26 Jul 2010, Geschrieben von Rene Haas in Job,Meinung, 9 Kommentare
Mediengestalter - Dein Traumberuf?!
Der Mediengestalter – ein Berufsbild, das heutzutage immer mehr Leute anstreben und welches in den vergangenen Jahren immer mehr in Mode gekommen ist. Die offizielle Berufsbeschreibung des drei Jährigen Ausbildungsberufes klingt dementsprechend auch sehr rosig und verlockend. So unterteilt sich der Beruf des Mediendesigners zunächst in zwei Hauptzweige. Der eine (Digital & Print) richtet sich an alle, die für das Web, Magazine, Zeitschriften und ähnliches arbeiten wollen, wohingegen „Bild & Ton“ sich, wie der Name es bereits vermuten lässt, an diejenigen wendet, die später mal im Radio oder gar beim Fernsehen arbeiten möchten. Da ich selbst aus dem Printbereich komme, werde ich mich auch darauf beschränken.
Mit Mediengestalter Digital & Print, so die offizielle Berufsbezeichnung, ist es aber noch nicht getan. Dieser Zweig teilt sich nochmals in drei Fachrichtungen die da wären:
• Konzeption & Visualisierung
• Gestaltung & Technik
• Beratung & Planung
Ich möchte nun auch nicht weiter auf die einzelnen Fachrichtungen eingehen, wer sich weiter darüber informieren möchte darf ruhig seine Fragen in die Kommentare schreiben, mich persönlich kontaktieren oder kann sich auf der Seite der ZFA Medien selbst über die Spezifikationen informieren. Warum ich nun nicht weiter darauf eingehen werde wird im Laufe des Artikels noch klar.
Die Ausbildung
Zu Beginn steht, wie so oft im Berufsleben, die Berufsausbildung. Bei den meisten Berufen wird man mir zustimmen, dass man wenig bis kein Vorwissen mitbringen muss, um diesen Beruf erfolgreich auszuführen. So musste ein Bekannter von mir nicht erst in seiner Jugend Motoren auseinander nehmen, weil die Berufsausbildung dazu einfach nicht ausgereicht hätte, ihm das nötige Wissen zu vermitteln. Auch der Bankkaufmann braucht sich vorher nicht mit seinem Beruf zu beschäftigen und bekommt das alles sehr gut in seiner Ausbildung beigebracht. Der Mediengestalter nimmt hier, meiner Meinung nach, eine Sonderposition ein. So ist der heutige Mediengestalter ein zusammengelegter Beruf aus ehemalig 4 Einzelberufen wie dem Schriftsetzer, Druckvorlagenhersteller, Reprograf und dem Werbevorlagenhersteller. All diese Berufe waren früher eigenständige Ausbildungsberufe mit einer Ausbildungsdauer von 3 Jahren. Der aufmerksame Leser wird festgestellt haben das dort was nicht stimmen kann. Man hat einen Beruf erschaffen, der vier Berufe beinhaltet und doch nur 3 Ausbildungsjahre hat. Diese Zeit reicht bei weitem nicht, um das gesamte Wissen, welches man in diesem Beruf braucht, zu vermitteln. Schon zu Beginn meiner Lehre wurde uns gesagt, dass wir uns 75% des Stoffes selbst beibringen müssten. Arbeiten gehen, Berufsschule meistern und dann noch das Dreifache zu Hause selbst lernen ist dort die Devise. Genau aus diesen Gründen sind Vorkenntnise im Bereich Gestaltung in diesem Beruf so wichtig. Wer sich nicht schon vorher intensiv damit beschäftigt hat, der wird auch nie ein guter Mediengestalter — so meine persönliche Meinung.
Die Vergütung
Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist die Ausbildungsvergütung. So lag die offizielle Ausbildungsvergütung im Jahre 2004 bei 748 Euro. Ein Wert, über den ich mich sehr gefreut hätte, denn dieser Wert kommt stark auf den Ausbildungsbetrieb an und kann demzufolge stark schwanken. So bekam ich im ersten Ausbildungsjahr nur eine Nettovergütung von 446 Euro. Eine Differenz von mehr als 300 Euro. Ich kenne aber auch das genaue Gegenteil, so verdienen manche bis zu 600 Euro im Monat — was jedoch immer noch weit entfernt vom damaligen Durchschnitt liegt. Viele Mediengestalter, vor allem aus den unteren Vergütungssegmenten lockt natürlich der Geschmack des Geldes und sie wollen, neben der Ausbildung, von zu Hause aus noch frei arbeiten. Immerhin sind viele zu Hause besser ausgestattet als an ihren Arbeitsplätzen. Dieses sollte man aber tunlichst unterlassen bzw. den Chef um Erlaubnis fragen und diese Erlaubnis sollte schriftlich mit Unterschrift des Geschäftsinhabers und dem Unternehmensstempel vorliegen, da diese Art des Nebenerwerbs laut Ausbildungsverordnung nicht erlaubt ist. Wenn soetwas ans Licht kommt, kann der Betrieb eine Fristlose Kündigung aussprechen.
