31 Jul 2010, Geschrieben von Peter Rudolph in Gestaltung,Tutorials,Typografie, 13 Kommentare
Typografische Fettnäpfchen
Typografie gilt für viele als Buch mit sieben (wenn nicht gar 87) Siegeln. Und in der Tat, wenn man in die Tiefe dieser überaus spannenden Disziplin vordringen möchte, gibt es wirklich eine Vielzahl an Stolpersteinen und Regeln, die alles andere als einfach zu begreifen bzw. umzusetzen sind. Ein Laie ohne (zumindest) grundlegende Kenntnisse wird mit Regeln zum Kerning und zur manuellen Spationierung kaum etwas anfangen können – ein Grund also, als Laie sämtliche typografischen Regeln aus Prinzip zu ignorieren und einfach nach Gutdünken mit Schrift zu gestalten?
Nein, denn die wichtigsten Fauxpas im Umgang mit Schrift sind eigentlich leicht zu merken und zu vermeiden. Da sich der Laie aber kein hunderte Seite dickes Typo-Buch kaufen wird, wollen wir in diesem Artikel versuchen, die gröbsten Stolpersteine allgemein verständlich zu erklären und aufzuzeigen, wie man ohne großes Hintergrundwissen mit einfachen Mitteln wesentlich bessere Schrift setzen kann.
Dieser Ansatz macht eigentlich schon klar, was dieser Artikel sein kann (und soll) — und was nicht. Dieser Artikel befasst sich mit den allergröbsten Schnitzern im Umgang mit Schrift. Diese unterlaufen nicht nur Anfängern und Laien, im Gegenteil, auch Gestalter, die regelmäßig mit Schrift hantieren, tappen immer wieder in diese typografischen Fettnäpfchen. Was man in diesem Artikel jedoch nicht finden können wird, ist Detail– und Lesetypografie bis ins letzte Detail — darüber werden zurecht hunderte Buchseiten verfasst und es ist wohl kaum möglich, all das in einen Blogbeitrag zu packen.
Viele Angaben in diesem Artikel basieren auf dem gemeinhin als Typo-Standardwerk anerkannten Buch „Detailtypografie“ von Friedrich Forssman und Ralf de Jong. Mit Sicherheit kann man einzelne Punkte auch anders auslegen, manches ist sicher eher eine Geschmacks– als eine Regelfrage — wer also eine andere Sichtweise vertritt, ist sehr willkommen, sie in den Kommentaren mitzuteilen.
Schriftwahl
Wer heutzutage gestalterisch tätig ist, dem stehen in der Regel viele Hundert, ja tausende Schriften zur Verfügung. Welche sollte man also nun vorzugsweise nutzen? Dazu gibt es — gottseidank — keine festen Regeln, wenn auch verschiedenste Entscheidungshilfen. Natürlich eignet sich manche Schrift besser für ein spezielles Projekt als eine andere, im Grunde kann der Gestalter hier aber frei wählen. Einige Einschränkungen gelten aber doch — und um die soll es hier gehen:
Die No-Gos
Es gibt ein paar wenige Schriften, die man einfach nicht (mehr) benutzen sollte. Punkt. Warum? Weil sie entweder von der Schriftgestaltung her grauenvoll sind, oder aber weil sie in der Vergangenheit dermaßen exzessiv und unpassend verwendet wurden, dass man mit ihr keine guten Assoziationen verbindet. Meist kommt sogar beides zusammen. Die 5 schlimmsten:
MS Comic Sans
Die wohl verhassteste Schriftart der Welt, eine riesige Protestbewegung setzt sich mittlerweile dafür ein, dass die Comic Sans nicht mehr verwendet wird — und nichtsdestotrotz hält sie sich seit Jahren extrem hartnäckig. Wie ein schlechter Witz taucht sie immer da auf, wo man wirklich am wenigsten mit ihr rechnet, sie ist unberechenbar und heimtückisch, ist auf Anhieb zu erkennen — und absolut hässlich.
Papyrus
Gnadenlos „overused“ ist auch die Papyrus. Wenn man sich aufmerksam umsieht, kann man sich nur verdutzt die Augen reiben, in welch absurden Zusammenhängen diese antik anmutende Schrift oftmals verwendet wird.
