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Sieben und Artists #3: Thorsten Thees

20 Jun 2010, Geschrieben von Peter Rudolph in Sieben und Artists, 5 Kommentare

Sieben und Artists #3: Thorsten Thees


In der Serie „Sie­ben und Artists“ wol­len wir euch in loser Folge Künst­ler vor­stel­len. Seien es Foto­gra­fen, Bild­be­ar­bei­ter oder Gra­fi­ker, natio­nal oder inter­na­tio­nal, jung oder alt — wich­tig ist uns dabei nicht der Bekannt­heits­grad, son­dern viel­mehr Sym­pa­thie, fri­sche Krea­ti­vi­tät und das „Gewisse etwas“. In locke­rer Inter­view­form ver­su­chen wir, ein aus­sa­ge­kräf­ti­ges Gesamt­bild der vor­ge­stell­ten Per­son ent­ste­hen zu las­sen, ohne dabei stu­pide die immer­sel­ben Fra­gen zu stel­len. Wenn ihr selbst einen Pixel­vir­tuo­sen kennt, der es eurer Mei­nung nach ver­dient hätte, hier vor­ge­stellt zu wer­den, könnt ihr sehr gerne eure Vor­schläge einreichen.

Für die 3. Folge unse­rer „Sie­ben und Artists“-Reihe konn­ten wir Thors­ten Thees gewin­nen. Wem der Name noch kein Begriff ist: Thors­ten war lange Zeit der Assis­tent der Composing-Größe Uli Stai­ger. Seit eini­gen Mona­ten star­tet er rich­tig durch: Im letz­ten Jahr hat er den Docma-Award gewon­nen und seit Anfang des Jah­res arbei­tet er als pro­fes­sio­nel­ler Retu­scheur bei Out to Focus — die neben ihren eige­nen Arbei­ten auch Auf­träge von ande­ren Agen­tu­ren und Foto­gra­fen bear­bei­ten. Wir haben Thors­ten in Ber­lin getrof­fen und in zu sei­nem Wer­de­gang befragt — eine äußerst inter­es­sante Lek­türe nicht nur für die­je­ni­gen, die eine ähnli­che Kar­riere ein­schla­gen wol­len wie er. Das Inter­view ist recht umfang­reich gewor­den, wir haben aber bewusst nicht gekürzt, da alle Infos sehr lesens­wert sind. Also macht euch einen gro­ßen Pott Kaf­fee, machts euch bequem und lest, was Thors­ten uns zu sagen hatte. Viel Spaß! :)


Hi Thors­ten, vie­len Dank, dass du dir die Zeit für das Inter­view genom­men hast. Viel­leicht stellst du dich unse­ren Lesern ein­fach noch ein­mal kurz vor?

Ja klar. Mein Name ist Thors­ten Thees, ich habe eine Aus­bil­dung zum Medi­en­de­si­gner für Print– und Digi­tal­me­dien hin­ter mir und bin schon seit, öhm, mitt­ler­weile bestimmt über 10 Jah­ren mit Bild­be­ar­bei­tung beschäftigt…

Kommst du direkt aus Berlin?

Ja, ich komme aus Ber­lin, in Tem­pel­hof gebo­ren, und wohne jetzt in Span­dau mit Frau und Kind. Tja, und seit Januar arbeite ich nun bei Out To Focus, das sind zwei Auto­fo­to­gra­fen, da dreht sich tat­säch­lich alles ums Auto, und ich mache dort die Postproduction…

…alleine?

Alleine momen­tan, ja. Ich hoffe natür­lich, dass der Laden gut blüht, und sehe da momen­tan auch nichts, was uns daran hin­dern sollte, wir haben viele gute Auf­träge zur Zeit.

Und du bist zufrie­den da? Macht‘s Spaß?

Ja, macht auf jeden Fall eine Menge Spaß, ist super da. Ist natür­lich auch anstren­gend, einen neuen Stil zu fin­den, aber das gehört dazu.

Wie hast du denn ange­fan­gen mit der Bild­be­ar­bei­tung gene­rell? Hast du ein­fach nur wild rum­pro­biert, oder wie fing alles an?

