20 Jun 2010, Geschrieben von Peter Rudolph in Sieben und Artists, 5 Kommentare
Sieben und Artists #3: Thorsten Thees
In der Serie „Sieben und Artists“ wollen wir euch in loser Folge Künstler vorstellen. Seien es Fotografen, Bildbearbeiter oder Grafiker, national oder international, jung oder alt — wichtig ist uns dabei nicht der Bekanntheitsgrad, sondern vielmehr Sympathie, frische Kreativität und das „Gewisse etwas“. In lockerer Interviewform versuchen wir, ein aussagekräftiges Gesamtbild der vorgestellten Person entstehen zu lassen, ohne dabei stupide die immerselben Fragen zu stellen. Wenn ihr selbst einen Pixelvirtuosen kennt, der es eurer Meinung nach verdient hätte, hier vorgestellt zu werden, könnt ihr sehr gerne eure Vorschläge einreichen.
Für die 3. Folge unserer „Sieben und Artists“-Reihe konnten wir Thorsten Thees gewinnen. Wem der Name noch kein Begriff ist: Thorsten war lange Zeit der Assistent der Composing-Größe Uli Staiger. Seit einigen Monaten startet er richtig durch: Im letzten Jahr hat er den Docma-Award gewonnen und seit Anfang des Jahres arbeitet er als professioneller Retuscheur bei Out to Focus — die neben ihren eigenen Arbeiten auch Aufträge von anderen Agenturen und Fotografen bearbeiten. Wir haben Thorsten in Berlin getroffen und in zu seinem Werdegang befragt — eine äußerst interessante Lektüre nicht nur für diejenigen, die eine ähnliche Karriere einschlagen wollen wie er. Das Interview ist recht umfangreich geworden, wir haben aber bewusst nicht gekürzt, da alle Infos sehr lesenswert sind. Also macht euch einen großen Pott Kaffee, machts euch bequem und lest, was Thorsten uns zu sagen hatte. Viel Spaß! :)
Hi Thorsten, vielen Dank, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast. Vielleicht stellst du dich unseren Lesern einfach noch einmal kurz vor?
Ja klar. Mein Name ist Thorsten Thees, ich habe eine Ausbildung zum Mediendesigner für Print– und Digitalmedien hinter mir und bin schon seit, öhm, mittlerweile bestimmt über 10 Jahren mit Bildbearbeitung beschäftigt…
Kommst du direkt aus Berlin?
Ja, ich komme aus Berlin, in Tempelhof geboren, und wohne jetzt in Spandau mit Frau und Kind. Tja, und seit Januar arbeite ich nun bei Out To Focus, das sind zwei Autofotografen, da dreht sich tatsächlich alles ums Auto, und ich mache dort die Postproduction…
…alleine?
Alleine momentan, ja. Ich hoffe natürlich, dass der Laden gut blüht, und sehe da momentan auch nichts, was uns daran hindern sollte, wir haben viele gute Aufträge zur Zeit.
Und du bist zufrieden da? Macht‘s Spaß?
Ja, macht auf jeden Fall eine Menge Spaß, ist super da. Ist natürlich auch anstrengend, einen neuen Stil zu finden, aber das gehört dazu.
Wie hast du denn angefangen mit der Bildbearbeitung generell? Hast du einfach nur wild rumprobiert, oder wie fing alles an?
Also wirklich angefangen hat es wohl, als ich damals ein Rennspiel am Computer gespielt habe und unbedingt meinen eigenen Wagen für das Spiel haben wollte, mit eigenen Texturen etc. Ich habe dann tatsächlich den Ordner mit den Texturen gefunden, habe die mit Paint geöffnet und habe ein paar Pixel dazugemalt und dachte mir — irgendwie muss es da doch was Besseres geben! Und tja, so habe ich dann Photoshop entdeckt…
Das ist dann vermutlich schon ein paar Jährchen her, oder?
Ja, das ist definitiv schon ein paar Jahre her, ich kann auch nicht mehr genau sagen, mit welcher Version das angefangen hat, aber es ist schon lange her.
Und seitdem bist du Photoshop treu geblieben, oder hast du zwischendurch noch andere Programme verwendet?