Brush Script
Courier New
Als Monospace-Schrift (d.h. alle Zeichen haben die selbe Breite) mag die Courier hin und wieder ihre Berechtigung haben, etwa als Standardschriftart in reinen Texteditoren oder beim Coding. Da sie stark an die klassische Schreibmaschinenschrift erinnert, kann sie für Projekte, wo genau das simuliert werden soll, durchaus angemessen sein. Als reguläre Schrift für normale Fließtextanwendungen oder Headlines ist sie aber nicht nur schlecht lesbar sondern schlicht unbrauchbar.
Curlz MT
Schnörkel und Kringel bedürfen keiner weiteren Erläuterung: In einer ernsthaft gestalteten Arbeit hat so etwas nichts zu suchen. Nicht falsch verstehen: Wenn das Projekt es erfordert, können Schnörkel und Kringel natürlich durchaus nötig sein. Dann sollte man sich aber lieber an eine bewährte Schrift halten und Ornamente etc manuell erstellen, als auf Schriften wie die Curlz zurückzugreifen.
Ebenfalls hart an der „Niemals!“-Grenze:
Trajan Pro
Die Trajan Pro ist wohl weltweit bekannt als „The Movie Font“. Sie ziert zumindest gefühlt jedes 2. Filmplakat und DVD-Cover (Siehe auch: Der Leidensweg der Trajan Pro). Bewusst eingesetzt kann sie durchaus noch ihren Reiz haben, man sollte aber immer im Hinterkopf behalten, dass die erste Assoziation bei dieser Schrift zwangsläufig in Richtung Filmwirtschaft geht.
„Einem geschenkten Gaul…“ – Über Freefonts
Gute Schriften sind oftmals ein teurer Spaß, die großen Foundries lassen sich für eine gut ausgebaute Schrift meist teures Geld bezahlen. Erfreulicherweise, so denkt sich der unbedarfte Hobbygestalter, gibt es ja auch unzählige Freefonts — die kosten nichts und lassen sich wunderbar einfach aus dem Netz herunterladen. Soweit so gut, nur hinterher kommt dann oftmals das böse Erwachen: Es fehlen Sonderzeichen, die Schrift hat keine Umlaute, einzelne Zeichenkombinationen wurden nicht vernünftig oder gar nicht gekernt, die Buchstaben stellen sich in großen Größen als unsauber gezeichnet heraus, sie sind oftmals nicht für kommerzielle Zwecke nutzbar und, und, und… die Liste der möglichen Stolpersteine im Umgang mit Freefonts ist lang und tückisch.
Dieser Absatz ist nicht falsch zu verstehen: Wir wollen hier nicht generell von Freefonts abraten. Im Gegenteil, es gibt so manche extrem gute kostenlose Schrift, die den Vergleich mit ihren kostenpflichtigen Konkurrentinnen absolut nicht zu scheuen braucht, ja sie teilweise sogar übertrifft. Und auch so manche kommerzielle Schrift (insbesondere ältere) kann umgekehrt so manche Tücke bergen. Der entscheidende Punkt ist einfach der, dass man beim Umgang mit Freefonts unbedingt ein paar Dinge im Hinterkopf haben muss, die gleich zu Beginn des Projekts zu überprüfen sind, ansonsten ist der Ärger groß, wenn sich erst im Eifer des Gefechts etwaige Mängel der Schrift bemerkbar machen und man eine komplett neue suchen muss, die allen Anforderungen gerecht wird.
Von extrem ausgefallenen Schriften (z.B. Graffiti Style, Comic Style, Handschriftstyle…) sollte man als Laie wohl ohnehin lieber die Finger lassen, auch wenn gerade die scheinbar eine magische Anziehungskraft ausüben. Im Zweifelsfall ist man mit einer zwar vielleicht nicht so auffälligen, dafür aber bewährten und stabilen klassischen Schrift auf der sichereren Seite als bei wilden Experimenten mit exotischen Freefonts. Hier kann einfach viel zu viel schiefgehen.
