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Fontsize 3436 pt: Das Buchstabenmuseum

13 Jun 2010, Geschrieben von Sieben in Typografie,Vor Ort, 8 Kommentare

Fontsize 3436 pt: Das Buchstabenmuseum


Fällt das Wort Typo­gra­fie, so bewe­gen sich unsere ers­ten Gedan­ken dazu meist um die beschei­de­nen Schrift­grö­ßen, die wir aus ver­schie­de­nen Print– und Online­me­dien gewohnt sind. Auch ist Typo­gra­fie in unse­rer Vor­stel­lung zunächst meist etwas zwei­di­men­sio­na­les: Flach gedruckte Buch­sta­ben auf einem fla­chen Medium — für den Laien nicht wei­ter auf­re­gend, für den Typo-Fan bereits Anlass zur Freude (oder auch zum ent­setz­ten Abwen­den). Aber ist das wirk­lich schon alles, was Typo­gra­fie kann? Was ist eigent­lich mit der rich­tig gro­ßen Typo­gra­fie, was ist mit Leucht­re­kla­men, Schil­dern und Fassadenbeschriftungen?

Das Buch­sta­ben­mu­seum in Ber­lin hat es sich zur Auf­gabe gemacht, genau sol­che Bei­spiele von im städ­ti­schen Raum sicht­ba­rer Typo­gra­fie zu sam­meln, zu doku­men­tie­ren und zu bewah­ren. Sie­ben und Acht­zig war für euch vor Ort, um einen Blick auf die Samm­lung zu wer­fen und davon zu berich­ten — und natür­lich gibts auch ein paar Bil­der davon.

Es ist ein Sams­tag Mit­tag mit­ten im Juni, und in Ber­lin hat gerade das Buch­sta­ben­mu­seum zum vor­erst letz­ten Mal seine Pfor­ten geöff­net. Zum letz­ten Mal? Ja, so sieht es momen­tan lei­der aus, da die Aus­stel­lung ihren aktu­el­len Stand­ort ver­las­sen muss und ein neuer der­zeit noch nicht gefun­den ist. Nach Anga­ben der Betrei­ber habe man der­zeit aber ver­schie­dene Aus­weich­quar­tiere in Aus­sicht und sei opti­mis­tisch, die Expo­nate bald in neuen Räum­lich­kei­ten ange­mes­sen prä­sen­tie­ren zu können.

Man muss ein biss­chen genauer hin­schauen, bis man das Buch­sta­ben­mu­seum gefun­den hat. Es liegt am Spit­tel­markt in Ber­lin Mitte zwar sehr zen­tral, der Ein­gang ver­birgt sich aber in einem schma­len Durch­gang zwi­schen einer Bau­stelle und einem Hoch­haus — hof­fen wir, dass mit den neuen Räum­lich­kei­ten auch eine bes­sere Beschil­de­rung hin­zu­kommt :) Wenn man die Loca­tion aber erst­mal gefun­den hat, besteht kein Zwei­fel mehr, dass man hier rich­tig ist: Bereits in den Schau­fens­tern sieht man über­di­men­sio­nale Buch­sta­ben und das Herz des Typo-Fans beginnt höher zu schlagen.

Drin­nen dann erwar­tet einen — neben ein paar super net­ten Leu­ten, die gerne Rede und Ant­wort zur Her­kunft der ein­zel­nen Expo­nate ste­hen — ein wah­rer Wald an Buch­sta­ben: Vom „klei­nen“ 30cm-Buchstaben bis hin zum manns­ho­hen Pracht­ex­em­plar ist alles dabei. Auch in Bezug auf Form und Farbe ist alles ver­tre­ten: Blanke alu­mi­ni­um­far­bene Seri­fen­lose, ver­spielte bunte Seri­fen inklu­sive Leucht­stoff­röh­ren und geschwun­gene Schreib­schrif­ten, wie man sie heute im öffent­li­chen Raum nur noch sehr sel­ten fin­det. Das Ganze ver­teilt sich über zwei für die Masse an Buch­sta­ben lei­der viel zu kleine Räume, nur wenige Expo­nate sind in ihrer vol­len Pracht sicht­bar, vie­les steht oder liegt dicht gesta­pelt an den Wän­den. Vie­les würde man gerne aus der Nähe bewun­dern, nur lei­der kommt man ein­fach nicht nah genug, da der Weg ver­stellt ist. Es ist eben, wie schon die der­zei­tige Bezeich­nung „Schau­de­pot“ ver­rät, mehr eine Art öffent­li­ches Zwi­schen­la­ger, als eine wirk­li­che Ausstellung.

