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Typografische Fettnäpfchen

31 Jul 2010, Geschrieben von Peter Rudolph in Gestaltung,Tutorials,Typografie, 13 Kommentare

Typografische Fettnäpfchen


Typo­gra­fie gilt für viele als Buch mit sie­ben (wenn nicht gar 87) Sie­geln. Und in der Tat, wenn man in die Tiefe die­ser über­aus span­nen­den Dis­zi­plin vor­drin­gen möchte, gibt es wirk­lich eine Viel­zahl an Stol­per­stei­nen und Regeln, die alles andere als ein­fach zu begrei­fen bzw. umzu­set­zen sind. Ein Laie ohne (zumin­dest) grund­le­gende Kennt­nisse wird mit Regeln zum Kerning und zur manu­el­len Spa­tio­nie­rung kaum etwas anfan­gen kön­nen – ein Grund also, als Laie sämt­li­che typo­gra­fi­schen Regeln aus Prin­zip zu igno­rie­ren und ein­fach nach Gut­dün­ken mit Schrift zu gestalten?

Nein, denn die wich­tigs­ten Faux­pas im Umgang mit Schrift sind eigent­lich leicht zu mer­ken und zu ver­mei­den. Da sich der Laie aber kein hun­derte Seite dickes Typo-Buch kau­fen wird, wol­len wir in die­sem Arti­kel ver­su­chen, die gröbs­ten Stol­per­steine all­ge­mein ver­ständ­lich zu erklä­ren und auf­zu­zei­gen, wie man ohne gro­ßes Hin­ter­grund­wis­sen mit ein­fa­chen Mit­teln wesent­lich bes­sere Schrift set­zen kann.

Die­ser Ansatz macht eigent­lich schon klar, was die­ser Arti­kel sein kann (und soll) — und was nicht. Die­ser Arti­kel befasst sich mit den aller­gröbs­ten Schnit­zern im Umgang mit Schrift. Diese unter­lau­fen nicht nur Anfän­gern und Laien, im Gegen­teil, auch Gestal­ter, die regel­mä­ßig mit Schrift han­tie­ren, tap­pen immer wie­der in diese typo­gra­fi­schen Fett­näpf­chen. Was man in die­sem Arti­kel jedoch nicht fin­den kön­nen wird, ist Detail– und Lese­ty­po­gra­fie bis ins letzte Detail — dar­über wer­den zurecht hun­derte Buch­sei­ten ver­fasst und es ist wohl kaum mög­lich, all das in einen Blog­bei­trag zu packen.

Viele Anga­ben in die­sem Arti­kel basie­ren auf dem gemein­hin als Typo-Standardwerk aner­kann­ten Buch „Detail­ty­po­gra­fie“ von Fried­rich Fors­s­man und Ralf de Jong. Mit Sicher­heit kann man ein­zelne Punkte auch anders aus­le­gen, man­ches ist sicher eher eine Geschmacks– als eine Regel­frage — wer also eine andere Sicht­weise ver­tritt, ist sehr will­kom­men, sie in den Kom­men­ta­ren mitzuteilen.

Schriftwahl

Wer heut­zu­tage gestal­te­risch tätig ist, dem ste­hen in der Regel viele Hun­dert, ja tau­sende Schrif­ten zur Ver­fü­gung. Wel­che sollte man also nun vor­zugs­weise nut­zen? Dazu gibt es — gott­sei­dank — keine fes­ten Regeln, wenn auch ver­schie­denste Ent­schei­dungs­hil­fen. Natür­lich eig­net sich man­che Schrift bes­ser für ein spe­zi­el­les Pro­jekt als eine andere, im Grunde kann der Gestal­ter hier aber frei wäh­len. Einige Ein­schrän­kun­gen gel­ten aber doch — und um die soll es hier gehen:

Die No-Gos

Es gibt ein paar wenige Schrif­ten, die man ein­fach nicht (mehr) benut­zen sollte. Punkt. Warum? Weil sie ent­we­der von der Schrift­ge­stal­tung her grau­en­voll sind, oder aber weil sie in der Ver­gan­gen­heit der­ma­ßen exzes­siv und unpas­send ver­wen­det wur­den, dass man mit ihr keine guten Asso­zia­tio­nen ver­bin­det. Meist kommt sogar bei­des zusam­men. Die 5 schlimmsten:

MS Comic Sans

Die wohl ver­hass­teste Schrift­art der Welt, eine rie­sige Pro­test­be­we­gung setzt sich mitt­ler­weile dafür ein, dass die Comic Sans nicht mehr ver­wen­det wird — und nichts­des­to­trotz hält sie sich seit Jah­ren extrem hart­nä­ckig. Wie ein schlech­ter Witz taucht sie immer da auf, wo man wirk­lich am wenigs­ten mit ihr rech­net, sie ist unbe­re­chen­bar und heim­tü­ckisch, ist auf Anhieb zu erken­nen — und abso­lut hässlich.

