24 Jun 2010, Geschrieben von Rene Haas in Tests,Zeitschriften, 5 Kommentare
PAGE vs. novum – Der Test der Designblätter?
Wer wie wir sich gerne im Bereich Kommunikationsdesign und Mediengestaltung auf dem Laufenden halten will, der kommt wohl nicht drum herum sich mit einer der beiden genannten Zeitschriften auszustatten. Immerhin gelten diese Magazine als die Speerspitze was Neuigkeiten in den genannten Bereichen so angeht, doch werden beide diesem Titel gerecht? Wir von Sieben und Achtzig haben es uns zur Aufgabe gemacht mal beide Magazine unter die Lupe zu nehmen!
In sieben Kategorien möchten wir heute die wohl bekanntesten Zeitschriften Deutschlands auf den Prüfstand schicken und sehen, welche sich durch Qualität auszeichnet und wo kalter Kaffee nur aufgewärmt wird.
PAGE vs. novum
Zur Veranschaulichung werden hier die Juli Ausgaben beider Magazine verwendet, jedoch basiert der Test auf Ausgaben der letzten zwei Jahre.
Der Preis
Der erste Punkt geht hier klar an die, im Vergleich zur 11 Euro teuren novum, PAGE mit einem Ausgabenpreis von 9,80 Euro.
Zielgruppe
PAGE
Das Alter bewegt sich bei einem Anteil von 88% bei der Hauptzielgruppe der PAGE zwischen 20 und 49 Jahren. Mit 60% ist die Hauptzielgruppe der PAGE vorwiegend männlich und ist in den Bereichen Grafikdesign, Multimediadesign und der Geschäftsführung tätig und somit wichtiger Entscheidungsträger.
novum
Der prozentuale Anteil der Zielgruppe der 20 bis 45 Jährigen befindet sich derzeitig bei 85,5% der Gesamtleserschaft der novum und arbeitet in den Bereichen Grafikdesign, Typografie, Werbung, Fotodesign und Illustration. Über 80% der Leser sind Entscheidungsträger für wichtige Anschaffungen wie Bildmaterial, Papier, Software, Computer, periphere Geräte und Kameras.
Die für uns relevante Zielgruppe sind hierbei die kreativ Schaffenden und nicht die Geschäftsführung selbst. Hierbei geht der Punkt klar an die novum, die mit 82% eine weitaus größere Leserschaft im Bereich Grafikdesign hat als die PAGE mit gerade einmal 25%.
Haptik & Papierqualität
PAGE
Die PAGE setzt hierbei auf ein holzhaltiges und gestrichenes Papier der Marke UPM. Genauer gesagt auf 80g UPM Ultra S H. Laut dem Hersteller soll dieses Papier jeden Art Director ins schwärmen versetzen und durch seine glatte Oberfläche sämtliche Farbnuancen perfekt wiedergeben und Bildern Tiefe verleihen. Auf das gestrichene Cover der Page mag das noch zutreffen, doch begegnen uns auf der Innenseite immer wieder Farbwolken die wohl durch das hier nur kalandrierte Papier hervorgerufen werden. Die Grammatur von 80g/m² tut ihr Übriges, um die PAGE nach spätestens dem dritten Aufklappen mit klaren und unschönen Gebrauchsspuren zu versehen. Schon beim ersten Reinschnuppern störte uns diese wabbelige Haptik der Zeitschrift, die uns eher an eine Fernsehzeitschrift erinnert hat und nicht an ein Magazin, welches sich im Kreativsektor etablieren will und dessen Ausgaben man normalerweise archiviert.
novum
Was die PAGE scheinbar als vernachlässigbar einstuft, wird bei der novum ganz groß geschrieben. Zu jeder Ausgabe ziert eine andere Papiersorte das Cover und auch die Weiterverarbeitung wird hier nicht vernachlässigt. Von Heißfolienprägung über 3D Lacke bis hin zu aufwändigen Stanzarbeiten keine Seltenheit. Auch beim Papier für den Hauptteil der Zeitschrift wurde nicht gespart. Hier kommt der Leser in den Genuss von HELLO Silk 150g/m² vom Anbieter Deutsche Papier. Das matt gestrichene Papier hat eine sehr schöne Farbwiedergabe und unterstützt in seiner vollen Haptik die Wertigkeit des Magazins.