Die meis­ten Aus­stel­lungs­stü­cke sind Ein­zel­buch­sta­ben, man­che bil­den aber auch Wort­frag­mente oder — sel­ten — kom­plette Wör­ter, meist Fir­men­na­men. An vie­len Exem­pla­ren hat der Zahn der Zeit bereits ordent­lich genagt, das Ganze hat dadurch einen ange­nehm rus­ti­ka­len Charme. Einige Expo­nate, wie etwa der gute alte „Hertie“-Schriftzug, wir­ken wie Relikte aus einer ande­ren Zeit, sind sie doch seit Jah­ren kom­plett aus dem Stra­ßen­bild ver­schwun­den. Als Inter­es­sante Zusatz­info gibt es zu vie­len Aus­stel­lungs­stü­cken detail­lierte Anga­ben über die Her­kunft inklu­sive Ver­wen­dungs­zweck, ver­wen­de­ter Schrift­art und Jah­res­zahl — Schrift­ge­schichte zum buch­stäb­li­chen (!!) Anfassen.

Alles in allem sind die Expo­nate des Buch­sta­ben­mu­se­ums bereits an ihrem momen­ta­nen, pro­vi­so­ri­schen Stand­ort abso­lut sehens­wert. Noch viel attrak­ti­ver wäre das Ganze natür­lich, wenn die Buch­sta­ben auch den  ange­mes­se­nen Raum hät­ten, um ihre volle Wir­kung ent­fal­ten zu kön­nen. Ich bin gespannt, wie sich das an der neuen Loca­tion ent­wi­ckeln wird, ich werde ihnen auf jeden Fall noch­mal einen Besuch abstatten :)

Wer also aus Ber­lin kommt oder hier zu Besuch ist, sollte defi­ni­tiv einen Abste­cher ins Buch­sta­ben­mu­seum machen, es lohnt sich! Der Ein­tritt ist übri­gens frei — eine kleine Spende für den Erhalt der Aus­stel­lung neh­men die Betrei­ber aber natür­lich gerne dan­kend ent­ge­gen. Über den aktu­el­len Stand des Umzugs wird natür­lich auf der Web­site berich­tet, wer Inter­esse hat, abon­niert am bes­ten den News­let­ter, um auf dem Lau­fen­den zu bleiben.

Nach der Besich­ti­gung im Schau­de­pot hat mich dann übri­gens das Buch­sta­ben­fie­ber gepackt und ich bin noch eine Runde um die Blocks in Ber­lin Mitte gezo­gen, um Aus­schau nach hüb­schen Buch­sta­ben zu hal­ten. Ich muss sagen: Ent­we­der war das eine ungüns­tige Gegend, oder aber die (meist) alten Buch­sta­ben aus dem Museum sind wirk­lich wesent­lich schö­ner als das, was man heute so auf der Straße fin­det, hier meine — zuge­ge­be­ner­ma­ßen beschei­dene — Ausbeute:

Nehmt die­sen Bei­trag doch als Inspi­ra­tion und zieht mal mit der Kamera oder ein­fach nur mit offe­nen Augen durch eure Stadt. Ihr wer­det euch wun­dern, an wie vie­len Stel­len sich rie­sige und (meist) schöne Buch­sta­ben befin­den, die man im All­tag kaum noch bewusst wahr­nimmt. Wer ein schö­nes Exem­plar foto­gra­fiert hat, darf in den Kom­men­ta­ren natür­lich gerne auch einen Link hinterlassen!