Also wirk­lich ange­fan­gen hat es wohl, als ich damals ein Renn­spiel am Com­pu­ter gespielt habe und unbe­dingt mei­nen eige­nen Wagen für das Spiel haben wollte, mit eige­nen Tex­tu­ren etc. Ich habe dann tat­säch­lich den Ord­ner mit den Tex­tu­ren gefun­den, habe die mit Paint geöff­net und habe ein paar Pixel dazu­ge­malt und dachte mir — irgend­wie muss es da doch was Bes­se­res geben! Und tja, so habe ich dann Pho­to­shop entdeckt…

Das ist dann ver­mut­lich schon ein paar Jähr­chen her, oder?

Ja, das ist defi­ni­tiv schon ein paar Jahre her, ich kann auch nicht mehr genau sagen, mit wel­cher Ver­sion das ange­fan­gen hat, aber es ist schon lange her.

Und seit­dem bist du Pho­to­shop treu geblie­ben, oder hast du zwi­schen­durch noch andere Pro­gramme verwendet?

Naja, ich habe schon vie­les ande­res aus­pro­biert, Corel­D­raw zum Bei­spiel und sol­che Sachen, aber ich bin ein­fach immer wie­der zu Pho­to­shop zurück­ge­kehrt, weil es halt ein­fach das beste Pro­gramm ist.

Und wie hast du dich dann wei­ter­ent­wi­ckelt — sel­ber wei­ter rum­ge­tes­tet, oder auch irgend­wel­che Schu­lun­gen oder Work­shops besucht, DVDs?

Also extrem viel habe ich in der Aus­bil­dung gelernt, weil ohne Grund­kennt­nisse, die einem dort beige­bracht wer­den, was Bild­wir­kung und Blick­füh­rung angeht oder Kon­trast– und Form­wir­kung, geht es ein­fach nicht, da kön­nen keine guten Bil­der dabei raus­kom­men, wenn man sich diese Grand­la­gen nicht aneig­net. Da habe ich tat­säch­lich das meiste gelernt und dann, was mich tech­nisch wei­ter gebracht, hat waren die video2brain Tuto­ri­als wie von Uli Stai­ger natür­lich oder auch Cal­vin Hol­ly­wood, bei Cal­vin aller­dings nicht so viel, son­dern eher wirk­lich bei Uli Stai­ger, der ja auch mein Vor­bild war wäh­rend der Aus­bil­dung, und es auch in vie­len Berei­chen immer noch ist. Bei ihm habe ich ja dann glück­li­cher­weise auch ein Prak­ti­kum bekom­men, zwei Mal sogar…

Ach zwei­mal gleich? Wie bist du denn dazu gekom­men — habt ihr euch vor­her schon gekannt, oder bist du da ein­fach auf ihn zugegangen?

Gekannt gar nicht. Ich habe eben das video2brain Tuto­rial gehabt, hab mir die Ein­lei­tung ange­schaut, wo Uli sich sel­ber vor­stellt und erzählt, dass er ein Stu­dio in Ber­lin hat, „Die Licht­ge­stal­ten“, da dachte ich mir: Was, Ber­lin? Cool, musste mal hin­ge­hen. Ich bin dann am nächs­ten Tag direkt hin­ge­gan­gen und hab ein­fach geklin­gelt, ohne Mappe ohne gar nichts, ein­fach nur „Ich bin da“. Er war grade auf dem Sprung, musste wohl los oder hatte einen Auf­trag, und hat aber trotz­dem einen Ter­min mit mir ver­ein­bart in der dar­auf fol­gen­den Woche. Da sollte ich dann natür­lich auch ein paar Bil­der mit­brin­gen, hab ich dann auch gemacht, haben ihn anschei­nend auch gefal­len, und dann hat er mich genom­men. Erst­mal 3 Monate…

Und das war vor dei­ner Aus­bil­dung oder danach?

Das war wäh­rend der Aus­bil­dung, also ein Prak­ti­kum par­al­lel zur Aus­bil­dung. Nach einem hal­ben Jahr war dann die Prü­fung, die ich lei­der nicht geschafft habe, so dass ich die Zeit bis zum zwei­ten Ver­such über­brü­cken musste, also hab ich noch ein zwei­tes Prak­ti­kum bei ihm gemacht.

Wie lang warst du dann ins­ge­samt bei ihm?

7–8 Monate waren es bestimmt.

Je nach dem wie viel du davon erzäh­len darfst — wie sah so der Arbeits­all­tag mit Uli aus? Warst du da nur bei den Pro­jek­ten betei­ligt, die man auch öffent­lich kennt, also sei­nen freien Arbei­ten, oder auch bei Auf­trags­ar­bei­ten etc?

