die DVD bzw. CD an die Kapazitätsgröße stößt: USB-Sticks, bedruckt und gar nicht mal soooo teuer…
Übrigens wieder sehr guter Artikel, finde die Plastikkarten sehr reizvoll. Habt ihr da mal nen Link? Bzw. Hinweise zu den Kosten?
6. August 2010 15:22
CMDVisuals @CMDVisuals
Auf die Idee, direkt auf das Bild zu klicken, bin ich mal wieder nicht gekommen ;-) Die Sache mit dem Link hat sich also erledigt ;-)
12. August 2010 11:08
Flyerpilot @87blog
Danke für den tollen Visitenkarten-Artikel! Deine Denkanstöße zu Material und Beschaffenheit öffnen bestimmt einigen die Augen. Danke auch für den Tipp „Cardobserver“. Die Seite habe ich noch nicht gekannt aber jetzt gleich in meinem RSS-Reader abonniert.
19. August 2010 12:59
Saskia @Saskia
Also ich finde auch, das die Gestaltung von Visitenkarten wichtig ist da es nunmal wirklich das Intresse weckt. Wenn ich jemanden eine Visitenkarte in die Hand drücke wo halt nur mein Name, meine Adresse und meine Telefonnummer drauf steht, steckt er diese direkt in die Tasche. Das wars!
Mittlerweile lasse ich mir meine Visitenkarten anfertigen, auch richtig schön mit Design und was ist? Sofort bekomme ich positive Kommentare dazu.
13. September 2010 22:10
Tim @87blog
Hey… den QR-Code finde ich super und habe ich auch in unsere Blogger-V-Cards mit aufgenommen. Vielen dank für die Idee… bzw. die Stärkung dieser.
6. Dezember 2010 11:28
Elisabeth @87blog
Hallo,
erstmal möchte ich sagen: Ein super Artikel! Sehr gut und verständlich geschrieben und eine wirkliche Hilfe. Ich finde auch toll, dass endlich mal jemand anspricht, dass ausgefallene Visitenkarten zum Unternehmen passen müssen. In vielen Blogs werden extrem spezifische Visitenkarten gezeigt und es hört sich immer so an als könnte jeder mit so einer Visitenkarte Eindruck machen. Leider vergessen die meisten, dass wenn man Geschäftsmann ist, z.B. PR oder Finanzen, es nicht viel Sinn macht ein Gummiband oder einen Luftballon zu verteilen, wenn das einfach keinen Bezug zum Unternehmen hat. Da sollte man eher auf die klassische Karte zurückgreifen, niemand auf einer Messe möchte mit einem Stück Holz rumlaufen oder einen zerkrümelnden Keks in der Tasche rumtragen. Das macht dann eher einen schlechten Eindruck. Also wirklich gut dargestellt in diesem Beitrag!
Ich denke die Visitenkarte hat noch immer einen hohen Stellenwert, insbesondere durch die Globalisierung wird der sogar noch steigen. In Asien sind Visitenkarten unheimlich wichtig für jede Geschäftsbeziehung, daher ist es besonders wichtig ordentliche Visitenkarten zu erstellen und die professionell drucken zu lassen (gibt ja genügend günstige und qualitativ hochwertige Druckereien, ich empfehle Smileprint), da muss nun wirklich nicht das hausgemachte Modell vom eigenen kleinen Tintenstrahl-Drucker sein. Die Investition ist es meist mehr als wert.
29. Dezember 2010 18:23
Cico @87blog
Ich surfe jetzt schon seit einigen Tagen auf der Suche nach aussergewöhnlichen Visitenkarten. Neben den Understatment-Varianten gibt es wirklich originelle und einprägsame Exemplare welche m.E. eine nicht zu unterschätzende Wirksamkeit haben können.
Leider ist dieses Thema hierzulande eher unterrepräsentiert
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