Papy­rus

Gna­den­los „ove­r­u­sed“ ist auch die Papy­rus. Wenn man sich auf­merk­sam umsieht, kann man sich nur ver­dutzt die Augen rei­ben, in welch absur­den Zusam­men­hän­gen diese antik anmu­tende Schrift oft­mals ver­wen­det wird.

Brush Script

Cou­rier New

Als Monospace-Schrift (d.h. alle Zei­chen haben die selbe Breite) mag die Cou­rier hin und wie­der ihre Berech­ti­gung haben, etwa als Stan­dard­schrift­art in rei­nen Text­edi­to­ren oder beim Coding. Da sie stark an die klas­si­sche Schreib­ma­schi­nen­schrift erin­nert, kann sie für Pro­jekte, wo genau das simu­liert wer­den soll, durch­aus ange­mes­sen sein. Als regu­läre Schrift für nor­male Fließ­text­an­wen­dun­gen oder Head­lines ist sie aber nicht nur schlecht les­bar son­dern schlicht unbrauchbar.

Curlz MT

Schnör­kel und Krin­gel bedür­fen kei­ner wei­te­ren Erläu­te­rung: In einer ernst­haft gestal­te­ten Arbeit hat so etwas nichts zu suchen. Nicht falsch ver­ste­hen: Wenn das Pro­jekt es erfor­dert, kön­nen Schnör­kel und Krin­gel natür­lich durch­aus nötig sein. Dann sollte man sich aber lie­ber an eine bewährte Schrift hal­ten und Orna­mente etc manu­ell erstel­len, als auf Schrif­ten wie die Curlz zurückzugreifen.

Eben­falls hart an der „Niemals!“-Grenze:

Tra­jan Pro

Die Tra­jan Pro ist wohl welt­weit bekannt als „The Movie Font“. Sie ziert zumin­dest gefühlt jedes 2. Film­pla­kat und DVD-Cover  (Siehe auch: Der  Lei­dens­weg der Tra­jan Pro). Bewusst ein­ge­setzt kann sie durch­aus noch ihren Reiz haben, man sollte aber immer im Hin­ter­kopf behal­ten, dass die erste Asso­zia­tion bei die­ser Schrift zwangs­läu­fig in Rich­tung Film­wirt­schaft geht.

„Einem geschenk­ten Gaul…“ – Über Freefonts

Gute Schrif­ten sind oft­mals ein teu­rer Spaß, die gro­ßen Found­ries las­sen sich für eine gut aus­ge­baute Schrift meist teu­res Geld bezah­len. Erfreu­li­cher­weise, so denkt sich der unbe­darfte Hob­by­ge­stal­ter, gibt es ja auch unzäh­lige Free­fonts — die kos­ten nichts und las­sen sich wun­der­bar ein­fach aus dem Netz her­un­ter­la­den. Soweit so gut, nur hin­ter­her kommt dann oft­mals das böse Erwa­chen: Es feh­len Son­der­zei­chen, die Schrift hat keine Umlaute, ein­zelne Zei­chen­kom­bi­na­tio­nen wur­den nicht ver­nünf­tig oder gar nicht gekernt, die Buch­sta­ben stel­len sich in gro­ßen Grö­ßen als unsau­ber gezeich­net her­aus, sie sind oft­mals nicht für kom­mer­zi­elle Zwe­cke nutz­bar und, und, und… die Liste der mög­li­chen Stol­per­steine im Umgang mit Free­fonts ist lang und tückisch.