Auch bei Auf­trä­gen, da ich aber nicht weiß wie viel davon ver­öf­fent­lich wer­den darf, sage ich lie­ber nichts. Ansons­ten halt assis­tiert bei den Auf­trä­gen, Objek­tiv­wech­sel, Licht ein­stel­len etc…

Also wirk­lich von der Foto­gra­fie bis zum fer­tig bear­bei­te­ten Bild inklu­sive 3D etc?

Genau, 3D-Zeugs dann auch, da haben wir uns super ergänzt, weil ich da anfangs sogar etwas fixer war als er, das hat sich dann aber schnell aus­ge­gli­chen, da wir uns gegen­sei­tig Tipps gege­ben haben und jeder hat halt rum­pro­biert und gemacht und getan — da haben wir uns also super ergänzt.

Deine 3D-Kenntnisse hast du dir dann anfangs auch selbst beigebracht?

Die habe ich mir auch sel­ber beige­bracht, ja. Das ist natür­lich ein har­ter Kampf am Anfang, da braucht man sehr viel Geduld.

Der Uli ist pri­vat und im Arbeits­all­tag ver­mut­lich genau so locker und sym­pa­thisch wie man ihn von sei­nen DVDs und Events wie der Tion kennt, oder?

Ja, klar, der ist super. Super sym­pa­thisch und ein prima Kon­takt, auf jeden Fall.

Und ihr seid auch immer noch regel­mä­ßig in Kon­takt und tauscht euch aus?

Ja, so gut es geht. Seit ich halt die Arbeit bei Out To Focus ange­fan­gen habe, hab ich halt sehr viel weni­ger Zeit, ich will immer wie­der vor­bei­ge­hen aber schaffs dann oft aus Zeit­grün­den doch nicht.

Noch­mal zurück zu dei­ner Aus­bil­dung — Medi­en­de­si­gner, ist das das selbe wie der bekann­tere Mediengestalter?

Ja, das ist im Prin­zip das selbe. Aber Desi­gner hört sich halt bes­ser an ;)

Und du wür­dest auch sagen, dass dir die Aus­bil­dung für dei­nen heu­ti­gen Job etwas gebracht hat ja? Denn gerade vom Aus­bil­dungs­gang Medi­en­ge­stal­tung hört man ja doch oft eher gespal­tene Meinungen…

Also da es bei mir eine schu­li­sche Aus­bil­dung war, wur­den wir durch­ge­hend von Dozen­ten betreut, es war also keine reale Firma in dem Sinne, son­dern wir wur­den eben von Dozen­ten unter­rich­tet und dort gin­gen dann eben alle Pro­gramme durch: Pho­to­shop, Illus­tra­tor, After Effects, Flash, Dream­wea­ver, natür­lich auch HTML & CSS etc…

Das heißt bei euch gab es nicht die klas­si­sche Auf­tei­lung von Berufs­schule und Arbeit im Ausbildungsbetrieb?

Nein. Wir hat­ten zwar auch Berufs­schule, wur­den aber haupt­säch­lich eben von enga­gier­ten Dozen­ten oder auch Free­lan­cern aus der Pra­xis unter­rich­tet, und haben dabei eine Menge gelernt.

Noch­mal zu dei­nem jet­zi­gen Arbeits­platz — dort geht es tat­säch­lich nur um Auto­fo­to­gra­fie und die dazu­ge­hö­rige Retu­sche, richtig?

Genau, ja. Das End­pro­dukt ist dann letz­tens Endes für die Wer­bung bestimmt, das ist natür­lich auch unser gro­ßes Ziel. Da haben wir auch schon einen guten Ansatz mit dem Por­sche Cayenne, wofür wir die Back­pla­tes gemacht haben, also die Hin­ter­gründe. Dafür gab es bereits sehr gutes Feedback.

Und das ist eine kleine Agen­tur, oder wie muss man sich euren Betrieb vorstellen?

Eine Agen­tur nicht direkt, es sind die bei­den Foto­gra­fen Mar­tin Grega und David Breun, und ich für die Post­pro­duc­tion. Ich habe eben mei­nen Mac dort ste­hen und retuschiere ;)

Wie bist du an die Stelle dort gekom­men? Kann­test du einen der Fotografen?