Naja, ich habe schon vieles anderes ausprobiert, CorelDraw zum Beispiel und solche Sachen, aber ich bin einfach immer wieder zu Photoshop zurückgekehrt, weil es halt einfach das beste Programm ist.
Und wie hast du dich dann weiterentwickelt — selber weiter rumgetestet, oder auch irgendwelche Schulungen oder Workshops besucht, DVDs?
Also extrem viel habe ich in der Ausbildung gelernt, weil ohne Grundkenntnisse, die einem dort beigebracht werden, was Bildwirkung und Blickführung angeht oder Kontrast– und Formwirkung, geht es einfach nicht, da können keine guten Bilder dabei rauskommen, wenn man sich diese Grandlagen nicht aneignet. Da habe ich tatsächlich das meiste gelernt und dann, was mich technisch weiter gebracht, hat waren die video2brain Tutorials wie von Uli Staiger natürlich oder auch Calvin Hollywood, bei Calvin allerdings nicht so viel, sondern eher wirklich bei Uli Staiger, der ja auch mein Vorbild war während der Ausbildung, und es auch in vielen Bereichen immer noch ist. Bei ihm habe ich ja dann glücklicherweise auch ein Praktikum bekommen, zwei Mal sogar…
Ach zweimal gleich? Wie bist du denn dazu gekommen — habt ihr euch vorher schon gekannt, oder bist du da einfach auf ihn zugegangen?
Gekannt gar nicht. Ich habe eben das video2brain Tutorial gehabt, hab mir die Einleitung angeschaut, wo Uli sich selber vorstellt und erzählt, dass er ein Studio in Berlin hat, „Die Lichtgestalten“, da dachte ich mir: Was, Berlin? Cool, musste mal hingehen. Ich bin dann am nächsten Tag direkt hingegangen und hab einfach geklingelt, ohne Mappe ohne gar nichts, einfach nur „Ich bin da“. Er war grade auf dem Sprung, musste wohl los oder hatte einen Auftrag, und hat aber trotzdem einen Termin mit mir vereinbart in der darauf folgenden Woche. Da sollte ich dann natürlich auch ein paar Bilder mitbringen, hab ich dann auch gemacht, haben ihn anscheinend auch gefallen, und dann hat er mich genommen. Erstmal 3 Monate…
Und das war vor deiner Ausbildung oder danach?
Das war während der Ausbildung, also ein Praktikum parallel zur Ausbildung. Nach einem halben Jahr war dann die Prüfung, die ich leider nicht geschafft habe, so dass ich die Zeit bis zum zweiten Versuch überbrücken musste, also hab ich noch ein zweites Praktikum bei ihm gemacht.
Wie lang warst du dann insgesamt bei ihm?
7–8 Monate waren es bestimmt.
Je nach dem wie viel du davon erzählen darfst — wie sah so der Arbeitsalltag mit Uli aus? Warst du da nur bei den Projekten beteiligt, die man auch öffentlich kennt, also seinen freien Arbeiten, oder auch bei Auftragsarbeiten etc?
Auch bei Aufträgen, da ich aber nicht weiß wie viel davon veröffentlich werden darf, sage ich lieber nichts. Ansonsten halt assistiert bei den Aufträgen, Objektivwechsel, Licht einstellen etc…
Also wirklich von der Fotografie bis zum fertig bearbeiteten Bild inklusive 3D etc?
Genau, 3D-Zeugs dann auch, da haben wir uns super ergänzt, weil ich da anfangs sogar etwas fixer war als er, das hat sich dann aber schnell ausgeglichen, da wir uns gegenseitig Tipps gegeben haben und jeder hat halt rumprobiert und gemacht und getan — da haben wir uns also super ergänzt.
Deine 3D-Kenntnisse hast du dir dann anfangs auch selbst beigebracht?
Die habe ich mir auch selber beigebracht, ja. Das ist natürlich ein harter Kampf am Anfang, da braucht man sehr viel Geduld.
Der Uli ist privat und im Arbeitsalltag vermutlich genau so locker und sympathisch wie man ihn von seinen DVDs und Events wie der Tion kennt, oder?
Ja, klar, der ist super. Super sympathisch und ein prima Kontakt, auf jeden Fall.