Die­ser Absatz ist nicht falsch zu ver­ste­hen: Wir wol­len hier nicht gene­rell von Free­fonts abra­ten. Im Gegen­teil, es gibt so man­che extrem gute kos­ten­lose Schrift, die den Ver­gleich mit ihren kos­ten­pflich­ti­gen Kon­kur­ren­tin­nen abso­lut nicht zu scheuen braucht, ja sie teil­weise sogar über­trifft. Und auch so man­che kom­mer­zi­elle Schrift (ins­be­son­dere ältere) kann umge­kehrt so man­che Tücke ber­gen. Der ent­schei­dende Punkt ist ein­fach der, dass man beim Umgang mit Free­fonts unbe­dingt ein paar Dinge im Hin­ter­kopf haben muss, die gleich zu Beginn des Pro­jekts zu über­prü­fen sind, ansons­ten ist der Ärger groß, wenn sich erst im Eifer des Gefechts etwaige Män­gel der Schrift bemerk­bar machen und man eine kom­plett neue suchen muss, die allen Anfor­de­run­gen gerecht wird.

Von extrem aus­ge­fal­le­nen Schrif­ten (z.B. Graf­fiti Style, Comic Style, Hand­schrift­style…) sollte man als Laie wohl ohne­hin lie­ber die Fin­ger las­sen, auch wenn gerade die schein­bar eine magi­sche Anzie­hungs­kraft aus­üben. Im Zwei­fels­fall ist man mit einer zwar viel­leicht nicht so auf­fäl­li­gen, dafür aber bewähr­ten und sta­bi­len klas­si­schen Schrift auf der siche­re­ren Seite als bei wil­den Expe­ri­men­ten mit exo­ti­schen Free­fonts. Hier kann ein­fach viel zu viel schiefgehen.

Umgang mit Schrift

Der rich­tige Umgang mit Schrift ist eine Wis­sen­schaft für sich — die Mate­rie füllt nicht umsonst rei­hen­weise Bücher. Zwei No-Gos wol­len wir aber hier her­aus­grei­fen, die man unbe­dingt ver­mei­den sollte:

Schrift ras­tern

Digi­tale Schrif­ten sind von Haus aus Vek­tor­da­ten (von völ­lig ver­al­te­ten For­ma­ten ein­mal abge­se­hen). Genau das ist auch die Vor­aus­set­zung dafür, dass wir Schrif­ten wun­der­ba­rer Weise in jeder belie­bi­gen Größe set­zen kön­nen, egal ob 6pt oder 6000pt — da es sich um Vek­tor­da­ten han­delt, ist das Schrift­bild stets abso­lut scharf. Aus genau die­sem Grund sollte man es unbe­dingt ver­mei­den, Schrif­ten ihrer Vek­tor­ei­gen­schaf­ten zu berau­ben, indem man sie in Pixel­bil­der umwan­delt. Wer also z.B. in Pho­to­shop mit Schrift han­tiert und eine Text­ebene ras­tert (ergo: in Pixel­da­ten umrech­net), ver­baut sich jede Mög­lich­keit, die Schrift nach­träg­lich sau­ber zu ska­lie­ren oder gar Ände­run­gen am Text vor­zu­neh­men. Wer eine geras­terte Schrift trotz­dem ska­liert, erhält dann gern soetwas:

Pixel­ba­sierte Pro­gramme sind also für den Umgang mit Schrift (zumin­dest wenn es sich um Print­pro­jekte han­delt) nur in Not­fäl­len zu gebrau­chen, man sollte hier unbe­dingt auf ein Pro­gramm zurück­grei­fen, das ver­nünf­tig mit Vek­tor­da­ten umge­hen kann. Adobe Illus­tra­tor und InDe­sign sind hier sicher­lich die bekann­tes­ten Ver­tre­ter, kos­ten­lose (und kaum schlech­tere) Vari­an­ten wären Inkscape (AI) oder Scri­bus (ID). Um Miss­ver­ständ­nis­sen vor­zu­beu­gen: Man wird nicht umge­hend vom Blitz erschla­gen, wenn man bei­spiels­weise einen ein­fa­chen Flyer in Erman­ge­lung einer Alter­na­tive aus­nahms­weise mal in Pho­to­shop setzt. Wenn man hier sau­ber arbei­tet, kann das Ergeb­nis durch­aus akzep­ta­bel sein. Man gibt aber wie bereits beschrie­ben den Groß­teil der Mög­lich­kei­ten für die Arbeit mit Schrift aus der Hand und geht unnö­tige Risi­ken ein, des­halb sollte man für pro­fes­sio­nelle Arbei­ten immer auf ange­mes­sene Pro­gramme zurück­grei­fen. Pho­to­shop ist zwar ein sehr mäch­ti­ges Pro­gramm, für den ver­nünf­ti­gen Umgang mit Schrift wurde es aber schlicht nicht ent­wi­ckelt. Es würde ja auch nie­mand auf die Idee kom­men, seine Beau­ty­re­tu­schen oder Com­po­sings künf­tig in InDe­sign vor­zu­neh­men — oder doch?