Ursprüng­lich durch einen Dozen­ten, der hat sein Büro direkt dort neben Out To Focus und hat mich dann den bei­den vor­ge­stellt. Ich hatte ein Vor­stel­lungs­ge­spräch und bin dann auch gleich in den ers­ten Job rein­ge­rutscht. Anfangs habe ich noch von zu Hause aus gear­bei­tet bis die Aus­bil­dung vor­bei war und bin dann eben fest ange­stellt worden.

Bei der Arbeit han­tierst du dann ver­mut­lich auch mit 3D?

Noch nicht, momen­tan ist es wirk­lich nur Pho­to­shop mit rea­len Auto­mo­ti­ven. Es geht also unge­fähr in die Rich­tung von Marius Schwiegks Arbeit, ich bin im Grunde auf dem Weg eine Mischung aus Marius Schwiegk und Uli Stai­ger zu wer­den, jeden­falls hoffe ich das ;)

Und wann kommt deine erste DVD raus? ;)

Ohje, die ist noch nicht in Pla­nung, es hat mich auch noch nie­mand ange­spro­chen. Aber das dau­ert auch alles noch ein biss­chen, da muss noch ein biss­chen mehr Rou­tine bei mir reinkommen…

Aber von den Photoshop-Techniken her, kannst du da das anwen­den, was du frü­her schon ver­wen­det hast oder setzt der Job kom­plett andere Tech­ni­ken vor­aus? Marius Schwiegk zum Bei­spiel arbei­tet ja fast nur mit der Kom­bi­na­tion ver­schie­de­ner Grund­tech­ni­ken, die für sich genom­men nicht son­der­lich kom­pli­ziert sind…

Genau, die Grund­tech­ni­ken sind über­all gleich. Es kommt halt immer auf das Motiv an, wel­che Vor­ga­ben man hat und wie man das Motiv am bes­ten raus­mo­du­lie­ren kann. Man will natür­lich, dass das Auto auch schön glän­zend rüber­kommt und der Lack auch tat­säch­lich wie Lack aus­sieht und nicht wie Plas­tik oder so.


Und dies­be­züg­lich kriegt ihr genaue Vor­ga­ben vom Kun­den oder kannst du da ein Stück weit auch sel­ber krea­tiv werden?

Das ist natür­lich von Kunde zu Kunde unter­schied­lich. Man­che geben einem viel vor, dass das Motiv zum Bei­spiel natür­lich aus­se­hen soll, andere wol­len es schon rich­tig geil haben, andere haben gar keine Vor­ga­ben und sagen „Macht mal!“… und die „Macht mal!“ sind natür­lich die beliebtesten ;)

Wie lang sitzt du denn im Durch­schnitt an solch einer Autoretusche?

Das schwankt natür­lich stark, aber durch­schnitt­lich… das kann zwi­schen einem Tag und einer gan­zen Woche sein. Kommt ganz auf den Schwie­rig­keits­grad an bzw auf das Ziel des Projekts.

So, auf mei­ner Liste steht noch dein Sieg beim Docma Award letz­tes Jahr — herz­li­chen Glück­wunsch noch­mal dazu!

Genau, dan­ke­schön!

Kannst du dazu noch ein biss­chen was erzäh­len? Wie bist du auf die Idee gekom­men, da mit­zu­ma­chen, wie lief das ab?

Also mit­ma­chen wollte ich ja schon im vori­gen Jahr (2008), da hatte ich auch schon 3 Motive fer­tig, bloß hab ich blö­der­weise die Dead­line ver­passt. Da hab ich mir dann gedacht, beim nächs­ten musst du defi­ni­tiv mit­ma­chen, ganz egal was da kommt. Da kam dann ne ganze Menge, da war die Prü­fung, da kam alles auf ein­mal, war der totale Stress. Jeden­falls hatte ich dann ein Motiv fer­tig, die Laterne mit dem Kno­ten darin, und eine Aus­gabe vor dem Abga­be­ter­min hat dann Doc Bau­mann einen Arti­kel geschrie­ben, wie man einen Kno­ten in ein Wind­rad macht… Tja, da musste dann auf die Schnelle eine neue Idee her, habe dann mein Archiv durch­stö­bert und bin dann auf die Tele­fon­zel­len vor dem Haupt­bahn­hof gesto­ßen. Die habe ich dann noch­mal foto­gra­fiert und habe ein 3D-Objekt rein­ge­bas­telt. Ich hätte eigent­lich nicht gedacht, dass ich damit Erfolg haben würde, in keins­ter Weise, hab es dann aber doch irgend­wie geschafft.