Der Ausbildungsbetrieb
Beim Bankkaufmann ist es die Bank, beim Mechatroniker die Werkstatt und beim Frisör ist es der Frisörsalon. Wie schön wäre es, wenn das auch für den Mediengestalter zutreffen würde — tut es aber nicht. Die Liste der Ausbildungsbetriebe ist lang und reicht vom Copyshop an der Ecke über Zeitungsverlage bis hin zu riesigen Werbeagenturen mit eigener Ausbildungsabteilung. Genauso vielfältig wie die ausbildenden Betriebe sind auch die Aufgaben, die man dort zu erledigen hat. So wird man in einem Copyshop die meisten Zeit damit beschäftigt sein, unerfahrene Kunden zu beraten (meistens leider erfolglos) und Visitenkarten zu erstellen. In einer Druckerei hingegen darf man sich eventuell den ganzen Tag mit Nutzenberechnung und Auschießvorlagen herumschlagen und sieht nie auch nur irgendein Layoutprogramm näher. Diese zwei Beispiele beziehen sich auf die selbe Fachrichtung und zwar Gestaltung & Technik. Was das zweite Beispiel nun mit der eigentlichen Beschreibung dieser Fachrichtung zu tun hat ist eher fraglich. Desweiteren sind viele der Betriebe auf die Reduktion von Kosten aufgelegt und so kann es passieren, dass man mit über 10 Jahre alter Software arbeiten muss, bei der man nicht mal mehr als einen Schritt zurück gehen kann.
Die Berufsschule
Die Berufsschule ist eigentlich DAS Highlight der Woche. Hier lernt man endlich etwas über die Sachen, die man als interessierter Mediengestalter wissen möchte und für die im Betrieb keine Zeit ist. Wie gestalte ich ein Logo, was sind Gestaltgesetze und wie wirken Farben und Kontraste. Dem, der sich früher nicht darüber informiert hat, wird das aber auch nicht retten, denn diese Themen werden sehr schnell abgehandelt, da der ganze Stoff ja in 3 Jahre untergebracht werden muss. Entweder man opfert also seine Zeit in der Lehre oder hat sich, wie schon des öfteren hier erwähnt, vorher schon mit der Materie beschäftigt. Leider sieht die Ausbildungsverodnung vor, dass man hier zu 3/4 der Zeit aber Sachen lernt, die absolut unbedeutend sind. So lernten wir im ersten Lehrjahr das Umrechnen von Dezimalzahlen (256) in Binärzahlen (0100101001) und wieder zurück in das Hexadezimalsystem (1987DD). Wozu man solche Kenntnisse nun im Beruf braucht, wurde uns verschwiegen und mir ist bis jetzt noch kein Nutzen dazu eingefallen. Genauso lernt man das Berechnen von Transferraten. Also wie lang eine 5MB große Datei bei einem ISDN Modem mit 56Kb/s braucht, bis sie beim Kunden eingegangen ist. In Zeiten von DSL 50.000+ halte ich das für genauso überflüssigen Mummpitz wie die Berechnung der Dateigröße in MB für ein 2000x2000 Pixel großes RGB bild in 8 Bit. Nun könnte man ja sagen, das man sich den Stoff einfach bis zu Klausur merkt und dann vergessen kann, aber dem ist leider nicht so. Die Abschlussprüfungen stecken voll mit solchen zweifelhaften Rechenaufgaben. Ein weiterer Stolperstein ist Politik & Wirtschaft, welches mit 30% der Note in der Abschlussprüfung zu Buche schlägt. Die Schuld daran liegt nicht bei den Schulen, sondern im Prüfungsausschuß selbst. Meine Erfahrung zeigt, das die Berufsschullehrer gerne mehr von den wichtigen und relevanten Berufsthemen vermitteln würden, dieses aber nicht können, da sonst das nötige Wissen zum Bestehen der Abschlussprüfung fehlt.