Umgang mit Schrift
Der richtige Umgang mit Schrift ist eine Wissenschaft für sich — die Materie füllt nicht umsonst reihenweise Bücher. Zwei No-Gos wollen wir aber hier herausgreifen, die man unbedingt vermeiden sollte:
Schrift rastern
Digitale Schriften sind von Haus aus Vektordaten (von völlig veralteten Formaten einmal abgesehen). Genau das ist auch die Voraussetzung dafür, dass wir Schriften wunderbarer Weise in jeder beliebigen Größe setzen können, egal ob 6pt oder 6000pt — da es sich um Vektordaten handelt, ist das Schriftbild stets absolut scharf. Aus genau diesem Grund sollte man es unbedingt vermeiden, Schriften ihrer Vektoreigenschaften zu berauben, indem man sie in Pixelbilder umwandelt. Wer also z.B. in Photoshop mit Schrift hantiert und eine Textebene rastert (ergo: in Pixeldaten umrechnet), verbaut sich jede Möglichkeit, die Schrift nachträglich sauber zu skalieren oder gar Änderungen am Text vorzunehmen. Wer eine gerasterte Schrift trotzdem skaliert, erhält dann gern soetwas:
Pixelbasierte Programme sind also für den Umgang mit Schrift (zumindest wenn es sich um Printprojekte handelt) nur in Notfällen zu gebrauchen, man sollte hier unbedingt auf ein Programm zurückgreifen, das vernünftig mit Vektordaten umgehen kann. Adobe Illustrator und InDesign sind hier sicherlich die bekanntesten Vertreter, kostenlose (und kaum schlechtere) Varianten wären Inkscape (AI) oder Scribus (ID). Um Missverständnissen vorzubeugen: Man wird nicht umgehend vom Blitz erschlagen, wenn man beispielsweise einen einfachen Flyer in Ermangelung einer Alternative ausnahmsweise mal in Photoshop setzt. Wenn man hier sauber arbeitet, kann das Ergebnis durchaus akzeptabel sein. Man gibt aber wie bereits beschrieben den Großteil der Möglichkeiten für die Arbeit mit Schrift aus der Hand und geht unnötige Risiken ein, deshalb sollte man für professionelle Arbeiten immer auf angemessene Programme zurückgreifen. Photoshop ist zwar ein sehr mächtiges Programm, für den vernünftigen Umgang mit Schrift wurde es aber schlicht nicht entwickelt. Es würde ja auch niemand auf die Idee kommen, seine Beautyretuschen oder Composings künftig in InDesign vorzunehmen — oder doch?
Schrift verzerren
Eine gute Schrift wurde in aller Regel von einem erfahrenen Schriftgestalter entworfen und im Idealfall bis ins letzte Detail perfektioniert. Man kann also davon ausgehen, dass hinter Buchstabenformen, Binnenformen und Abständen reifliche Überlegungen standen und dass die Charakteristika der Schrift aus typografischer Sicht miteinander harmonisieren. Was man also als Laie unbedingt vermeiden sollte, ist jeder Eingriff in diese Parameter. Wer hier ohne fundiertes Wissen an Werten wie der Spationierung (ergo: dem Buchstabenabstand) hantiert, kann mit großer Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass das Ergebnis eher schlechter ist als das, was der Schriftgestalter vorgesehen hat. Was man als Nicht-Profi in JEDEM Fall unterlassen sollte, ist das Verzerren oder Stauchen von Buchstaben oder ganzen Zeilen, um beispielsweise etwas Platz zu sparen oder eine Zeile auf die gesamte Seitenbreite auszutreiben. Da die Strichstärken von waagerechten und senkrechten Linien innerhalb vom Schriftgestalter exakt aufeinander abgestimmt wurden, zerstören solche Eingriffe den Eindruck einer Schrift schon bei minimalen Änderungen und gehören völlig zu Recht zu den Todsünden im Umgang mit Schrift — zumindest dann, wenn sich nicht zu 120% sicher ist, was man da tut.
Wordart
Vermeiden sollte man unbedingt auch das, was man gemeinhin unter dem Namen „Wordart“ aus Programmen wie Microsoft Word kennt. Dabei wird Schrift anhand verschiedenster Presets in alle erdenklichen Formen gebogen und gezerrt und oftmals noch mit einem fiesen 3D– oder Schatteneffekt belegt — übler kann man einer Schrift kaum mitspielen. Wordart war möglicherweise cool für die erste digital selbst gestaltete Kindergeburtstagseinladung, wer aber auch nur ansatzweise professionelle Gestaltung in Sinn hat, macht um Wordart & Co bitte einen ganz großen Bogen.