Schrift ver­zer­ren

Eine gute Schrift wurde in aller Regel von einem erfah­re­nen Schrift­ge­stal­ter ent­wor­fen und im Ide­al­fall bis ins letzte Detail per­fek­tio­niert. Man kann also davon aus­ge­hen, dass hin­ter Buch­sta­ben­for­men, Bin­nen­for­men und Abstän­den reif­li­che Über­le­gun­gen stan­den und dass die Cha­rak­te­ris­tika der Schrift aus typo­gra­fi­scher Sicht mit­ein­an­der har­mo­ni­sie­ren. Was man also als Laie unbe­dingt ver­mei­den sollte, ist jeder Ein­griff in diese Para­me­ter. Wer hier ohne fun­dier­tes Wis­sen an Wer­ten wie der Spa­tio­nie­rung (ergo: dem Buch­sta­ben­ab­stand) han­tiert, kann mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit davon aus­ge­hen, dass das Ergeb­nis eher schlech­ter ist als das, was der Schrift­ge­stal­ter vor­ge­se­hen hat. Was man als Nicht-Profi in JEDEM Fall unter­las­sen sollte, ist das Ver­zer­ren oder Stau­chen von Buch­sta­ben oder gan­zen Zei­len, um bei­spiels­weise etwas Platz zu spa­ren oder eine Zeile auf die gesamte Sei­ten­breite aus­zu­trei­ben. Da die Strich­stär­ken von waa­ge­rech­ten und senk­rech­ten Linien inner­halb vom Schrift­ge­stal­ter exakt auf­ein­an­der abge­stimmt wur­den, zer­stö­ren sol­che Ein­griffe den Ein­druck einer Schrift schon bei mini­ma­len Ände­run­gen und gehö­ren völ­lig zu Recht zu den Tod­sün­den im Umgang mit Schrift — zumin­dest dann, wenn sich nicht zu 120% sicher ist, was man da tut.

Wordart

Ver­mei­den sollte man unbe­dingt auch das, was man gemein­hin unter dem Namen „Wordart“ aus Pro­gram­men wie Micro­soft Word kennt. Dabei wird Schrift anhand ver­schie­dens­ter Pre­sets in alle erdenk­li­chen For­men gebo­gen und gezerrt und oft­mals noch mit einem fie­sen 3D– oder Schat­ten­ef­fekt belegt — übler kann man einer Schrift kaum mit­spie­len. Wordart war mög­li­cher­weise cool für die erste digi­tal selbst gestal­tete Kin­der­ge­burts­tags­ein­la­dung, wer aber auch nur ansatz­weise pro­fes­sio­nelle Gestal­tung in Sinn hat, macht um Wordart & Co bitte einen ganz gro­ßen Bogen.

Typo-Käse: Der löch­rige Blocksatz

Der Block­satz ist eine beliebte Satz­art ins­be­son­dere für län­gere Texte, weil er (kor­rekt ver­wen­det) jede Zeile kom­plett füllt und für sau­bere Satz­kan­ten auf bei­den Sei­ten der Kolumne sorgt. Das Pro­blem daran ist, dass man beim Block­satz eini­ges falsch machen kann und dass er so, wie er von den meis­ten Pro­gram­men auto­ma­tisch erzeugt wird, meist nicht wirk­lich vor­zeig­bar ist. Wohl jeder hat schon ein­mal solch einen „ver­un­glück­ten“ Block­satz gese­hen: Große weiße Lücken rei­ßen Löcher in die Zei­len, so dass das Lesen zur Qual wird, bei schma­len Zei­len wer­den Wör­ter extrem spa­tio­niert um die Zeile auf Gedeih und Ver­derb aus­zu­fül­len, an ande­rer Stelle pas­siert genau das Gegen­teil und Worte wer­den so eng anein­an­der gequetscht, dass man sie kaum noch als sepa­rate Wör­ter wahr­nimmt — die Sym­ptome von schlech­tem Block­satz sind so viel­fäl­tig wie hässlich:

Was also tut man, wenn man sol­chen zer­fres­se­nen Block­satz ver­mei­den möchte? Die ein­fachste Regel lau­tet: Block­satz ver­mei­den. Zwar birgt auch der Flat­ter– bzw. Rauh­satz man­chen Stol­per­stein, hier sind aber weit weni­ger Fall­stri­cke zu erwar­ten, wenn man auf die Auto­ma­tis­men der Pro­gramme ver­traut. Die meis­ten Druck­sa­chen, die man als Laie anfer­tigt (in der Haupt­sa­che ver­mut­lich Briefe etc.), kön­nen ebenso gut im Flat­ter­satz gesetzt wer­den, meist wirkt die­ser sogar freund­li­cher und offe­ner, als der ver­krampfte Block­satz. Was aber, wenn es zwangs­läu­fig Block­satz sein muss? Dann sollte man unbe­dingt ein ver­nünf­ti­ges Satz­pro­gramm ver­wen­den, weil man nur hier aus­rei­chend Ein­stel­lungs­mög­lich­kei­ten zum Umbruch­ver­hal­ten im Block­satz zur Ver­fü­gung hat. Über die Ein­stel­lun­gen kann gere­gelt wer­den, wie lang ein Wort min­des­tens sein muss, um getrennt wer­den zu dür­fen, wie viele Zei­chen vor bzw. nach dem Trenn­strich ste­hen dür­fen, wie viele Tren­nun­gen in Folge erlaubt sind und bis zu wel­chem Grad die Lauf­weite der Schrift mani­pu­liert wer­den darf, um einen sau­be­ren Block­satz zu gewähr­leis­ten. Der rich­tige Umgang mit die­sen Ein­stel­lun­gen will geübt sein und hängt von eini­gen zusätz­li­chen Fak­to­ren ab, des­halb hier nur in aller Kürze die­je­ni­gen Werte, die gemein­hin als bewährte Richt­werte gel­ten (nach Fors­s­man / De Jong). Wer sich hier­mit aber ernst­haft befas­sen möchte, der sollte sich unbe­dingt wei­ter ein­le­sen, um auch auf Son­der­fälle ange­mes­sen rea­gie­ren zu können.

  • Opti­male Zei­len­länge für Block­satz: Etwa 60 Anschläge (ca 10Wörter)
  • Wör­ter unter 5 Zei­chen Länge soll­ten nicht getrennt werden
  • Vor dem Trenn­strich: Min­des­tens 2 Zeichen
  • Nach dem Trenn­strich: Min­des­tens 3 Zeichen
  • Wort­zwi­schen­raum: Min­des­tens 85%, opti­mal 100%, maxi­mal 130%
  • Lauf­wei­ten­än­de­rung und Ver­zer­ren der Schrift nicht erlauben

Anfüh­rungs­zei­chen

Wenn man einmal die Augen offen hält und sich nach typografischen Fauxpas umschaut, wird man wohl bei den Anführungszeichen als erstes fündig. Kaum eine Zeitung, kaum ein Magazin, wo hierbei wirklich fehlerfrei gearbeitet wird, von Amateurarbeiten ganz zu schweigen. Man muss zugeben, auf den ersten Blick ist die Vielzahl ähnlicher Zeichen durchaus verwirrend. Es gibt “solche” und "solche", „solche“, ‹solche› und «solche», auch »solche« und ›solche‹ – was zum Henker ist also richtig? Die Antwort ist zumindest dann ganz einfach, wenn es sich um rein deutschen Text handelt: Normale Anführungszeichen gibt es ausschließlich in dieser Form: „Anführung“. Die Ausrichtung kann man sich mit der Hilfestellung 99...66 ganz gut merken. Beidseitig obenstehende oder gedrehte Anführungszeichen haben im deutschsprachigen Satz nichts verloren. Erlaubt, und oftmals hübscher sind die Guillements, die sowohl «sorum» als auch »sorum« verwendet werden dürfen. Sie haben den großen Vorteil, dass sie weder vom Gestalter noch vom Leser mit ähnlich aussehenden Zeichen wie Kommata, Zollstrichen oder Apostrophen verwechselt werden können. Bei den Guillements gilt aber immer, egal in welche Richtung sie weisen: Es handelt sich hier um ein eigenes Zeichen. Ein doppelt gesetztes größer-als- (>) bzw. kleiner-als-Zeichen (<) ist >>KEIN<< korrektes Anführungszeichen.  Verwendet man die normalen deutschen Anführungszeichen in ‚einfacher‘ Ausführung, dann gilt übrigens weiterhin die 9...6 Regel, auch hier haben Apostrophe und Zollstriche nichts verloren.