Die unterschiedlichen Betriebe
Wie schon erwähnt gibt es unzählige Unternehmen, die den Beruf des Mediengestalters ausbilden können und dürfen. Jedoch sollte man sich hier gut überlegen, wo man anfängt um nicht später enttäuscht zu werden, wenn man selbst etwas ganz anderes erwartet hat. Auch wenn jeder den selben Beruf und die selbe Fachrichtung lernt, so merke ich in der Schule immer wieder, dass der eine nicht einfach in den Betrieb des anderen arbeiten könnte, da er dort ganz andere Tätigkeiten ausführt die man selbst noch nie ausführen musste.
Druckerei
Hier wird man nur selten Programme wie Illustrator oder Photoshop benötigen, denn hier steht die Technik im Vordergrund. Falzvorlagen, Druckplattenbelichtung, Nutzenberechnung und Ausschußvoralgen erstellen sind hier die Arbeiten, die ein Mediengestalter unter anderem zu erledigen hat. Was noch anfallen kann, ist die Druckdatenkontrolle, bei der Kundendaten auf drucktechnische Probleme überprüft werden müssen um ein sauberes Druckergebnis zu gewährleisten. Die Arbeiten die man hier zu erledigen hat, stimmen wohl am wenigstens mit den typischen Vorstellungen von Berufsanfängern überein.
Copyshop:
Auch Copyshops dürfen und können Mediengestalter ausbilden. Die Arbeiten in einem Copyshop können zum Teil ziemlich interessant sein. Man sollte sich aber im klaren sein, dass die Kundschaft zumeist unerfahren im Bereich der Mediengestaltung ist und Quantität meistens vor Qualität steht. Jedoch kommen hin und wieder auch Kunden, die Qualität erwarten und dieser auch gehörigen Respekt zollen, wenn man sie abliefert. Das schöne hierbei ist der direkte Kundenkontakt und der persönliche Umgang mit den Menschen. Wer damit zurechtkommt, das seine Arbeiten zu 95% unter seinen eigenen Ansprüchen liegen, für den könnte auch die Arbeit in einem Copyshop in Frage kommen. Man sollte hier noch anmerken, dass die Arbeitsausstattung hier wohl eher an der Untergrenze liegen wird. Ein Grafiktablett, ein zweiter Bildschirm oder auch ein leistungsstarker Computer sind hier ganz klar eher die Ausnahme als die Regel.
In-House Werbeabteilungen:
Vor allem große Unternehmen haben oft eine eigene Werbeabteilung, die zumindest kleinere Aufgaben bearbeitet wie z.B. das Erstellen von Katalogen oder Prospekten. Hier ist Zeitdruck wohl der größte Stressfaktor. Sehr viele Prospekte kommen in einem Abstand von 1 bis 2 Wochen (siehe Kaufhäuser wie real, Aldi oder Lidl). Jedoch sollen die Angebote auch optisch einladend wirken und somit kommt ein weiterer Faktor hinzu — die Qualität. Qualität in einer kurzen Zeit abzuliefern ist nicht jedermanns Sache, auch wenn sie erlernbar sind und vor allem stressanfällige Personen werden hier ziemlich schnell ins Trudeln geraten. Wer sich aber als stressresistent bezeichnen kann oder bei Stress sogar erst richtig aufblüht, für den ist das genau das richtige. Im Gegensatz zu den kleineren Betrieben wie Copyshops ist hier die Ausstattung meistens gut bis sehr gut. Große Unternehmen wissen meistens darüber bescheid, wie sehr ein gutes oder schlechtes Layout sich im Kaufverhalten der Kunden äußern kann und geben dafür auch einiges an Geld aus.
Kleine Designbüros / Kleine Werbeagenturen bis 10 Mitarbeiter
Das Arbeitsklima ist meistens gut und wie so oft in der Branche wird auf das „Sie“ verzichtet und man duzt sich untereinander. Die Kunden kommen eher aus der geschäftlichen Mittel– bis Unterklasse. Die Aufträge können in ihren Qualitäten variieren, dennoch legen vor allem kleine Agenturen häufig ihr Augenmerk auf Qualität und Kundenberatung. Vor allem arbeitet man hier häufig unter Freunden. Mann kennt sich und durch die kleine größe des Teams wächst man zu einem festen Team zusammen das sich vertraut. Was hier noch am Rande zu bemerken sei ist, dass viele Auszeichnungen auch von kleinen Agenturen und Designbüros gewonnen werden.
Mittelgroße Agenturen 10 bis 100 Mitarbeiter
Hier liegt der Hauptanteil der produzierten Werbemittel. Mittelgroße Agenturen haben meistens einen Kundenstamm, der von Einzelpersonen bis hin zu größeren und bekannten Unternehmen reicht und somit kann man in der Ausbildung davon ausgehen, dass man die vielfältigsten Kundenaufträge bearbeiten darf/kann. Das kann von einfachen Visitenkarten für den Staubsaugervertreter, bis hin zu großen Werbekampagnen für ein bekanntes Unternehmen reichen.