Und ihr seid auch immer noch regelmäßig in Kontakt und tauscht euch aus?
Ja, so gut es geht. Seit ich halt die Arbeit bei Out To Focus angefangen habe, hab ich halt sehr viel weniger Zeit, ich will immer wieder vorbeigehen aber schaffs dann oft aus Zeitgründen doch nicht.
Nochmal zurück zu deiner Ausbildung — Mediendesigner, ist das das selbe wie der bekanntere Mediengestalter?
Ja, das ist im Prinzip das selbe. Aber Designer hört sich halt besser an ;)
Und du würdest auch sagen, dass dir die Ausbildung für deinen heutigen Job etwas gebracht hat ja? Denn gerade vom Ausbildungsgang Mediengestaltung hört man ja doch oft eher gespaltene Meinungen…
Also da es bei mir eine schulische Ausbildung war, wurden wir durchgehend von Dozenten betreut, es war also keine reale Firma in dem Sinne, sondern wir wurden eben von Dozenten unterrichtet und dort gingen dann eben alle Programme durch: Photoshop, Illustrator, After Effects, Flash, Dreamweaver, natürlich auch HTML & CSS etc…
Das heißt bei euch gab es nicht die klassische Aufteilung von Berufsschule und Arbeit im Ausbildungsbetrieb?
Nein. Wir hatten zwar auch Berufsschule, wurden aber hauptsächlich eben von engagierten Dozenten oder auch Freelancern aus der Praxis unterrichtet, und haben dabei eine Menge gelernt.
Nochmal zu deinem jetzigen Arbeitsplatz — dort geht es tatsächlich nur um Autofotografie und die dazugehörige Retusche, richtig?
Genau, ja. Das Endprodukt ist dann letztens Endes für die Werbung bestimmt, das ist natürlich auch unser großes Ziel. Da haben wir auch schon einen guten Ansatz mit dem Porsche Cayenne, wofür wir die Backplates gemacht haben, also die Hintergründe. Dafür gab es bereits sehr gutes Feedback.
Und das ist eine kleine Agentur, oder wie muss man sich euren Betrieb vorstellen?
Eine Agentur nicht direkt, es sind die beiden Fotografen Martin Grega und David Breun, und ich für die Postproduction. Ich habe eben meinen Mac dort stehen und retuschiere ;)
Wie bist du an die Stelle dort gekommen? Kanntest du einen der Fotografen?
Ursprünglich durch einen Dozenten, der hat sein Büro direkt dort neben Out To Focus und hat mich dann den beiden vorgestellt. Ich hatte ein Vorstellungsgespräch und bin dann auch gleich in den ersten Job reingerutscht. Anfangs habe ich noch von zu Hause aus gearbeitet bis die Ausbildung vorbei war und bin dann eben fest angestellt worden.
Bei der Arbeit hantierst du dann vermutlich auch mit 3D?
Noch nicht, momentan ist es wirklich nur Photoshop mit realen Automotiven. Es geht also ungefähr in die Richtung von Marius Schwiegks Arbeit, ich bin im Grunde auf dem Weg eine Mischung aus Marius Schwiegk und Uli Staiger zu werden, jedenfalls hoffe ich das ;)
Und wann kommt deine erste DVD raus? ;)
Ohje, die ist noch nicht in Planung, es hat mich auch noch niemand angesprochen. Aber das dauert auch alles noch ein bisschen, da muss noch ein bisschen mehr Routine bei mir reinkommen…
Aber von den Photoshop-Techniken her, kannst du da das anwenden, was du früher schon verwendet hast oder setzt der Job komplett andere Techniken voraus? Marius Schwiegk zum Beispiel arbeitet ja fast nur mit der Kombination verschiedener Grundtechniken, die für sich genommen nicht sonderlich kompliziert sind…
Genau, die Grundtechniken sind überall gleich. Es kommt halt immer auf das Motiv an, welche Vorgaben man hat und wie man das Motiv am besten rausmodulieren kann. Man will natürlich, dass das Auto auch schön glänzend rüberkommt und der Lack auch tatsächlich wie Lack aussieht und nicht wie Plastik oder so.
Und diesbezüglich kriegt ihr genaue Vorgaben vom Kunden oder kannst du da ein Stück weit auch selber kreativ werden?