Du warst dann auch direkt in Frank­furt auf der Preisverleihung…

Genau, die war aller­dings erst wesent­lich spä­ter. Bekannt waren die Gewin­ner schon im letz­ten Som­mer, da das aber alles noch mit dem Museum abge­klärt wer­den musste, wo die Werke dann aus­ge­stellt wur­den, hat sich das alles noch etwas hingezogen.

Und dort hast du auch Doc Bau­mann, den Her­aus­ge­ber der Docma, per­sön­lich kennengelernt…

Genau, wir haben ein paar Worte gewech­selt, er ist auch ein sehr net­ter Mensch. Lei­der war die Zeit dort etwas knapp, man hätte sich noch mehr Aus­tausch gewünscht.

Gab es denn auch Aus­tausch zwi­schen den ver­schie­de­nen Teil­neh­mern bzw Preisträgern?

So viele Teil­neh­mer waren lei­der gar nicht da, weil ja da die­ser blöde Vul­kan aus­ge­bro­chen ist, und ich habs sel­ber ja auch nur ganz knapp geschafft. Ich wollte eigent­lich auch flie­gen, bin dann aber mit der Bahn gefah­ren, aber das ist eine andere Geschichte… das war ganz schön zum Kot­zen. Dem­ent­spre­chend war also lei­der nicht so viel Aus­tausch mög­lich, aber am Ende konnte ich vie­len ande­ren dann wäh­rend der Aus­stel­lung doch noch das eine oder andere erklä­ren und ein paar Fra­gen beant­wor­ten. Danach ging dann auch schon bald wie­der zurück — wie­der mit der Bahn…

Machst du denn öfter bei sol­chen Wett­be­wer­ben mit oder war das gleich ein Voll­tref­fer beim ers­ten Versuch?

Nein, ich habe bereits beim Foto­hits Wett­be­werb teil­ge­nom­men anfang letz­ten Jah­res, da ging es um Mon­ta­gen, da habe ich auch gewon­nen mit dem Wür­fel­bild („Und er wür­felt doch“). Da das der erste Wett­be­werb war wo ich mit­ge­macht und gleich gewon­nen habe, hat es mich dann gepackt und wollte dann natür­lich mehr erreichen :)

Hast du denn nach dem Docma Award kon­krete Aus­wir­kun­gen gespürt? Mehr Feed­back, neue Kon­takte, mehr Anfra­gen oder war das mehr ein per­sön­li­cher Erfolg ohne kon­krete Folgen?

Zual­ler­erst natür­lich als per­sön­li­chen Erfolg. Da das Motiv an sich ja jetzt nicht son­der­lich auf­re­gend war, kam bis­her nicht beson­ders viel Feed­back abseits des Awards, abge­se­hen natür­lich von Zuschrif­ten bei Face­book oder auf mei­nen Blog. Und natür­lich Freunde und Ver­wandte, da sind alle glück­lich und happy, aber so wirk­li­ches Feed­back in Form von Arti­kel­an­fra­gen etc kam lei­der bis­lang kaum.

Das kann ja noch wer­den. Aber noch­mal zu dei­nen freien Arbei­ten, zu dei­nen Com­po­sings. Wie ich auf dei­nem Blog gele­sen habe, foto­gra­fierst du deine Bild­ele­mente kom­plett sel­ber. Mit Stock­bil­dern hast du also gar nichts am Hut?

Nein, ich finde Stock­bil­der hin­dern mich irgend­wie daran mich zu ent­fal­ten und blo­ckie­ren in gewis­ser Weise die Krea­ti­vi­tät. Wenn man sel­ber foto­gra­fiert, dann ist das wirk­lich zu 100% „ich“, ich kann das Mate­rial genau so foto­gra­fie­ren, wie ich es brau­che. Ansons­ten sind es halt ein­fach fremde Arbei­ten die da mit ein­ge­ar­bei­tet sind und ich finde man kann dann am Ende nicht wirk­lich sagen „das ist von mir“, weil in den Stock­fo­tos ja immer auch ein Stück der jewei­li­gen Foto­gra­fen steckt.

Und Objekte, die du nicht selbst foto­gra­fie­ren kannst, die erstellt du dann in 3D?

Ja, im Grunde schon. Wenn sich der Auf­wand lohnt, natürlich.

Und wenn 3d, mit wel­chen Pro­gram­men arbei­test du da? Cinema?