Potentiell komplizierter wird es dann, wenn es sich nicht mehr um rein deutschsprachigen Satz handelt, sondern man etwa mit englischen Zitaten hantieren muss. Hier gilt: Handelt es sich um ein kurzes fremdsprachiges Zitat, so kann es auch von den „regulären deutschen Anführungszeichen“ umschlossen werden. Handelt es sich jedoch um mehrere Sätze, einen ganzen Absatz oder gar mehrere Seiten, werden die Anführungszeichen der jeweiligen Sprache verwendet, im Englischen also “diese hier” (66-99, beidseitig oben). Richtig spannend wird es dann bei Zitaten innerhalb von fremdsprachigen Zitaten oder bei wörtlicher Rede innerhalb eines Zitates – die Regeln hierfür können an dieser Stelle leider nicht komplett beschrieben werden, wer sich damit befassen möchte, dem sei das Kapitel Satzzeichen in Forssman / De Jong: Detailtypografie ans Herz gelegt. Für alle anderen dürfte die Faustregel 99...66 bereits 90% aller Fälle abdecken.

Einen sehr ausführlichen und hilfreichen Artikel zum Thema Anführungszeichen gibt es übrigens auch bei Typefacts.

Sper­ren aus Platzgründen

Als  S p e r r u n g  bezeich­net man die Aus­zeich­nung eines Wor­tes indem man den Zei­chen­ab­stand deut­lich erhöht, wodurch es aus dem Grau­wert des umge­ben­den Tex­tes als hel­le­rer Fleck her­vor­sticht. Es han­delt sich hier­bei wie gesagt um eine Aus­zeich­nung, ver­gleich­bar mit einem fett­ge­druck­ten, kur­si­ven oder unter­stri­che­nen Wort. Dies ist durch­aus legi­tim, was jedoch nicht legi­tim ist, ist die Ver­wen­dung einer Sper­rung, um ein Wort oder eine Zeile auf eine bestimmte Breite zu brin­gen. Dadurch würde der ent­spre­chende Text­ab­schnitt aus­ge­zeich­net und betont, obwohl inhalt­lich keine Ver­an­las­sung dazu besteht — die Ver­wen­dung der Sper­rung, um Text auf eine bestimmte Breite zu trim­men, ist schlicht falsch und unbe­dingt zu vermeiden.

Schräg­stel­len und fetten

Ins­be­son­dere „ein­fa­che“ Text­ver­ar­bei­tungs­pro­gramme wie MS Word oder Open­Of­fice bie­ten an pro­mi­nen­ter Stelle in der Werk­zeug­leiste But­tons, um die aktu­ell ver­wen­dete Schrift kur­siv oder fett zu set­zen. Dabei ist aber Vor­sicht gebo­ten, denn es han­delt sich hier­bei nicht zwangs­läu­fig um einen ech­ten fet­ten bzw kur­si­ven Schnitt der Schrift, viel­mehr wird sie digi­tal geneigt, um die Kur­sive zu imi­tie­ren bzw. die Strich­stärke wird ver­stärkt, um einen fet­ten Schnitt vor­zu­täu­schen. Das Ergeb­nis mag für den Laien noch ähnlich aus­se­hen, typo­gra­fisch ist das aber unbe­dingt zu unter­las­sen. Eine echte Kur­sive und auch eine echte fette Schrift wur­den vom Schrift­ge­stal­ter manu­ell gezeich­net, die meis­ten Kur­si­ven sind nicht ein­fach nur schräg­ge­stellte Ver­sio­nen der Stan­dard­schrift son­dern wei­sen oft­mals ganz eigene Buch­sta­ben­for­men und an die Kur­sive ange­passte Strich­stär­ken auf. Auch bei einem ech­ten fet­ten Schnitt sind Strich­stär­ken und Bin­nen­räume exakt auf­ein­an­der abge­stimmt — eine auto­ma­ti­sche Ver­fet­tung der Schrift kann hier kein anspre­chen­den­des Ergeb­nis erzeu­gen. Lan­ger Rede kur­zer Sinn: Möchte man eine Schrift kur­siv oder fett ein­set­zen, dann ist stets auf die ent­spre­chen­den ech­ten Schrift­schnitte zurück­zu­grei­fen. Sind diese nicht vor­han­den (was durch­aus vor­kom­men kann), muss auf die Aus­zeich­nung ver­zich­tet wer­den oder man wählt eine andere Schrift. Digi­ta­les Ver­fet­ten und Schräg­stel­len gehört jeden­falls nicht in eine halb­wegs pro­fes­sio­nelle Arbeit. Auch hier erweist sich übri­gens wie­der die Arbeit mit einem ech­ten Satz­pro­gramm (etwa InDe­sign) als sehr hilf­reich, denn hier sind die „Fake-Schriftschnitte“ gar nicht oder nur über Umwege zu finden.