Das ist natürlich von Kunde zu Kunde unterschiedlich. Manche geben einem viel vor, dass das Motiv zum Beispiel natürlich aussehen soll, andere wollen es schon richtig geil haben, andere haben gar keine Vorgaben und sagen „Macht mal!“… und die „Macht mal!“ sind natürlich die beliebtesten ;)
Wie lang sitzt du denn im Durchschnitt an solch einer Autoretusche?
Das schwankt natürlich stark, aber durchschnittlich… das kann zwischen einem Tag und einer ganzen Woche sein. Kommt ganz auf den Schwierigkeitsgrad an bzw auf das Ziel des Projekts.
So, auf meiner Liste steht noch dein Sieg beim Docma Award letztes Jahr — herzlichen Glückwunsch nochmal dazu!
Genau, dankeschön!
Kannst du dazu noch ein bisschen was erzählen? Wie bist du auf die Idee gekommen, da mitzumachen, wie lief das ab?
Also mitmachen wollte ich ja schon im vorigen Jahr (2008), da hatte ich auch schon 3 Motive fertig, bloß hab ich blöderweise die Deadline verpasst. Da hab ich mir dann gedacht, beim nächsten musst du definitiv mitmachen, ganz egal was da kommt. Da kam dann ne ganze Menge, da war die Prüfung, da kam alles auf einmal, war der totale Stress. Jedenfalls hatte ich dann ein Motiv fertig, die Laterne mit dem Knoten darin, und eine Ausgabe vor dem Abgabetermin hat dann Doc Baumann einen Artikel geschrieben, wie man einen Knoten in ein Windrad macht… Tja, da musste dann auf die Schnelle eine neue Idee her, habe dann mein Archiv durchstöbert und bin dann auf die Telefonzellen vor dem Hauptbahnhof gestoßen. Die habe ich dann nochmal fotografiert und habe ein 3D-Objekt reingebastelt. Ich hätte eigentlich nicht gedacht, dass ich damit Erfolg haben würde, in keinster Weise, hab es dann aber doch irgendwie geschafft.
Du warst dann auch direkt in Frankfurt auf der Preisverleihung…
Genau, die war allerdings erst wesentlich später. Bekannt waren die Gewinner schon im letzten Sommer, da das aber alles noch mit dem Museum abgeklärt werden musste, wo die Werke dann ausgestellt wurden, hat sich das alles noch etwas hingezogen.
Und dort hast du auch Doc Baumann, den Herausgeber der Docma, persönlich kennengelernt…
Genau, wir haben ein paar Worte gewechselt, er ist auch ein sehr netter Mensch. Leider war die Zeit dort etwas knapp, man hätte sich noch mehr Austausch gewünscht.
Gab es denn auch Austausch zwischen den verschiedenen Teilnehmern bzw Preisträgern?
So viele Teilnehmer waren leider gar nicht da, weil ja da dieser blöde Vulkan ausgebrochen ist, und ich habs selber ja auch nur ganz knapp geschafft. Ich wollte eigentlich auch fliegen, bin dann aber mit der Bahn gefahren, aber das ist eine andere Geschichte… das war ganz schön zum Kotzen. Dementsprechend war also leider nicht so viel Austausch möglich, aber am Ende konnte ich vielen anderen dann während der Ausstellung doch noch das eine oder andere erklären und ein paar Fragen beantworten. Danach ging dann auch schon bald wieder zurück — wieder mit der Bahn…
Machst du denn öfter bei solchen Wettbewerben mit oder war das gleich ein Volltreffer beim ersten Versuch?
Nein, ich habe bereits beim Fotohits Wettbewerb teilgenommen anfang letzten Jahres, da ging es um Montagen, da habe ich auch gewonnen mit dem Würfelbild („Und er würfelt doch“). Da das der erste Wettbewerb war wo ich mitgemacht und gleich gewonnen habe, hat es mich dann gepackt und wollte dann natürlich mehr erreichen :)
Hast du denn nach dem Docma Award konkrete Auswirkungen gespürt? Mehr Feedback, neue Kontakte, mehr Anfragen oder war das mehr ein persönlicher Erfolg ohne konkrete Folgen?