Typo-Käse: Der löchrige Blocksatz
Der Blocksatz ist eine beliebte Satzart insbesondere für längere Texte, weil er (korrekt verwendet) jede Zeile komplett füllt und für saubere Satzkanten auf beiden Seiten der Kolumne sorgt. Das Problem daran ist, dass man beim Blocksatz einiges falsch machen kann und dass er so, wie er von den meisten Programmen automatisch erzeugt wird, meist nicht wirklich vorzeigbar ist. Wohl jeder hat schon einmal solch einen „verunglückten“ Blocksatz gesehen: Große weiße Lücken reißen Löcher in die Zeilen, so dass das Lesen zur Qual wird, bei schmalen Zeilen werden Wörter extrem spationiert um die Zeile auf Gedeih und Verderb auszufüllen, an anderer Stelle passiert genau das Gegenteil und Worte werden so eng aneinander gequetscht, dass man sie kaum noch als separate Wörter wahrnimmt — die Symptome von schlechtem Blocksatz sind so vielfältig wie hässlich:
Was also tut man, wenn man solchen zerfressenen Blocksatz vermeiden möchte? Die einfachste Regel lautet: Blocksatz vermeiden. Zwar birgt auch der Flatter– bzw. Rauhsatz manchen Stolperstein, hier sind aber weit weniger Fallstricke zu erwarten, wenn man auf die Automatismen der Programme vertraut. Die meisten Drucksachen, die man als Laie anfertigt (in der Hauptsache vermutlich Briefe etc.), können ebenso gut im Flattersatz gesetzt werden, meist wirkt dieser sogar freundlicher und offener, als der verkrampfte Blocksatz. Was aber, wenn es zwangsläufig Blocksatz sein muss? Dann sollte man unbedingt ein vernünftiges Satzprogramm verwenden, weil man nur hier ausreichend Einstellungsmöglichkeiten zum Umbruchverhalten im Blocksatz zur Verfügung hat. Über die Einstellungen kann geregelt werden, wie lang ein Wort mindestens sein muss, um getrennt werden zu dürfen, wie viele Zeichen vor bzw. nach dem Trennstrich stehen dürfen, wie viele Trennungen in Folge erlaubt sind und bis zu welchem Grad die Laufweite der Schrift manipuliert werden darf, um einen sauberen Blocksatz zu gewährleisten. Der richtige Umgang mit diesen Einstellungen will geübt sein und hängt von einigen zusätzlichen Faktoren ab, deshalb hier nur in aller Kürze diejenigen Werte, die gemeinhin als bewährte Richtwerte gelten (nach Forssman / De Jong). Wer sich hiermit aber ernsthaft befassen möchte, der sollte sich unbedingt weiter einlesen, um auch auf Sonderfälle angemessen reagieren zu können.