Ich hoffe, dass der eine oder andere Tipp jeman­den wei­ter­ge­bracht hat. Es sei noch ein­mal erwähnt, dass es sich hier wirk­lich nur um einige sehr grund­le­gende Regeln han­delt, wer sich ein­ge­hend mit Typo­gra­fie befas­sen will, wird um aus­gie­bige Buch­lek­türe nicht her­um­kom­men. Aber ich denke gerade für Laien und Nicht-Typografen sind diese Tipps ein guter Ansatz, um die gröbs­ten Fett­näpf­chen zu umschif­fen und siche­rer mit Schrift han­tie­ren zu können.

Macht ihr euch Gedan­ken, wenn ihr mit Schrift arbei­tet? Wie wählt ihr eure Fonts für ein Pro­jekt aus? Ver­lasst ihr euch auf die Stan­dard­ein­stel­lun­gen der Pro­gramme oder bes­sert ihr manu­ell nach? Hat euch der Arti­kel wei­ter­ge­hol­fen oder seht ihr ein­zelne Punkte ganz anders? Wir sind gespannt auf eure Meinungen!

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13 Kommentare

31. Juli 2010 21:45

Kai Seli­ger

Sehr sehr span­nen­der Arti­kel, schön zu lesen.

Als Web­de­si­gner han­tiere ich auch oft mit Schrif­ten rum, sei es in der Con­tent­ge­stal­tung, oder als Gestal­tungs­mit­tel mit­tem im Lay­out, dem­ent­spre­chend muss ich mir auch oft­mals Gedan­ken über Schrift­ge­stal­tung machen.
Wenn man darin aber nicht wirk­lich geschult ist fällt es schwer mal Neues aus­zu­pro­bie­ren und von den Stan­dard­schrif­ten weg­zu­kom­men. Aller­dings bin ich gut dabei mich da weiterzuentwickeln. (:

Meine abso­lu­ter Lieblings(standard)font ist im übri­gen Times New Roman.

2. August 2010 20:01

Leon

Oha, das war ja ein schon mal ein schö­ner Bro­cken zu lesen, aber durch­aus informativ!

Da ich gestal­te­risch momen­tan noch nicht wirk­lich aktiv unter­wegs bin, brau­che ich mir aktu­ell keine Gedan­ken über Schrift­wahl und Zei­chen­set­zung machen. Aber man kann nie wis­sen, was noch auf einen zukommt, von daher ist es gut zu wis­sen, dass es hier so einen Arti­kel gibt, an den man sich zurück­er­in­nern kann.

Grüße!

7. August 2010 22:41

bee

Danke! Typo­gra­fie ist für mich eher ein Rand­thema, darum hat mir diese Ein­füh­rung ne Menge gebracht.

23. August 2010 00:36

fabian nerst­hei­mer

„…Ver­gan­gen­heit der­ma­ßen exzes­siv und unpas­send ver­wen­det wur­den, dass man mit ihr keine guten Asso­zia­tio­nen ver­bin­det“ das spricht dann lei­der auch gegen Hel­ve­tica und Gara­mond.
des­wei­te­ren habe ich ein sehr anspre­chen­des Bei­spiel für die Courir New (http://www.uni-weimar.de/gestaltung/fsg/)
Und ihr habt lei­der eine der wich­ti­ges­ten Typo­re­geln ver­ges­sen! BRICH DIE REGELN, selbst Mario Lom­bardo ver­zerrt ab und zu seine geliebte Akzi­denz Grotesk ;)

ansons­ten net­ter arti­kel
lg

August 23 2010 19:40 pm

Sieben

Jau Fabian... "brich die Regeln" ist sicherlich eine gute Möglichkeit sobald ein gewisses Grundwissen vorhanden ist. Schließlich muss man die Regeln ja erstmal kennen bevor man sie bewusst brechen kann (steht so glaube ich auch oben im Text wenn ich mich recht entsinne). Wer sich 100% bewusst ist was er da tut, der darf auch verzerren, aber dieser Artikel wurde ja ganz bewusst nicht unbedingt für die Profis sondern für den Laien / Amateur geschrieben ;)

Das Courier Beispiel ist übrigens in der Tat ganz hübsch!