Zuallererst natürlich als persönlichen Erfolg. Da das Motiv an sich ja jetzt nicht sonderlich aufregend war, kam bisher nicht besonders viel Feedback abseits des Awards, abgesehen natürlich von Zuschriften bei Facebook oder auf meinen Blog. Und natürlich Freunde und Verwandte, da sind alle glücklich und happy, aber so wirkliches Feedback in Form von Artikelanfragen etc kam leider bislang kaum.
Das kann ja noch werden. Aber nochmal zu deinen freien Arbeiten, zu deinen Composings. Wie ich auf deinem Blog gelesen habe, fotografierst du deine Bildelemente komplett selber. Mit Stockbildern hast du also gar nichts am Hut?
Nein, ich finde Stockbilder hindern mich irgendwie daran mich zu entfalten und blockieren in gewisser Weise die Kreativität. Wenn man selber fotografiert, dann ist das wirklich zu 100% „ich“, ich kann das Material genau so fotografieren, wie ich es brauche. Ansonsten sind es halt einfach fremde Arbeiten die da mit eingearbeitet sind und ich finde man kann dann am Ende nicht wirklich sagen „das ist von mir“, weil in den Stockfotos ja immer auch ein Stück der jeweiligen Fotografen steckt.
Und Objekte, die du nicht selbst fotografieren kannst, die erstellt du dann in 3D?
Ja, im Grunde schon. Wenn sich der Aufwand lohnt, natürlich.
Und wenn 3d, mit welchen Programmen arbeitest du da? Cinema?
Genau, in der Regel mit Cinema 4D. An 3ds Max habe ich mich noch nicht herangetraut und an Maya erst recht nicht. Aber Cinama ist wirklich super intuitiv wenn man sich einmal eingearbeitet hat und es gibt eben super viele Foren zu dem Programm mit unglaublich guten Leuten.
Wenn du fotografierst… dann nur, um Material für deine Montagen zu haben, oder betreibst du auch „reine“ Fotografie, mit dem Ziel, eben ein gutes Foto zu schießen, und weniger ein Element für Composings?
Tja, also mein Archiv umfasst zur Zeit schon ca 30.000 Bilder, da sind natürlich auch einige dabei, wo ich einfach nur ohne Composing-Hintergedanken fotografiert habe. Aber ich habe auch schon oft Bilder für Composings verwendet, von denen ich schon dachte, dass ich sie nie wieder brauche. Aber wegschmeißen würde ich solche Bilder nie, denn eines Tages kommt der Moment da sitzt man an einer Arbeit und genau das Bild passt genau da rein… da ist man dann natürlich dankbar. Ich habe allerdings bei Uli Staiger auch gelernt, obwohl die Abzüge im digitalen Zeitalter ja nichts mehr kosten, sich zuerst das Objekt genau anzuschauen und sich eine Perspektive auszusuchen und dann wenige, gut überlegte Bilder zu machen, statt hunderte unüberlegter.
Das heißt du hast im Grunde schon eine fertige Idee im Kopf und gehst dann erst fotografieren, um die Elemente so zu fotografieren, wie du sie brauchst?
Genau. Manchmal auch ohne Skizzen, dann existiert eine Grundidee aber schon in meinem Kopf und ich taste mich dann erst im Workflow langsam an das Endprodukt heran. Aber seit ich berufstätig bin sind doch sehr viele Skizzen entstanden, da einfach die Zeit nicht mehr da ist, die Ideen so lange im Kopf zu behalten, bis man sie umsetzen kann.
Hattest du denn in deiner Ausbildung auch mit der grafischen Richtung (Printdesign, Webdesign etc) zu tun, oder warst du von Anfang an in dieser Bildbearbeitungsschiene?
Also mein persönlicher Schwerpunkt war zwar immer die Bildbearbeitung, aber in der Ausbildung ging es natürlich auch um Logodesign, Typografie, Webdesign und alles was dazugehört…
Also hast du dich tatsächlich rein auf die Bildbearbeitung spezialisiert…
Genau, und da will ich eigentlich auch bleiben.
Thema Online-Communities, Foren etc — bist du dort aktiv, wie stehst du dazu? Stellst du deine Bilder ins Netz, um Feedback zu bekommen?