- Optimale Zeilenlänge für Blocksatz: Etwa 60 Anschläge (ca 10Wörter)
- Wörter unter 5 Zeichen Länge sollten nicht getrennt werden
- Vor dem Trennstrich: Mindestens 2 Zeichen
- Nach dem Trennstrich: Mindestens 3 Zeichen
- Wortzwischenraum: Mindestens 85%, optimal 100%, maximal 130%
- Laufweitenänderung und Verzerren der Schrift nicht erlauben
Anführungszeichen
Wenn man einmal die Augen offen hält und sich nach typografischen Fauxpas umschaut, wird man wohl bei den Anführungszeichen als erstes fündig. Kaum eine Zeitung, kaum ein Magazin, wo hierbei wirklich fehlerfrei gearbeitet wird, von Amateurarbeiten ganz zu schweigen. Man muss zugeben, auf den ersten Blick ist die Vielzahl ähnlicher Zeichen durchaus verwirrend. Es gibt “solche” und "solche", „solche“, ‹solche› und «solche», auch »solche« und ›solche‹ – was zum Henker ist also richtig? Die Antwort ist zumindest dann ganz einfach, wenn es sich um rein deutschen Text handelt: Normale Anführungszeichen gibt es ausschließlich in dieser Form: „Anführung“. Die Ausrichtung kann man sich mit der Hilfestellung 99...66 ganz gut merken. Beidseitig obenstehende oder gedrehte Anführungszeichen haben im deutschsprachigen Satz nichts verloren. Erlaubt, und oftmals hübscher sind die Guillements, die sowohl «sorum» als auch »sorum« verwendet werden dürfen. Sie haben den großen Vorteil, dass sie weder vom Gestalter noch vom Leser mit ähnlich aussehenden Zeichen wie Kommata, Zollstrichen oder Apostrophen verwechselt werden können. Bei den Guillements gilt aber immer, egal in welche Richtung sie weisen: Es handelt sich hier um ein eigenes Zeichen. Ein doppelt gesetztes größer-als- (>) bzw. kleiner-als-Zeichen (<) ist >>KEIN<< korrektes Anführungszeichen. Verwendet man die normalen deutschen Anführungszeichen in ‚einfacher‘ Ausführung, dann gilt übrigens weiterhin die 9...6 Regel, auch hier haben Apostrophe und Zollstriche nichts verloren.
Potentiell komplizierter wird es dann, wenn es sich nicht mehr um rein deutschsprachigen Satz handelt, sondern man etwa mit englischen Zitaten hantieren muss. Hier gilt: Handelt es sich um ein kurzes fremdsprachiges Zitat, so kann es auch von den „regulären deutschen Anführungszeichen“ umschlossen werden. Handelt es sich jedoch um mehrere Sätze, einen ganzen Absatz oder gar mehrere Seiten, werden die Anführungszeichen der jeweiligen Sprache verwendet, im Englischen also “diese hier” (66-99, beidseitig oben). Richtig spannend wird es dann bei Zitaten innerhalb von fremdsprachigen Zitaten oder bei wörtlicher Rede innerhalb eines Zitates – die Regeln hierfür können an dieser Stelle leider nicht komplett beschrieben werden, wer sich damit befassen möchte, dem sei das Kapitel Satzzeichen in Forssman / De Jong: Detailtypografie ans Herz gelegt. Für alle anderen dürfte die Faustregel 99...66 bereits 90% aller Fälle abdecken.
Einen sehr ausführlichen und hilfreichen Artikel zum Thema Anführungszeichen gibt es übrigens auch bei Typefacts.
Sperren aus Platzgründen
Als S p e r r u n g bezeichnet man die Auszeichnung eines Wortes indem man den Zeichenabstand deutlich erhöht, wodurch es aus dem Grauwert des umgebenden Textes als hellerer Fleck hervorsticht. Es handelt sich hierbei wie gesagt um eine Auszeichnung, vergleichbar mit einem fettgedruckten, kursiven oder unterstrichenen Wort. Dies ist durchaus legitim, was jedoch nicht legitim ist, ist die Verwendung einer Sperrung, um ein Wort oder eine Zeile auf eine bestimmte Breite zu bringen. Dadurch würde der entsprechende Textabschnitt ausgezeichnet und betont, obwohl inhaltlich keine Veranlassung dazu besteht — die Verwendung der Sperrung, um Text auf eine bestimmte Breite zu trimmen, ist schlicht falsch und unbedingt zu vermeiden.