Große Agenturen
Wer kennt sie nicht, die großen Namen wie Jung von Matt, Ogilvy & Mather und wie sie alle heißen? Hier sitzt die Creme de la Creme der deutschen Werbebranche. So gut wie alle großen Kampagnen großer Unternehmen entstammen einer dieser großen Agenturen. Wer hier arbeiten darf, der kann sich getrost selbst auf die Schulter klopfen und stolz auf seine Leistung sein. Wer allerdings einen Ausbildungsplatz als Mediengestalter bei den Großen der Szene sucht, der braucht eine gehörige Portion Glück.
Was lernt man als Mediengestalter?
Ein Bekannter von mir, seines Zeichens auch Mediengestalter, bezeichnete unsere Zunft einmal als die eierlegenden Wollmilchsäue der Werbeindustrie. Je länger man in der Ausbildung oder dem Beruf voranschreitet, umso klarer wird einem selbst, was er damit meinte. Hier einmal eine kurze Liste der Dinge, die ein Mediengestalter beherrschen sollte: Typografie, Farbenlehre, Gestaltgesetze, HTML, CSS, Papiersorten, Papiergrammaturen, Bogenberechnung, Colormanagement, Logogestaltung, Beautyretusche, Composing, Papierformate, Tonwertzuwachs bei verschiedenen Papiersorten, Densitommetrie, Kenntnisse über die unterschiedlichen Druckmethoden, Vor– und Nachteile der einzelnen Druckmethoden und bei welcher Auflage sich welche Methode am besten eignet, Erstellung von druckfertigen PDFs, Userinterface– und Webgestaltung, Gestaltung von Geschäftpapieren anhand verschiedener DIN-Normen, Kundenberatung, Falzarten, Weiterverarbeitungsmethoden, Ausschußvorlagen, Nutzenberechnung, Scribblen und Zeichnen, Grundlagen der Fotografie, Bildgröße berechnen, Datenübertragungsgeschwindigkeiten berechnen und so weiter. Ich könnte diese Aufzählung nun noch einen halben Tag weiter führen und wäre immer noch nicht am Ende. Wie man sieht, umfasst das Leistungsspektrum eines Mediengestalters einiges und vieles wird man für seine Arbeit wahrscheinlich nicht brauchen. Das soll aber nicht so verstanden werden, dass es niemand braucht. Ein kleines Beispiel: Ein Klassenkamerad von mir arbeitet im Betrieb hauptsächlich mit Ausschußvorlagen und Nutzenberechnung, er kann das Wissen um diesen Bereich also sehr gut gebrauchen, ich hingegen arbeite in der Gestaltung und war damit beschäftigt, Geschäftspapiere, Logos und Flyer zu gestalten und kann dieses Wissen um Nutzenberechnung und Co. absolut nicht gebrauchen.
Fazit
Wer Mediengestalter werden möchte, der sollte sich das im Vorhinein gut überlegen. Alles in allem ist der Beruf zwar äusserst interessant und ich könnte mir keinen schöneren Beruf vorstellen. Das liegt aber sicherlich auch daran, dass ich mich seit mehr als 8 Jahre mit der Materie beschäftige und ich mich für die unterschiedlichen Gebiete begeistern kann. So habe ich hier ca. 30kg Papiermuster liegen und finde es jedes Mal wieder aufregend, die Bücher aufzuschlagen und das Papier neu zu entdecken. Desweiteren bin ich seit der Ausbildung ständig am nörgeln, wenn ich durch die Stadt laufe und rege mich beispielsweise sehr gerne über schlechte Typografie auf. Um das ganze hier mit den Worten unseres derzeitigen Datenbank-Lehrers zu beenden: „Mediengestalter sind eben schon eine andere Sorte Mensch!“.
Was denkt ihr über den Beruf als Mediengestalter? Falls ihr selbst zur Gattung „MG“ gehört: Ist die Ausbildung in euren Augen gut oder schlecht und was würdet ihr verbessern? Findet ihr die Aufgabenbereiche eines Mediengestalters zu groß oder seid ihr der Meinung, dass die Größe der Leistungsspektren in Ordnung ist? Was sind eure Erfahrungen und in wie weit hat euch dieser Artikel weitergeholfen?
















9 Kommentare
26. Juli 2010 17:50
Patrick @Maybach
Super Artikel wieder mal.