Naja, also in Foren nehme ich sehr viel auf, und versuche manchmal natürlich auch etwas zurückzugeben, aber das kostet eben eine Menge Zeit, die ich leider nicht habe. Ich würde da sehr gerne viel mehr machen, aber ich versuche dann in der Zeit lieber mal einen ausführlichen Blogbeitrag zu schreiben oder ein Tutorial, das dann über Google gefunden werden kann. Das macht in meinen Augen dann mehr Sinn, als viele kurze Beiträge in den Foren, zumal viele Foren ja leider dank irgendwelcher Querschläger auch sehr anstrengend sein können weil es vielen Usern dort nicht um den Content zu gehen scheint, sondern um irgendwelche Nebensächlichkeiten. Dafür ist mir die Zeit dann meist zu kostbar.
Das heißt du stellst deine Werke auch nicht wirklich online aus, sprich zB bei DeviantArt, Flickr etc?
Also bei Flickr habe ich eine Weile viel gemacht, aber das wurde mir dann irgendwann auch zu blöd mit dem ganzen Rumgehample um irgendwelche Awards, die keine sind etc… also mittlerweile nutze ich Flickr nur noch um Bilder hochzuladen, damit ich bei eBay keine Gebühren zahlen muss wenn ich Bilder einbinde, ansonsten sind da noch ein paar Familienbilder, die aber nicht öffentlich sind… ansonsten geht da nichts mehr. Die Fotocommunity war auch mal ganz gut, da habe ich auch einen Account, habe aber schon ewig nichts mehr dran gemacht… müsste man wohl mal wieder reinschauen ;) Ansonsten eben Twitter und Facebook, das war‘s dann aber auch. Ich denke es gibt genug Wege, um mit mir Kontakt aufzunehmen, man muss auch nicht überall vertreten sein.
Wie bildest du dich weiter? Bücher, DVDs, im Netz?
Ja, viele Sachen suche ich mir natürlich im Netz zusammen, wenn ich Fragen habe. Prinzipiell versuche ich es aber immer erst selber zu schaffen und erst wenn ich nicht weiterkomme, suche ich im Netz nach Lösungen. Aber irgendwann kommt eben der Punkt, wo man im Netz nichts mehr findet, weil die Fragen zu speziell sind. Da muss man dann eben selber das Wissen aus verschiedenen Tutorials etc kombinieren, und genau dadurch entwickelt sich dann eben auch ein eigener Stil, bzw man entdeckt neue Wege. Oder aber man fragt persönlich bei den Profis nach, mit Marius Schwiegk habe ich zB Kontakt, er ist da sehr nett und hilfsbereit. Das hätte ich so erstmal auch gar nicht erwartet, aber er ist da echt super offen…
Du hast vorhin schon Uli Staiger genannt als dein Vorbild in Sachen Bildbearbeitung, gibt es sonst noch jemanden, zu dem du bewundernd aufschaust?
Ich habs ja grundsätzlich nicht so mit Namen ;) Mir bleiben eher die Bilder im Gedächtnis und erst wenn dann zufällig mal das Bild mit dem Namen in Kombination auftritt, dann merke ich mir vielleicht auch den Namen. Wen ich fotografisch zum Beispiel sehr bewundere ist Andreas Gursky. Es gibt wirklich unglaublich viele gute Portfolios im Netz, aber mir dazu die Namen zu merken, fällt mir echt schwer. Aber drei leute bekomm ich noch zusammen: Thomas Herbrich, Tom Krieger, und Kai Uwe Gundlach.
Dank neuer Features wie „Content-aware-Fill“ wird Photoshop ja auch für Laien immer einfacher zu bedienen. Siehst du darin ein Problem, hast du Angst, dass der Job des professionellen Bildbearbeiters irgendwann überflüssig sein könnte?
Naja, Photoshop wird einfacher für Leute, die „mal eben schnell“ was machen wollen, das stimmt. Aber wenn es um eine professionelle Retusche zB für die Werbung geht, kommt es ja auf die Kombination verschiedener Tools an, man kann ja nicht mit einem Tool das gesamte Bild bearbeiten. Und das ist und bleibt eine Sache der Übung, das wird immer so sein.