Gewinn­spiel: Wir haben einen 3-Tages-Testzugang für video2brain zu ver­ge­ben. Der Gewin­ner hat 3 Tage lang v0llen Zugriff auf sämt­li­che Online­trai­nings bei video2brain (Zeit­raum frei wähl­bar). Wer an der Ver­lo­sung teil­neh­men will, schreibt ein­fach einen (sinn­vol­len) Kom­men­tar zu die­sem Arti­kel. Der Gewin­ner wird per Zufalls­ge­ne­ra­tor bestimmt, jeder nimmt nur ein­mal teil, der Rechts­weg ist aus­ge­schlos­sen… ihr wisst bescheid ;) Viel Glück!

Nach­trag: Bei­nahe ver­ges­sen: Die Ver­lo­sung läuft ab heute genau eine Woche lang, Kom­men­tare kön­nen also bis zum 20.6. um 16 Uhr abge­ge­ben wer­den. Danach darf natür­lich wei­ter kom­men­tiert wer­den, die Kom­men­tare gehen aber nicht mehr in die Ver­lo­sung ein. Der Gewin­ner wird am 24.6. bekannt­ge­ge­ben!

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8 Kommentare

13. Juni 2010 16:36

Julian

Schön ist es vor allem immer, wenn in der Fuss­gän­ger­zone reno­viert wird, und 80 Jahre alte Namen zum Vor­schein kom­men, die man ers­tens nicht kennt, und zwei­tens kom­plett nicht in das Gesamt­bild der Straße pas­sen. Trotz­dem ist es ein schö­ner Kon­trast, zwi­schen den gan­zen neuen Namen mit Leucht­stoff­röh­ren und so wei­ter, mal einen 100 Jahre alten Namen zu sehen!
Lei­der wis­sen die Leute so etwas nicht zu schät­zen und so wer­den die Schrift­züge meis­tens zer­stört und gehen ver­lo­ren!
Lei­der bin ich noch nicht dazu gekom­men diese mal zu fotografieren!

LG
Julian

13. Juni 2010 17:39

Kate­gra­phy

Hallo,

ich habe schon vor ein paar Tagen in Twit­ter von die­sem Museum erfah­ren und war schon auf der Web­seite vom Museum.

Ich finde das ist eine klasse Idee und würde es mir ja gerne mal anse­hen, aber das geht von der Ent­fer­nung lei­der gar nicht.

Hab ich schon erwähnt, dass ihr nen klasse Blog habt?? ;)

Lie­ben Gruß,

Kate

13. Juni 2010 18:03

Davis Tox

wie­der­ein­mal ein sehr gei­ler bei­trag… wenn ich das nächste mal in Ber­lin bin werde ich mir das Museum auf jeden fall anschauen…

Lg der Tox

13. Juni 2010 19:35

Leon

Ich hätte jetzt echt nicht gedacht, dass es ein eige­nes Museum für sowas gibt. Find ich echt inter­es­sant :)
Aber gerade solch außer­ge­wöhn­li­che Sachen bedür­fen einer Erwäh­nung. Danke für den Hin­weis, auch wenn ich in nächs­ter Zeit nicht nach Ber­lin kom­men werde, aber man kann ja nie wis­sen, was die Zukunft so brin­gen wird.

Gruß, Leon

13. Juni 2010 23:19

Daniela

Sehr schöne Bil­der. Bei uns gibt es mit­ten in der Stadt ein Park­haus von des­sen Dach aus, man ver­schie­dene andere Häu­ser sehen kann, die merk­wür­di­ger­weise auch alte „Wer­be­buch­sta­ben“ auf ihren Bal­kon gela­gert haben. Davon bin ich jedes­mal fasziniert.

15. Juni 2010 18:01

Ben

Hallo ihr zwei,

klasse Arti­kel und tolle Bil­der.
Schade das das Museum seine Pfor­ten nun schliesst.

Gruß Ben

June 15 2010 21:42 pm

Sieben

Danke dir, Ben!

So wies momentan aussieht ist es ja nur ein Umzug, kein endgültiger Torschluss :) Updates zum Umzug gibts auf der Website des Museums.

23. August 2010 20:45

LEOLA29RAY

Various people in every coun­try get the home loans from dif­fe­rent banks, because this is sim­ple and comfortable.

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