Ich selbst bin Assistent für Informatik Profil Mediendesign (nicht wirklich was brauchbares gelernt) und beschäftige mich eigentlich schon seit 4 Jahren mit Design. Beginne dieses Jahr eine Lehre zum MG in einer kleinen Agentur (wie du schon sagst ist die Stimmung und das Feeling locker und unterhaltsam :) )
Und was du da alles aufgezählt hast was ein MG alles kann muss, ich finde das muss man dann auch auf die jeweilige Fachrichtung begrenzen. Ich denke kaum, dass Konzept & Visualisation sehr spezifische Daten über die Druckverfahren beherrschen muss. Da müssten die Printler eigentlich das ganze perfekt beherrschen.
Manche unterscheiden ja MG einfach mit Non-Print und Print und die Non-Printler bräuchten ja dann rein gar nichts über Druckverfahren oder sonstiges wissen.
Und das mit der Vergütung ist auch leider schon seit paar Jahren so, es gab im mg.info Forum mal eine Umfrage wieviel man so in welchem Lehrjahr verdient und ich hab das die letzten 3 Jahre immer mal mitverfolgt und festgestellt, dass der Anteil bei 500€ oder weniger im ersten Lehrjahr stark zunimmt. Aber das kommt ja auch drauf an wie groß die Agentur ist und — leider gottes — ob man im „Osten“ oder im „Westen“ arbeitet. Ich selber arbeite im Osten und kann nur bestätigen, dass man hier in fast allen Berufen weniger Geld bekommt.
Ich finde das Spektrum der Ausbildung eigentlich ganz gut, könnte von mir aus noch größer sein. Weil, es gibt immer häufiger schon 16 Jährige die zB in Sachen Non-Print besser drauf sind als irgendwelche Gelernte. Und dort die Differenz des Wissens noch größer zu machen könnte man das Spektrum ja erhöhen. ;) (ich weiß ja noch nicht wirklich ob das Spektrum nicht jetzt schon groß und schwer genug ist, aber anhand des „Lehrsplans“ hab ich so das Gefühl)
btw: http://www.seidseit.de ;) (s. vorletzter Satz) Wo wir bei dem Thema auch wären: Ich finde die Rechtschreibung sollte von Mediengestaltern auch gut beherrscht werden, wenn ich mir die Rechtschreibung in meinem Freundeskreis so anschaue dann denke ich mir auch mein Teil… :)
July 26 2010 20:49 pm
Sieben @87blog
Hi Patrick,
danke für deinen ausführlichen Erfahrungsbericht – immer spannend zu lesen, wie es anderen so ergeht.
Danke auch für den Hinweis auf den klassischen seid/seit-Fehler, der letzte Absatz wurde diesmal erst nach der Endkontrolle verfasst... ist aber jetzt korrigiert :) Schön, so aufmerksame Leser zu haben!
26. Juli 2010 20:56
Mike @87blog
Hm, also ich finde den Artikel ein wenig einseitig. Stellenweise wirkt es als wenn du dir ein wenig Frust von der Seele schreiben würdest.
Ich finde subjektive Betrachtungsweisen eigentlich nicht schlecht aber empfinde den negativen Touch hier ein wenig zuviel. Es scheint als würdest du dem Großteil der Leute abraten Mediengestalter zu werden weil die Ausbildung zu undifferenziert und vielfältig ist. Aber genau das finde ich gut daran.
Im Gegenteil, als ich mit der Ausbildung fertig war, hatte ich eher ein „..und das solls gewesen sein?!“ im Kopf.
Die Kritik der Lehrinhalte ist gut. Wir, und auch unsere Lehrer, meinten ebenso das zuviel unnützes und veraltetes Zeug vermittelt werden muss und zuwenig aktuelle Sachen die man wirklich brauchen könnte. Das fällt dann auf die Betriebe zurück.
Und mit denen steht und fällt eine gute Ausbildung meiner Meinung nach. Hier generell zu sagen, bei Druckereien gibs nur Ausschiessen und in Agenturen gibt es abwechslungsreiche Kunden finde ich nicht haltbar. Ich habe da ganz andere Erfahrungen als du gemacht, und war in meiner Druckerei sehr viel mit kleinen Kunden in Kontakt für die wir Werbemittel und Printgestaltungen selbst entworfen, gestaltet und produziert haben. Ich kenne hier im Schwarzwald auch mindestens 3 weitere Druckereien in denen Mediengestalter so etwas machen. Eine gute Druckerei hat in der Regel halbwegs aktuelle Ausschießprogramme, welche Sachen wie Nutzenberechnung und Bogenaufteilung automatisieren können.