Thema Inspiration — wo lässt du ich inspirieren wenn du neue Bildideen brauchst? Natur, Filme, Bücher, Musik…?
Im Grunde überall. Die Inspiration für das „Und er würfelt doch“-Bild stammt zum Beispiel von einem Einstein-Zitat, der ja einfach nur gesagt hat „Gott würfelt nicht“, da dachte ich mir einfach, das widerlegst du einfach mal visuell und zeigst, dass Gott doch würfelt… so ist das entstanden. Die Inspiration für das Bild mit dem zerstörten Brandenburger Tor habe ich aus einer Spiegel-Doku geholt, das ist wirklich bunt gemischt. Kann zum Beispiel auch ein Buch sein… im Grunde inspiriert mich das ganze Leben.
Eine Frage zu deiner beruflichen Zukunft — was hast du vor bzw wo siehst du dich in 10 Jahren?
Also zuerst hoffe ich natürlich, dass es bei Out To Focus gut weiterläuft und ich dort weiter als fester Bildbearbeiter arbeiten kann, dass wir weiterhin genug gute Aufträge bekommen. Irgendwann wird dann vielleicht in 10, 15 Jahren auch die Selbständigkeit kommen, denke ich mal, das ist dann halt eine Sache der Erfahrung.
Aber du willst weiterhin in deiner jetzigen Richtung bleiben, also die professionelle Bildbearbeitung?
Genau, das ist mein Ding und da möchte ich auch bleiben.
Man liest ja zum Beispiel in Foren immer wieder von jungen Leuten die gerne professionelle Bildbearbeiter werden wollen, aber nicht so recht wissen, wie sie da hin kommen sollen. Was würdest du jemandem empfehlen, der deinen Weg einschlagen möchte, aber noch nicht so recht weiß, wie er das am besten anpackt?
Naja, es gibt ja da jetzt dieses Abo bei video2brain … ;) Das ist sicher schon mal ein guter Anfang, und dann heißt es einfach nur probieren, probieren, probieren und seinen Vorbildern nacheifern. Erstmal ganz viel nachmachen, ohne das zu veröffentlichen, einfach nur für sich zum Üben. Dann natürlich eigene Bilder in Communities etc veröffentlichen um Feedback zu bekommen und ruhig auch mit denjenigen, denen man nacheifert, direkt in Kontakt treten, die antworten generell fast alle, wenn man ihnen eine Email schickt. Da sollte man echt keine Angst haben, die Leute sind meist super nett und hilfsbereit. Wichtig ist auch, dass man nicht aufgibt, wenn man mal harte Kritik bekommt. Daran scheitern vermutlich die meisten, aber wenn dir jemand sagt „das ist schlecht“, dann heißt das nicht „hör auf damit“, sondern das heißt „mach weiter!“. Wenn man dran bleibt und übt, werden auch die Bilder besser.
Thorsten, vielen Dank für deine Zeit und deine Offenheit!
Habt ihr Fragen an Thorsten? Feedback zu seinen Arbeiten? Meldet euch in den Kommentaren, Thorsten steht euch gerne Rede und Antwort!



























5 Kommentare
20. Juni 2010 20:38
Andreas Haase @haaseart
Ach du bist das! :c) Wunderbare Arbeiten! Mach weiter so!
22. Juni 2010 14:09
Davis Tox @DavisTox
Sehr Interessant… wieder einmal ein tolles interview…
Und sehr geniale Bilder! weiter so…
Lg der Tox
23. Juni 2010 18:10
Annett-G @CastagnaBLN
Nach dem Servercrash kote ich heute endlich das Interview lesen.
Die Bilder kenne ich, hätte aber auch keinen Namen dazu gewusst. Schön, mehr über den Künstler zu erfahren.
12. Juli 2010 15:41
Nerd Alert — Wenn die Photoshopfreaks sich treffen | Sieben und Achtzig
[…] Ins Leben gerufen wurde der BPST von Thorsten Thees (lange Zeit Assistent von Uli Staiger, hier ein Interview mit ihm), Jeannette Woitzik (besser bekannt als Schnette, hier das […]
16. September 2010 16:46
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