Schrägstellen und fetten
Insbesondere „einfache“ Textverarbeitungsprogramme wie MS Word oder OpenOffice bieten an prominenter Stelle in der Werkzeugleiste Buttons, um die aktuell verwendete Schrift kursiv oder fett zu setzen. Dabei ist aber Vorsicht geboten, denn es handelt sich hierbei nicht zwangsläufig um einen echten fetten bzw kursiven Schnitt der Schrift, vielmehr wird sie digital geneigt, um die Kursive zu imitieren bzw. die Strichstärke wird verstärkt, um einen fetten Schnitt vorzutäuschen. Das Ergebnis mag für den Laien noch ähnlich aussehen, typografisch ist das aber unbedingt zu unterlassen. Eine echte Kursive und auch eine echte fette Schrift wurden vom Schriftgestalter manuell gezeichnet, die meisten Kursiven sind nicht einfach nur schräggestellte Versionen der Standardschrift sondern weisen oftmals ganz eigene Buchstabenformen und an die Kursive angepasste Strichstärken auf. Auch bei einem echten fetten Schnitt sind Strichstärken und Binnenräume exakt aufeinander abgestimmt — eine automatische Verfettung der Schrift kann hier kein ansprechendendes Ergebnis erzeugen. Langer Rede kurzer Sinn: Möchte man eine Schrift kursiv oder fett einsetzen, dann ist stets auf die entsprechenden echten Schriftschnitte zurückzugreifen. Sind diese nicht vorhanden (was durchaus vorkommen kann), muss auf die Auszeichnung verzichtet werden oder man wählt eine andere Schrift. Digitales Verfetten und Schrägstellen gehört jedenfalls nicht in eine halbwegs professionelle Arbeit. Auch hier erweist sich übrigens wieder die Arbeit mit einem echten Satzprogramm (etwa InDesign) als sehr hilfreich, denn hier sind die „Fake-Schriftschnitte“ gar nicht oder nur über Umwege zu finden.
Ich hoffe, dass der eine oder andere Tipp jemanden weitergebracht hat. Es sei noch einmal erwähnt, dass es sich hier wirklich nur um einige sehr grundlegende Regeln handelt, wer sich eingehend mit Typografie befassen will, wird um ausgiebige Buchlektüre nicht herumkommen. Aber ich denke gerade für Laien und Nicht-Typografen sind diese Tipps ein guter Ansatz, um die gröbsten Fettnäpfchen zu umschiffen und sicherer mit Schrift hantieren zu können.
Macht ihr euch Gedanken, wenn ihr mit Schrift arbeitet? Wie wählt ihr eure Fonts für ein Projekt aus? Verlasst ihr euch auf die Standardeinstellungen der Programme oder bessert ihr manuell nach? Hat euch der Artikel weitergeholfen oder seht ihr einzelne Punkte ganz anders? Wir sind gespannt auf eure Meinungen!

























13 Kommentare
31. Juli 2010 21:45
Kai Seliger @okais
Sehr sehr spannender Artikel, schön zu lesen.
Als Webdesigner hantiere ich auch oft mit Schriften rum, sei es in der Contentgestaltung, oder als Gestaltungsmittel mittem im Layout, dementsprechend muss ich mir auch oftmals Gedanken über Schriftgestaltung machen.
Wenn man darin aber nicht wirklich geschult ist fällt es schwer mal Neues auszuprobieren und von den Standardschriften wegzukommen. Allerdings bin ich gut dabei mich da weiterzuentwickeln. (:
Meine absoluter Lieblings(standard)font ist im übrigen Times New Roman.
2. August 2010 20:01
Leon @87blog
Oha, das war ja ein schon mal ein schöner Brocken zu lesen, aber durchaus informativ!
Da ich gestalterisch momentan noch nicht wirklich aktiv unterwegs bin, brauche ich mir aktuell keine Gedanken über Schriftwahl und Zeichensetzung machen. Aber man kann nie wissen, was noch auf einen zukommt, von daher ist es gut zu wissen, dass es hier so einen Artikel gibt, an den man sich zurückerinnern kann.
Grüße!
7. August 2010 22:41
bee
Danke! Typografie ist für mich eher ein Randthema, darum hat mir diese Einführung ne Menge gebracht.
23. August 2010 00:36
fabian nerstheimer @87blog
„…Vergangenheit dermaßen exzessiv und unpassend verwendet wurden, dass man mit ihr keine guten Assoziationen verbindet“ das spricht dann leider auch gegen Helvetica und Garamond.
desweiteren habe ich ein sehr ansprechendes Beispiel für die Courir New (http://www.uni-weimar.de/gestaltung/fsg/)
Und ihr habt leider eine der wichtigesten Typoregeln vergessen! BRICH DIE REGELN, selbst Mario Lombardo verzerrt ab und zu seine geliebte Akzidenz Grotesk ;)
ansonsten netter artikel
lg
August 23 2010 19:40 pm
Sieben @Peter
Jau Fabian... "brich die Regeln" ist sicherlich eine gute Möglichkeit sobald ein gewisses Grundwissen vorhanden ist. Schließlich muss man die Regeln ja erstmal kennen bevor man sie bewusst brechen kann (steht so glaube ich auch oben im Text wenn ich mich recht entsinne). Wer sich 100% bewusst ist was er da tut, der darf auch verzerren, aber dieser Artikel wurde ja ganz bewusst nicht unbedingt für die Profis sondern für den Laien / Amateur geschrieben ;)
Das Courier Beispiel ist übrigens in der Tat ganz hübsch!