Genau, in der Regel mit Cinema 4D. An 3ds Max habe ich mich noch nicht her­an­ge­traut und an Maya erst recht nicht. Aber Cin­ama ist wirk­lich super intui­tiv wenn man sich ein­mal ein­ge­ar­bei­tet hat und es gibt eben super viele Foren zu dem Pro­gramm mit unglaub­lich guten Leuten.

Wenn du foto­gra­fierst… dann nur, um Mate­rial für deine Mon­ta­gen zu haben, oder betreibst du auch „reine“ Foto­gra­fie, mit dem Ziel, eben ein gutes Foto zu schie­ßen, und weni­ger ein Ele­ment für Composings?

Tja, also mein Archiv umfasst zur Zeit schon ca 30.000 Bil­der, da sind natür­lich auch einige dabei, wo ich ein­fach nur ohne Composing-Hintergedanken foto­gra­fiert habe. Aber ich habe auch schon oft Bil­der für Com­po­sings ver­wen­det, von denen ich schon dachte, dass ich sie nie wie­der brau­che. Aber weg­schmei­ßen würde ich sol­che Bil­der nie, denn eines Tages kommt der Moment da sitzt man an einer Arbeit und genau das Bild passt genau da rein… da ist man dann natür­lich dank­bar. Ich habe aller­dings bei Uli Stai­ger auch gelernt, obwohl die Abzüge im digi­ta­len Zeit­al­ter ja nichts mehr kos­ten, sich zuerst das Objekt genau anzu­schauen und sich eine Per­spek­tive aus­zu­su­chen und dann wenige, gut über­legte Bil­der zu machen, statt hun­derte unüberlegter.

Das heißt du hast im Grunde schon eine fer­tige Idee im Kopf und gehst dann erst foto­gra­fie­ren, um die Ele­mente so zu foto­gra­fie­ren, wie du sie brauchst?

Genau. Manch­mal auch ohne Skiz­zen, dann exis­tiert eine Grund­idee aber schon in mei­nem Kopf und ich taste mich dann erst im Work­flow lang­sam an das End­pro­dukt heran. Aber seit ich berufs­tä­tig bin sind doch sehr viele Skiz­zen ent­stan­den, da ein­fach die Zeit nicht mehr da ist, die Ideen so lange im Kopf zu behal­ten, bis man sie umset­zen kann.

Hat­test du denn in dei­ner Aus­bil­dung auch mit der gra­fi­schen Rich­tung (Print­de­sign, Web­de­sign etc) zu tun, oder warst du von Anfang an in die­ser Bildbearbeitungsschiene?

Also mein per­sön­li­cher Schwer­punkt war zwar immer die Bild­be­ar­bei­tung, aber in der Aus­bil­dung ging es natür­lich auch um Logo­de­sign, Typo­gra­fie, Web­de­sign und alles was dazugehört…

Also hast du dich tat­säch­lich rein auf die Bild­be­ar­bei­tung spezialisiert…

Genau, und da will ich eigent­lich auch bleiben.

Thema Online-Communities, Foren etc — bist du dort aktiv, wie stehst du dazu? Stellst du deine Bil­der ins Netz, um Feed­back zu bekommen?

Naja, also in Foren nehme ich sehr viel auf, und ver­su­che manch­mal natür­lich auch etwas zurück­zu­ge­ben, aber das kos­tet eben eine Menge Zeit, die ich lei­der nicht habe. Ich würde da sehr gerne viel mehr machen, aber ich ver­su­che dann in der Zeit lie­ber mal einen aus­führ­li­chen Blog­bei­trag zu schrei­ben oder ein Tuto­rial, das dann über Google gefun­den wer­den kann. Das macht in mei­nen Augen dann mehr Sinn, als viele kurze Bei­träge in den Foren, zumal viele Foren ja lei­der dank irgend­wel­cher Quer­schlä­ger auch sehr anstren­gend sein kön­nen weil es vie­len Usern dort nicht um den Con­tent zu gehen scheint, son­dern um irgend­wel­che Neben­säch­lich­kei­ten. Dafür ist mir die Zeit dann meist zu kostbar.

Das heißt du stellst deine Werke auch nicht wirk­lich online aus, sprich zB bei Devi­ant­Art, Flickr etc?