Seitenlayout
PAGE
Die PAGE setzt bei ihrer Seitengestaltung auf ein 7-spaltiges Raster, welches sie in den meisten Fällen strickt einhält. Hier tanzt nichts aus der Reihe oder stellt sich quer. Das bringt im Großen und Ganzen Struktur in das Magazin, aber durch die steife Einhaltung der Spalten bekommt man als Leser mehr den Eindruck, eine Computerzeitschrift in der Hand zu haben. Zu kalt, zu steril und für ein Magazin, welches in ihrer Claim das Wörtchen „Ideen“ verwendet, viel zu adrett gekleidet.
novum
Anders als bei der Konkurrenz wird hier auch gerne einmal mit dem vorhandenen Raster gebrochen, dabei aber so subtil, dass man es kaum merkt und dass das Gefühl von Ordnung nicht verloren geht. So folgen zum Beispiel viele Grafiken nicht dem Spaltenraster, sondern wirken dynamisch platziert. Auch hier geht der Punkt ganz klar an die novum. Klar, seriös und trotzdem nicht langweilig, das ist unser Empfinden beim Aufschlagen des Magazins.
Lesbarkeit & Typografie
PAGE
In Sachen Lesbarkeit konnte sich die PAGE hier keinen Punkt ergattern. Mit ihrer durchschnittlichen Anzahl von Zeichen je Zeile liegt sie bei 35–38 Stück und bei einer serifenlosen, wenn auch hauseigenen Schrift empfinden wir das Lesen im Vergleich zur novum anstrengender und es bedarf manchmal den ein oder anderen Anlauf bis man sich doch überredet alles zu lesen. Wie aber schon angesprochen verfügt die PAGE über eine hauseigene Schrift (MagPage) und einer modifizierten Form der PTL Notes (NotesPage), gezeichnet von Ole Schäfer. Wir finden die Bemühungen um die eigene Schrift klasse und vergeben darum den Punkt, im Bereich Typografie, der PAGE.
novum
In Sachen Typografie konnten uns die abgegriffenen Schriften, ihres Zeichen die Helvetica und die Caslon Book, nicht überzeugen und so ging der Punkt an die Konkurrenz. Doch haben novum Leser keinen Grund zur Traurigkeit, denn im Punkt Lesbarkeit liegt ihr Magazin weit vor der PAGE. Die gewählte Barock-Antiqua unterstützt den Lesefluss sehr gut und wird durch die höhere Zeichenanzahl pro Zeile (46 Zeichen/Zeile) noch unterstützt. So muss man als Leser nicht ständig die Augen springen lassen und trotzdem findet man die nächste Zeile problemlos. So wünscht man sich das.
Drinnen wie Draußen?
Bei „Drinnen wie Draußen“ geht es nicht etwa um die Lesbarkeit im Indoor oder Outdoorbereich sondern darum, ob die Headlines der Titelseite auch das wiedergeben, was innen drin zu finden ist.
PAGE
Die PAGE hat uns in diesem Sektor etwas enttäuscht, so finden sich auf der Titelseite der Ausgaben meistens viel versprechende Headlines wie: „Die Qual der Schriftenwahl – Und wie Sie ihr ein Ende setzen“, doch die 2 bis 3 Tipps, die man im Endeffekt erhält, sollten schon jedem geläufig sein. Es erinnert uns mehr oder weniger an aufgewärmten Kaffee mit Ratschlägen, die man im ersten Ausbildungsjahr als Mediengestalter schon beigebracht bekommt.
novum
Die novum hat sich einem ganz anderem Konzept gewidmet. So verzichtet man hier auf reißerische Headlines und widmet sich einem überstehenden Thema wie zum Beispiel „Naher Osten“, wo man sehr schön über arabische Schriften informiert wurde oder „Papier“, in der man auf fast jeder Seite ein anderes Papier in den Händen gehalten hat und Künstler vorgestellt wurden, die hauptsächlich mit Papier arbeiten. Ansonsten distanziert man sich gänzlich von auffälligen Headlines und hat die 4 Themenschwerpunkte schon fast zurückhaltend in einem Kasten positioniert. Understatement pur und genau das ist es, was einem dann im Endeffekt überrascht, die Fülle an Informationen und interessanten Storys, die einem vermittelt werden und deshalb geht hier der Punkt wieder an die novum.