Vielleicht sollte man eher zwischen kleinen Betrieben in denen es oft flache Hierarchien und familiäre Verhältnisse gibt und großen Betrieben in denen man nur ein kleines Rädchen mit recht beschränktem Aufgabenspektrum unterscheiden.
Mediengestalter definieren sich meiner Meinung nach nicht über eine gut abgeschlossene Ausbildung, denn dies sollte jeder Real– und auch gute Hauptschüle problemlos hinbekommen, sonden eher über Ihre Referenzen und eben inwieweit sie die große Bandbreite der Aufgaben in der Medienwelt beherrschen.
27. Juli 2010 15:24
Rene Haas @87blog
Hy Mike,
Erst einmal ein großes Danke für deine wirklich ausführliche Antwort :).
Ich wollte in diesem Artikel keineswegs davon abraten, Mediengestalter zu werden. Vielmehr geht es mir darum, die Leute darüber aufzuklären, dass der Job nicht immer das ist, was man sich darunter erhofft. In meiner Berufsschulklasse haben allein im ersten Lehrjahr 5–6 Leute die Ausbildung geschmissen.
In dem Artikel habe ich versucht, so objektiv wie nötig zu bleiben. Meine subjektive Meinung wäre eine ganz andere — ich liebe diesen Beruf aber auch über alles und könnte mir nichts anderes vorstellen.
Natürlich ist nicht jede Druckerei oder Agentur gleich. Selbstverständlich kann man in einer Druckerei auch gestalterisch tätig sein, darum ging es mir aber nicht. Ich wollte aufzeigen, dass einem in diesem Beruf auch gänzlich andere Tätigkeiten erwarten können, als man sich zu Beginn erhofft hat.
27. Juli 2010 15:59
LauritzTebbe @87blog
Also ich finde auch, dass der Eintrag eher in „Frust“ geschrieben wurde.
Dennoch finde ich die Ansichten sehr gut und finde viele Aspekte sehr gut und jetzt auch irgendwie nicht schlecht!
Ich bin selber in der Medienwelt wieder zu finden.
Weil ich mich zu spät informiert habe und leider keine stelle als Mediengestalter bekommen habe, wurde mir empfohlen sich in der Druck und Medientechnik (Digital &Print) mal umzusehen.
Ich bin speziell für den Druck (Offsetdruck) zuständig und habe eher weniger mit der Gestaltung am Rechner zu tun..kommt zwar vor, weil mein Chef weiß, dass ich auch gut im Visuellen erstellen bin..gehört aber eigentlich nicht zu meinem Aufgabengebiet.
Ich muss zugeben, dass ich in der Materie überhaupt kein Ass bin und ich mir „Mediengestaltung“ eigentlich anders vorgestellt habe und es derzeit kein Traum von mir ist, diesen Beruf nach meiner Ausbildung weiter zu führen.
Die Materie als Drucker ist echt schwer.. ich tue mich sehr schwer mit den Fachbegriffen und hätte Anfangs nie gedacht, dass man so viel Mathe können muss um in der Schule wirklich gut abzuschneiden.
Ich habe zu kämpfen und habe derzeit echte angst es nicht zu packen. (auch aus Persönlichen gründen im Betrieb läuft nicht alles so wie es laufen sollte, was mich seelisch auch sehr fertig macht und es alles nochmal etwas schwieriger macht)
Fakt ist auch in diesem Beruf, dass man in der Schule überwiegend Dinge erzählt bekommt, die im späteren Beruf eigentlich überhaupt keine rolle mehr spielen. Fiele Dinge sind einfach sehr veraltet und die Historie wie das alles entstanden ist interessiert eigentlich heutzutage gar nicht mehr. Wer Schwierigkeiten hat sich in der Materie wieder zu finden, der hat es echt schwer es zu packen, obwohl man eigentlich in der Praxis ein sehr guter Drucker ist und mit anderen mithalten kann. Leider schafft man nur dadurch nicht den Job. =/
Ich will in den Details gar nicht weiter eingehen.. Fakt ist einfach, dass man Sachen lernt, die mit dem Beruf eigentlich keine Gemeinsamkeiten haben und der Stoff viel zu umfangreich gestaltet ist, der allerdings sehr stark in die Benotung mit einfließt.