Also bei Flickr habe ich eine Weile viel gemacht, aber das wurde mir dann irgend­wann auch zu blöd mit dem gan­zen Rum­ge­hample um irgend­wel­che Awards, die keine sind etc… also mitt­ler­weile nutze ich Flickr nur noch um Bil­der hoch­zu­la­den, damit ich bei eBay keine Gebüh­ren zah­len muss wenn ich Bil­der ein­binde, ansons­ten sind da noch ein paar Fami­li­en­bil­der, die aber nicht öffent­lich sind… ansons­ten geht da nichts mehr. Die Foto­com­mu­nity war auch mal ganz gut, da habe ich auch einen Account, habe aber schon ewig nichts mehr dran gemacht… müsste man wohl mal wie­der rein­schauen ;) Ansons­ten eben Twit­ter und Face­book, das war‘s dann aber auch. Ich denke es gibt genug Wege, um mit mir Kon­takt auf­zu­neh­men, man muss auch nicht über­all ver­tre­ten sein.

Wie bil­dest du dich wei­ter? Bücher, DVDs, im Netz?

Ja, viele Sachen suche ich mir natür­lich im Netz zusam­men, wenn ich Fra­gen habe. Prin­zi­pi­ell ver­su­che ich es aber immer erst sel­ber zu schaf­fen und erst wenn ich nicht wei­ter­komme, suche ich im Netz nach Lösun­gen. Aber irgend­wann kommt eben der Punkt, wo man im Netz nichts mehr fin­det, weil die Fra­gen zu spe­zi­ell sind. Da muss man dann eben sel­ber das Wis­sen aus ver­schie­de­nen Tuto­ri­als etc kom­bi­nie­ren, und genau dadurch ent­wi­ckelt sich dann eben auch ein eige­ner Stil, bzw man ent­deckt neue Wege. Oder aber man fragt per­sön­lich bei den Pro­fis nach, mit Marius Schwiegk habe ich zB Kon­takt, er ist da sehr nett und hilfs­be­reit. Das hätte ich so erst­mal auch gar nicht erwar­tet, aber er ist da echt super offen…

Du hast vor­hin schon Uli Stai­ger genannt als dein Vor­bild in Sachen Bild­be­ar­bei­tung, gibt es sonst noch jeman­den, zu dem du bewun­dernd aufschaust?

Ich habs ja grund­sätz­lich nicht so mit Namen ;) Mir blei­ben eher die Bil­der im Gedächt­nis und erst wenn dann zufäl­lig mal das Bild mit dem Namen in Kom­bi­na­tion auf­tritt, dann merke ich mir viel­leicht auch den Namen. Wen ich foto­gra­fisch zum Bei­spiel sehr bewun­dere ist Andreas Gursky. Es gibt wirk­lich unglaub­lich viele gute Port­fo­lios im Netz, aber mir dazu die Namen zu mer­ken, fällt mir echt schwer. Aber drei leute bekomm ich noch zusam­men: Tho­mas Her­brich, Tom Krie­ger, und Kai Uwe Gund­lach.

Dank neuer Fea­tures wie „Content-aware-Fill“ wird Pho­to­shop ja auch für Laien immer ein­fa­cher zu bedie­nen. Siehst du darin ein Pro­blem, hast du Angst, dass der Job des pro­fes­sio­nel­len Bild­be­ar­bei­ters irgend­wann über­flüs­sig sein könnte?

Naja, Pho­to­shop wird ein­fa­cher für Leute, die „mal eben schnell“ was machen wol­len, das stimmt. Aber wenn es um eine pro­fes­sio­nelle Retu­sche zB für die Wer­bung geht, kommt es ja auf die Kom­bi­na­tion ver­schie­de­ner Tools an, man kann ja nicht mit einem Tool das gesamte Bild bear­bei­ten. Und das ist und bleibt eine Sache der Übung, das wird immer so sein.

Thema Inspi­ra­tion — wo lässt du ich inspi­rie­ren wenn du neue Bild­ideen brauchst? Natur, Filme, Bücher, Musik…?

Im Grunde über­all. Die Inspi­ra­tion für das „Und er wür­felt doch“-Bild stammt zum Bei­spiel von einem Einstein-Zitat, der ja ein­fach nur gesagt hat „Gott wür­felt nicht“, da dachte ich mir ein­fach, das wider­legst du ein­fach mal visu­ell und zeigst, dass Gott doch wür­felt… so ist das ent­stan­den. Die Inspi­ra­tion für das Bild mit dem zer­stör­ten Bran­den­bur­ger Tor habe ich aus einer Spiegel-Doku geholt, das ist wirk­lich bunt gemischt. Kann zum Bei­spiel auch ein Buch sein… im Grunde inspi­riert mich das ganze Leben.