Werbung
PAGE
Irgendwie muss sich ein Magazin ja auch finanzieren, doch bei einem Stückpreis von 8,90 Euro sollte man erwarten, dass sich Werbung allgemein in Grenzen hält. Fehlanzeige, wie unsere Zählung der Werbeanzeigen aufgezeigt hat. So kommen wir bei der PAGE auf 39 Anzeigen bei einem Umfang von 114 Seiten. Das Entspricht einer Werbedichte von etwa 0,34 Werbeanzeigen pro Seite.
novum
Bei der novum hat man erst einmal den Eindruck, dass sich weniger Werbung im Magazin befindet, was sich mit 21 Werbeanzeigen auf 82 Seiten auch bestätigt. Hier liegt der Schnitt bei etwa 0,26 Werbeanzeigen/Seite und ist somit geringer als der der Konkurrenz — somit geht dieser Punkt an die novum.
Fazit
Mit einem Ergebnis von 6:2 geht die novum als klarer Sieger bei diesem Test vom Platz. Wer Wert auf interessante Beiträge, schönes Papier und vor allem auf Kreativität legt, der ist mit der novum bestens bedient. Den Jungs und Mädels, die das Magazin herausbringen, merkt man förmlich die Leidenschaft an, mit der sie dahinter sind jede Ausgabe neu zu erfinden. Ein Scheibchen, von der sich die PAGE noch was abschneiden könnte. Was uns bei der PAGE am negativsten auffällt sind die Headlines, die viel versprechen und dass man im Endeffekt so gut wie nichts erfährt.
Welche Zeitschriften lest ihr?
Mit welchen habt ihr gute/schlechte Erfahrungen gemacht?
Was muss euch eine Zeitschrift bieten, damit sie euch begeistert?

























5 Kommentare
25. Juni 2010 00:51
Cornelius Unbehaun @PhotoUnbehaun
Ich kenne keine der beiden Zeitschriften, allerdings fand ich den Artikel sehr interessant und werde mich mal nach der novum im Zeitschriftenhandel umschauen.
Ich lese die Photographie, da sie Qualitativ sehr hochwertig ist und in den Artikeln steht, was in der Überschrift versprochen wird.
lg Cornelius
June 25 2010 11:13 am
Sieben @87blog
Klar, im Bereich Fotografie gibt es einige gute Zeitschriften, das ist aber nicht wirklich das Fachgebiet der beiden vorgestellten Hefte. Hier geht es tatsächlich um Design und Gestaltung, weniger um Foto und Bildbearbeitung, auch wenn die Page hin und wieder (meiner Meinung nach eher bescheidene) Tipps zu Photoshop & Co enthält.
Schau dir ruhig beide Hefte mal an, meines Wissens gibt es sowohl bei der Page als auch bei der novum recht günstige Probeabos, als Schüler oder Student sind ja auch die Abos vergleichsweise günstig.
25. Juni 2010 10:19
Julian @87blog
‚So kommen wir bei der PAGE auf 39 Anzeigen bei einem Umfang von 114 Seiten. Das Entspricht einer Werbedichte von 2,9 Werbeanzeigen pro Seite.‘
‚[…]doch bei 21 Werbeanzeigen auf 82 Seiten ist das weit gefehlt. Hier liegt der Schnitt bei 3,9 Werbeanzeigen/Seite[…]‘
da muss wohl ein Fehler in der Rechnung liegen! Müsste es heissen ‚Seiten/Werbeanzeige‘!!
June 25 2010 11:04 am
Sieben @87blog
Na da ist uns ja ein peinlicher Schnitzer unterlaufen - Danke für den Hinweis! Du hast natürlich völlig Recht, im Eifer des Gefechts wurde hier einfach falsch herum gerechnet.
Mit der korrekten Rechnung ändert sich auch das Ergebnis: Nicht die PAGE hat weniger Werbung, sondern die novum. Das Gesamtergebnis fällt also mit 6:2 noch deutlicher für die novum aus.
Sorry für den Fehler und danke nochmals für deinen Hinweis, die entsprechende Passage wurde korrigiert. Gut, dass wir so aufmerksame Leser haben :)
28. Juni 2010 15:27
Patrick @Maybach
Super Gegenüberstellung, da ich mich schon immer gewundert habe was so viele an der PAGE finden. Schon alleine wenn ich in den Zeitungsladen gehe spricht mich das Cover von novum mehr an als von der PAGE. Die PAGE sieht von weiten wie die Bravo im Bereich Gestaltung aus. Leider habe ich keines der beiden Magazinen als Abo, würde aber gerne die novum haben, leider als Azubi nicht wirklich machbar. Aber ab und zu packt einen die Lust sich mal sowas nettes zu kaufen. :)
Also super Artikel und danke für die Bestätigung, dass novum wirklich besser ist. :)
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