23. August 2010 15:48

Julius

Immer wie­der beliebte Feh­ler sind die Gedan­ken­stri­che. Kaum jemand, sogar in gestan­de­nen Agen­tu­ren weiß wie damit umzu­ge­hen ist. Kur­zer Strich? Lan­ger Strich? Ganz lan­ger? Ja wie denn nun?

Oft ärgere ich mich schwarz, wenn ich sol­che Feh­ler sehe.
Auch im Web darf Typo­gra­fie nicht fehlen.

Diese däm­li­che Ange­wohn­heit Straße mit «ss» zu schrei­ben hält inzwi­schen auch schon auf Visi­ten­kar­ten oder Print-Publikationen Ein­zug. Kor­rek­tes Set­zen von Stri­chen und auch die Ver­wen­dung von Umlau­ten kommt lei­der oft zu kurz.

Schade, schade …

August 23 2010 19:48 pm

Sieben

Hi Julius! Ja, die verschiedenen Stiche sind in der Tat ein sehr ergiebiger Fehlerquell. Die habe ich in diesem Artikel aber mal bewusst rausgelassen weil ich glaube, dass das für Laien (für die dieser Artikel hauptsächlich gedacht war) dann doch etwas zu schwer nachzuvollziehen geworden wäre. Aber du hast Recht, wichtig sind die definitiv. Allerdings wirst du auch auf diesem Blog "falsch" gesetzte Striche finden, da bin ich mir ziemlich sicher. Wir geben uns diesbezüglich zwar Mühe, es ist aber leider bei solchen Details nicht immer einfach, Wordpress und entsprechende Plugins das korrekte Verhalten beizubringen ;)

Aber eventuell widmen wir solchen Details mal einen eigenen Artikel, wenn Interesse besteht.

"ss" ist so eine Sache, das scheint mir oftmals der zwanghafte Versuch zu sein, das "ß" zu vermeiden, um bei versal gesetzten Wörtern gar nicht erst in Verlegenheit zu geraten...

23. August 2010 20:20

fabian nerst­hei­mer

dafür gibt es ja jetzt das ver­sale ß. ZUM KOSTENLOS RUNTERLADEN! http://www.versaleszett.de

übri­gens aus weimar ;)

August 23 2010 20:56 pm

Sieben

Was ihr in Weimar nicht alles habt :))

24. November 2010 02:32

julius

Euer sub­scribe to com­ments ist übri­gens ein biss­chen kaputt, oder euer Spam­fil­ter nicht existent.

Ich bekomme dau­ernd Spam über die Kom­men­tare hier per Mail. Die Spam­kom­men­tare scheint ihr ja hin­ter­her manu­ell raus­zu­fil­tern. Die Leute die hier sub­scri­bed haben, bekom­men sie trotz­dem als Mail. Das hält mich lei­der auf jeden Fall davon ab, wei­tere Kom­men­tare eurer Posts zu abbonieren. :(

Viel­leicht fin­det ihr ja ne Lösung. Es gibt für Word­Press so schöne und funk­tio­nie­rende Anti-Spam Plugins. :)

November 25 2010 02:42 am

Peter Rudolph

Hi Julius,
danke für den Hinweis, wir arbeiten bereits an einer Lösung. Ein entsprechendes Plugin läuft zwar, dieses greift aber offenbar erst nach der Autobenachrichtigung. Bis das Problem behoben ist werden nun erstmal alle Komentare manuell freigeschaltet, sorry dass wir euch indirekt mit Spam versorgt haben.

25. November 2010 13:08

julius

Unsub­scribe ist übri­gens auch kaputt. :)

November 25 2010 19:17 pm

Peter Rudolph

Auch daran wird gearbeitet. Danke für den Hinweis und bitte noch etwas Geduld. Die Spamflut sollte nun zumindest aufgehört haben, oder?

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