Eine Frage zu dei­ner beruf­li­chen Zukunft — was hast du vor bzw wo siehst du dich in 10 Jahren?

Also zuerst hoffe ich natür­lich, dass es bei Out To Focus gut wei­ter­läuft und ich dort wei­ter als fes­ter Bild­be­ar­bei­ter arbei­ten kann, dass wir wei­ter­hin genug gute Auf­träge bekom­men. Irgend­wann wird dann viel­leicht in 10, 15 Jah­ren auch die Selb­stän­dig­keit kom­men, denke ich mal, das ist dann halt eine Sache der Erfahrung.

Aber du willst wei­ter­hin in dei­ner jet­zi­gen Rich­tung blei­ben, also die pro­fes­sio­nelle Bildbearbeitung?

Genau, das ist mein Ding und da möchte ich auch bleiben.

Man liest ja zum Bei­spiel in Foren immer wie­der von jun­gen Leu­ten die gerne pro­fes­sio­nelle Bild­be­ar­bei­ter wer­den wol­len, aber nicht so recht wis­sen, wie sie da hin kom­men sol­len. Was wür­dest du jeman­dem emp­feh­len, der dei­nen Weg ein­schla­gen möchte, aber noch nicht so recht weiß, wie er das am bes­ten anpackt?

Naja, es gibt ja da jetzt die­ses Abo bei video2brain … ;) Das ist sicher schon mal ein guter Anfang, und dann heißt es ein­fach nur pro­bie­ren, pro­bie­ren, pro­bie­ren und sei­nen Vor­bil­dern nach­ei­fern. Erst­mal ganz viel nach­ma­chen, ohne das zu ver­öf­fent­li­chen, ein­fach nur für sich zum Üben. Dann natür­lich eigene Bil­der in Com­mu­nities etc ver­öf­fent­li­chen um Feed­back zu bekom­men und ruhig auch mit den­je­ni­gen, denen man nach­ei­fert, direkt in Kon­takt tre­ten, die ant­wor­ten gene­rell fast alle, wenn man ihnen eine Email schickt. Da sollte man echt keine Angst haben, die Leute sind meist super nett und hilfs­be­reit. Wich­tig ist auch, dass man nicht auf­gibt, wenn man mal harte Kri­tik bekommt. Daran schei­tern ver­mut­lich die meis­ten, aber wenn dir jemand sagt „das ist schlecht“, dann heißt das nicht „hör auf damit“, son­dern das heißt „mach wei­ter!“. Wenn man dran bleibt und übt, wer­den auch die Bil­der besser.

Thors­ten, vie­len Dank für deine Zeit und deine Offenheit!

Habt ihr Fra­gen an Thors­ten? Feed­back zu sei­nen Arbei­ten? Mel­det euch in den Kom­men­ta­ren, Thors­ten steht euch gerne Rede und Antwort!

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5 Kommentare

20. Juni 2010 20:38

Andreas Haase

Ach du bist das! :c) Wun­der­bare Arbei­ten! Mach wei­ter so!

22. Juni 2010 14:09

Davis Tox

Sehr Inter­es­sant… wie­der ein­mal ein tol­les interview…

Und sehr geniale Bil­der! wei­ter so…

Lg der Tox

23. Juni 2010 18:10

Annett-G

Nach dem Ser­ver­crash kote ich heute end­lich das Inter­view lesen.
Die Bil­der kenne ich, hätte aber auch kei­nen Namen dazu gewusst. Schön, mehr über den Künst­ler zu erfahren.

12. Juli 2010 15:41

Nerd Alert — Wenn die Pho­to­shopf­reaks sich tref­fen | Sie­ben und Achtzig

[…] Ins Leben geru­fen wurde der BPST von Thors­ten Thees (lange Zeit Assis­tent von Uli Stai­ger, hier ein Inter­view mit ihm), Jean­nette Woit­zik (bes­ser bekannt als Schnette, hier das […]

16. September 2010 16:46

Die Tricks der Pho­to­shop Pro­fis « Thors­ten Thees

[…] Award letz­tes Jahr gewon­nen habe. Ist schon komisch vor nicht allzu lan­ger Zeit habe ich in einem Inter­view auf 87 erwähnt das in Sachen Video­trai­ning noch nix in Pla­nung ist und ich erst noch mehr rotiene […]

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