Ich persönlich finde die Medienwelt sehr umfangreich und es wird immer schwieriger die Ausbildung zu schaffen. Ich will nicht sagen, dass es früher einfach war, doch denke ich, dass es immer umfangreicher wird was man in der heutigen zeit aber leider nicht anders unterteilen kann. Man kann nun mal nicht mehr jeden Beruf verzweigen weil die Erwartungen einfach zu groß sind. (gerade jetzt wo der Marktkampf immer größer wird und das Internet immer mehr Kunden raubt)…
Mein Lohn ist gut.. Im ersten Lehrjahr sollte man mindestens 750–800€ bekommen und wenn man in guten Firmen platz gefunden hat bekommt man auch gerne mal 1.200€ im dritten Lehrjahr…
was kann man sonst noch sagen.. ich persönlich hoffe, dass ich nach der Ausbildung meinen eigenen weg gehen kann und hoffe, dass ich in diesen Beruf nicht zurück kehren muss um mein leben finanzieren zu können. Ich habe diese Ausbildung angefangen, weil ich hoffe, dass man sich trotzdem weiterbilden kann und irgendwann das machen kann, was man eigentlich möchte.
2. August 2010 23:29
uniqueDns @uniqueDns
Hallo zusammen,
vorweg: Toller Blog!
Zum Thema:
Mediengestalter, mein Traumberuf? Definitiv JA!
Meine Fachrichtung war ebenfalls „Gestaltung & Technik“, nur komme ich aus dem Webbereich. Deinen Erfahrungsbericht kann ich aber fast 1:1 unterschreiben, da die Erfahrungen und Eindrücke fast identisch sind.
Ich denke ebenfalls, dass man sich im Vorfeld mit der Materie beschäftigt haben sollte. Zu Viele werden Mediengestalter aus dem genannten Grund: Modeberuf!
Auch wenn man eine Ausbildung absolviert, sollte ein gewisses Potential vorhanden sein.
Rückblickend würde ich sogar behaupten, dass ich allein mit den Vorkenntnissen, welche ich mir autodidaktisch angeeignet habe, die Prüfung bestanden hätte. Jedenfalls hatte die Zeit zuvor einen wesentlichen Teil dazu beigetragen, denn viel Neues habe ich (leider) nicht gelernt.
In meiner AP kam sogar gar kein Mathe vor, einige Sachen z.B. in WISO, welche wir gar nicht im Unterricht durchgenommen haben. Auch die Wertung der Prüfstücke bleibt mir weiterhin ein Rätsel, da fragt man sich echt wonach bewertet wird.
VG uniqueDns
23. August 2010 10:49
Julius @zeidlos
Ich muss sagen, dass ich den Artikel sehr gut und ausführlich finde.
Ich persönlich bin der Meinung, dass es einen Grund hat, dass in der Schweiz 4+ Jahre Typographie studiert wird, oder dass man früher 4 Ausbildungsberufe gebraucht hat, um den Stoff unter zu bringen.
Die einzige Möglichkeit im Job zu „überleben“ ist es, sich zu spezialisieren. Ich kann kein Litho-Gott sein, gleichzeitig schnell und zügig validen Code schreiben und nebenbei noch kreativ genug sein um coole Kundenlogos o.ä. am Fließband zu produzieren. Ich kann entweder alles ein bisschen, oder eines richtig.
Leider wird das in der Ausbildung in keinster Weise gefördert. Im Gegenteil: Man muss sich mit dermaßen unnützem Wissen vollstopfen, nur weil dies in der Abschlussprüfung dran kommen könnte. Energiekostenberechnung, Sozialgesetzgebung, Binärzahlen, Sport bzw. Religion … WTF?
Wieso wird von einem Webmenschen nicht nur erwartet, sich super mit Code, Techniken und Design auszukennen, sondern obendrein noch zu wissen und zu verstehen, warum es bei einem zu hohen Bogenstapel nach dem Druck zum Ablegen kommen kann. Ist das in irgendeiner Art und Weise interessant?
Wieso muss ein Print– Mensch wissen, wie man eine MySQL-Datenbank mit Daten füllt, und wie man Probleme mit dem IE6 verhindert? Mal abgesehen davon, sind die Lehrer schlichtweg überfordert mit der Technik. Wie soll ein Lehrer der vom Stoff selbst keine bis wenig Ahnung hat, diesen so vermitteln, dass die Schüler bei der Sache sind und obendrein noch was lernen? Richtig: Sie halten sich an vordefinierte Unterichtsmaterialien von denen die meisten nicht nur schlecht oder gar veraltet sind, nein, z.T. sind sie auch einfach falsch, bzw. nicht mehr Zeitgemäß (Layouttabellen, Typografie, etc).
Die Ausbildung kann eigentlich nur die Vorbereitung auf die weitere, persönliche Berufsausbildung sein. Quasi um alles schon mal gehört oder gelesen zu haben.
Die Alternative: Das Studium.