23. August 2010 15:48
Julius @zeidlos
Immer wieder beliebte Fehler sind die Gedankenstriche. Kaum jemand, sogar in gestandenen Agenturen weiß wie damit umzugehen ist. Kurzer Strich? Langer Strich? Ganz langer? Ja wie denn nun?
Oft ärgere ich mich schwarz, wenn ich solche Fehler sehe.
Auch im Web darf Typografie nicht fehlen.
Diese dämliche Angewohnheit Straße mit «ss» zu schreiben hält inzwischen auch schon auf Visitenkarten oder Print-Publikationen Einzug. Korrektes Setzen von Strichen und auch die Verwendung von Umlauten kommt leider oft zu kurz.
Schade, schade …
August 23 2010 19:48 pm
Sieben @87blog
Hi Julius! Ja, die verschiedenen Stiche sind in der Tat ein sehr ergiebiger Fehlerquell. Die habe ich in diesem Artikel aber mal bewusst rausgelassen weil ich glaube, dass das für Laien (für die dieser Artikel hauptsächlich gedacht war) dann doch etwas zu schwer nachzuvollziehen geworden wäre. Aber du hast Recht, wichtig sind die definitiv. Allerdings wirst du auch auf diesem Blog "falsch" gesetzte Striche finden, da bin ich mir ziemlich sicher. Wir geben uns diesbezüglich zwar Mühe, es ist aber leider bei solchen Details nicht immer einfach, Wordpress und entsprechende Plugins das korrekte Verhalten beizubringen ;)
Aber eventuell widmen wir solchen Details mal einen eigenen Artikel, wenn Interesse besteht.
"ss" ist so eine Sache, das scheint mir oftmals der zwanghafte Versuch zu sein, das "ß" zu vermeiden, um bei versal gesetzten Wörtern gar nicht erst in Verlegenheit zu geraten...
23. August 2010 20:20
fabian nerstheimer @87blog
dafür gibt es ja jetzt das versale ß. ZUM KOSTENLOS RUNTERLADEN! http://www.versaleszett.de
übrigens aus weimar ;)
August 23 2010 20:56 pm
Sieben @87blog
Was ihr in Weimar nicht alles habt :))
24. November 2010 02:32
julius @87blog
Euer subscribe to comments ist übrigens ein bisschen kaputt, oder euer Spamfilter nicht existent.
Ich bekomme dauernd Spam über die Kommentare hier per Mail. Die Spamkommentare scheint ihr ja hinterher manuell rauszufiltern. Die Leute die hier subscribed haben, bekommen sie trotzdem als Mail. Das hält mich leider auf jeden Fall davon ab, weitere Kommentare eurer Posts zu abbonieren. :(
Vielleicht findet ihr ja ne Lösung. Es gibt für WordPress so schöne und funktionierende Anti-Spam Plugins. :)
November 25 2010 02:42 am
Peter Rudolph @87blog
Hi Julius,
danke für den Hinweis, wir arbeiten bereits an einer Lösung. Ein entsprechendes Plugin läuft zwar, dieses greift aber offenbar erst nach der Autobenachrichtigung. Bis das Problem behoben ist werden nun erstmal alle Komentare manuell freigeschaltet, sorry dass wir euch indirekt mit Spam versorgt haben.
25. November 2010 13:08
julius @87blog
Unsubscribe ist übrigens auch kaputt. :)
November 25 2010 19:17 pm
Peter Rudolph @87blog
Auch daran wird gearbeitet. Danke für den Hinweis und bitte noch etwas Geduld. Die Spamflut sollte nun zumindest aufgehört haben, oder?
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