Ohne eigene Erfahrung bin ich auf die Aussagen meiner Mitmenschen angewiesen, das Folgende ist demnach nur hörensagen, bzw. basierend auf Erfahrungen mit Kollegen und Kunden.
Im Studium werden Kreativtechniken gelehrt, viel Theorie vermittelt und wenig Praxis. Die abzuliefernden Hausarbeiten werden ggf. auf gestalterische Qualität überprüft. Ob das in irgendeiner Art und Weise praxisorientiert, druckbar o.ä. ist, spielt keine Rolle. Ich bekomme oft Anfragen von fertig studierten Grafikdesignern zu den einfachsten Funktionen von InDesign, Daten von anderen Agenturen sind so haarsträubend aufgebaut bzw. zusammengeschustert, dass man diese teilweise komplett neu aufbauen muss um damit arbeiten zu können.
Das Studium müsste also auch um ein bzw zwei Jahre intensivster Programmschulung verlängert werden um effektiv zu sein.
Und nun? Fakt ist, dass weder studierte GrafikDesigner noch Mediengestalter auch nur annähernd eine Art Qualitätsgarantie haben, was ihre Ausbildung betrifft.
Mediengestalter können Glück aber auch Pech haben. GrafikDesigner müssen sich die Programme halt selbst beibringen.
Die teilweise nötigen Schulungen kann man sich als Privatperson teilweise einfach nicht leisten. 1200 Euro für zwei Tage Schulung? Das ist für Einige ein ganzes Monatsgehalt. Denn auch die Gehaltsspanne in der Branche ist riesengroß.
Wenn man sich für einen Job in der Branche entscheidet hat man oft mit langen Arbeitszeiten und schwierigen Kunden zu kämpfen. Das ist kein Job den man einfach macht nur um einen Job zu machen. Man muss diesen Job lieben. Ansonsten geht man über kurz oder lang kaputt.
Ganz abgesehen von der Krankheit, ggf. schlechtere oder teurere Produkte zu kaufen, weil das Design oder das Verpackungsdesign des besseren/günstigeren einfach mal gar nicht geht. :)
27. August 2010 12:05
Mike @87blog
guter Kommentar, den kann ich so unterschreiben. Das eierlegende Wollmilchsau — Problem habe ich jetzt shcon einigen Arbeitgebern geschildert, die Reaktion war immer gleich, sie lachen oder grinsen.
21. September 2011 15:43
nine @87blog
hey ihr lieben,
ich habe eure geschichten mit großen interesse verfolgt.
ich habe bereits eine lehre im sozialen bereich abgeschlossen, bin 24 jahre alt und habe zwei kinder.
weil ich mit meinem erlenten beruf im moment nicht viel anfangen kann habe ich ein angebot für eine umschulung zur mediengestalterin bekommen. ich sollte also eine nacht darüber schlafen und meine entscheidung mitteilen. dies habe ich dann am nächsten tag auch direkt mit einer zusage getan.ich habe mich versucht so gut es geht darüber zu informieren, weil ich wirklich absolut keinen plan davon hatte und eigentlich auch immernoch nicht wirklich hab. nun bin ich hier auf diese seite gestoßen die auch sehr hilfreich ist, obwohl ich im moment nicht weiß ob ich es lieber hätte nicht lesen sollen ^^.. ich soll so bald wie möglich als lehrling in einer druckerei anfangen, kleiner familienbetrieb und gute arbeitszeiten. ich geh davon aus das es im bereich der technik liegen wird, denn genaue infos hat mir noch niemand gegeben. im moment soll ich einfach auf den anruf vom chef warten und mich im internet belesen. nun gibt es aber soviele bereiche wo ein mediengestalter eingesetzt werden kann das ich gar keine ahnung hab in welchem bereich ich nun eigentlich eingesetzt werde. nun komm ich dann zum vorstellungsgespräch und kann eigentlich gar nichts dazu sagen außer das was ich mir durch das internet behalten haben könnte. ich werde immer unsicherer ob die überhaupt wissen was die bzw wem die sich da ins boot holen ^^ denn ich muss alles von grund auf lernen und bis eben dachte ich ja das dass mit der bezeichnung Ausbildung gesichert wäre. allerdings habe ich grade das gefühl das man als mediengestalter geboren sein muss ansonsten nämlich keinerlei chancen hat das überhaupt zu erlernen bzw mitzuhalten. sooo jetzt hab ich auch mal meinen senf dazu gegeben .. ich habe keinen plan ob das dass richtige für mich ist .. interesse habe ich auf jedenfall nur das wissen fehlt mir noch xD liebe grüße ^^
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