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Brillianz fürs Auge - Ein Landschaftslook

30 Mai 2010, Geschrieben von Tino Wehe in Fotografie,Photoshop,Tutorials, 22 Kommentare

Brillianz fürs Auge - Ein Landschaftslook


Gast­au­tor Tino Wehe scheint sich bei uns rich­tig wohl zu füh­len — jeden­falls hat er schon wie­der einen groß­ar­ti­gen Arti­kel abge­lie­fert, den wir nur zu gerne ver­öf­fent­li­chen. Danke Tino!

Nach­dem sein letz­ter Gast­bei­trag zum Thema Typo­gra­fie vs Foto­gra­fie eher von per­sön­li­chem Geschmack geprägt war, gibts heute harte Fak­ten, näm­lich ein sehr inter­es­san­tes und umfang­rei­ches Photoshop-Tutorial zu einem Farb­look, der der­zeit in der Wer­bung sehr en vogue ist und in vie­len Photoshop-affinen Com­mu­nities eif­rig dis­ku­tiert und bewun­dert wird — aber lest selbst :)


Im heu­ti­gen Post möchte ich auf einen Look auf­merk­sam machen, der sich in der kom­mer­zi­el­len Land­schafts­fo­to­gra­fie in der letz­ten Zeit durch­zu­set­zen scheint. Zuvor muss ich jedoch ein wenig absch­ei­fen (im Fol­gen­den „Land­schaft“ bitte auch als „Raum um das Haupt­mo­tiv“ interpretieren).

Ent­wick­lung

Land­schafts­auf­nah­men haben deut­lich mehr an Bril­li­anz, Schärfe und vor allem Details gewon­nen, es ist nicht mehr so wie vor ein paar Jah­ren, wo eine Land­schaft nur schmü­cken­des Bei­werk zum Haupt­mo­tiv war, viel­mehr hat sich die Land­schaft als eigen­stän­di­ges Motiv im Motiv entwickelt.

Es reicht schon lange nicht mehr, das Motiv einer Auf­nahme in den Fokus zu set­zen und das „Drum­herum“ nur als not­wen­di­ges Übel zu betrach­ten, heut­zu­tage müs­sen Auf­nah­men im gan­zen bril­lie­ren und glän­zen, hierzu habe ich natür­lich wie­der einige Bei­spiel rausgesucht:

Gerne hätte ich euch noch mehr ältere Print­mo­tive gezeigt, lei­der sind diese nur schwer zu fin­den, außer­dem wollte ich noch Fut­ter für die Kom­men­tare las­sen. ;)
Wie deut­lich zu erken­nen ist, legt grade die Wer­be­in­dus­trie immer mehr Wert auf einen per­fek­ten Look auch fernab vom Haupt­mo­tiv. Auch wenn die Unter­schiede von damals zu heute auf den ers­ten Blick nur mini­mal zu sein schei­nen, ver­gleicht ein­fach mal die Nut­zung des Raums auf den Moti­ven und wohin euer Blick gelenkt wird.

Mög­li­che Ursachen

Sind wir ehr­lich: So rich­tig auf Wer­bung abfah­ren tuen nur die wenigs­tens, umso schwe­rer ist es den poten­ti­el­len Kun­den in den „Bann“ einer Kam­pa­gne zu zie­hen. Mit der blo­ßen Pro­dukt­prä­sen­ta­tion klappt das schon lange nicht mehr, der Betrach­ter muss förm­lich in die Anzeige hin­ein­ge­zo­gen wer­den und das klappt nun­mal am bes­ten, indem man den Kun­den in fremde Wel­ten ver­setzt und ihn sozu­sa­gen an Orte ent­führt, der er ver­mut­lich nie so sehen wird.

Eine wei­tere Ursa­che ist, dass es ein­fach nie­man­den mehr reizt sich z.B. ein Auto anzu­se­hen, wel­ches weit außer­halb der eige­nen Preis­klasse liegt oder im ande­ren Fall: Wel­ches man so schon X-Mal auf den Stra­ßen gese­hen hat, also müs­sen „Hilfs­mit­tel“ her: Eine atem­be­rau­bende Land­schaft, die förm­lich mit dem Motiv ver­schmilzt und bei­des als eine har­mo­nie­rende Ein­heit zeigt.

Bei­spiel #1

Stellt euch mal die Print­kam­pa­gne von Land Rover anders vor: Das Auto steht im Stu­dio, wird per­fekt aus­ge­leuch­tet und retu­schiert. Ers­ter Gedanke ist dann ver­mut­lich „gähn“. Ganz anders die wirk­li­che Umset­zung: Der Land Rover wird in einer fan­tas­ti­schen Land­schaft gezeigt, in der er sich „hei­misch“ fühlt und wo er als Off-Road-Vehicle hin gehört. Zudem wurde hier die Pro­por­tion aus Land­schaft zu Auto ganz bewusst gewählt nach dem Motto „Mit die­sem Auto kom­men Sie über­all hin und selbst so ein gro­ßes Auto wie der Land Rover wirkt in Neu See­land wie ein Spiel­zeug, weil es keine Gren­zen gibt“. Diese Aus­sage würde bei einem rei­nen Stu­dio­shoo­ting natür­lich nicht ansatz­weise rüberkommen.

Bei­spiel #2


Stellt euch die E-Klasse doch ein­fach mal im Stu­dio vor: Wirkt auch eher lang­wei­lig und lädt nicht zum län­ge­ren Betrach­ten ein, rich­tig?!
Schaut man sich aber nun das reale End­re­sul­tat an, fällt auf, dass der Wagen auf den ers­ten Blick in eine für ihn etwas unna­tür­li­che Umge­bung gebracht wurde. Auf den zwei­ten Blick merkt man aber, dass dem gar­nicht so ist: Die E-Klasse ver­kör­pert nun­mal die geho­bene ele­gante „Fami­li­en­kut­sche“ (nicht neg. auf­fas­sen) im Groß­stadt­ge­flüs­ter und somit passt die Umgebung/ Land­schaft perfekt.

Wir sehen hier ein sehr ele­gan­tes Auto wel­ches auf einer Art Podest (Asphalt) über der Groß­stadt (viele Lich­ter) zu ste­hen scheint, aber nicht etwa mit der Aus­sage „Raus aus der Stadt!“ (ähnlich wie man es bei einem Off-Road-Vehicle machn könnte), son­dern eher in Rich­tung „Rein in das Getüm­mel, denn dort fühle ich mich wohl, dort gehöre ich hin.“.
Auch diese Aus­sage würde bei einem rei­nen Stu­dio­shoot nicht trans­por­tiert werden.

Wer sich für das Making-Of des Kam­pa­gnen­mo­tivs inter­es­siert: Marius Schwiegk hat dazu bei Video2Brain ein Video­tu­to­rial veröffentlicht.

Zurück zur Land­schaft: Vorüberlegung

Gleich ein wich­ter Punkt vor­weg: Man kann aus einer schlech­ten Auf­nahme kein Gold machen!
Aus die­sem Grund habe ich mich auch nicht aus mei­nen eige­nen Fotos bedient, da meine Land­schafts­auf­nah­men schon Jahre zurück­lie­gen und ich damals ein­fach ein schlech­te­res foto­gra­fi­sches Auge hatte, als es heute der Fall ist.
Daher arbeite ich im Fol­gen­den mit einer Auf­nahme von Gre­gor Halb­wedl, die er mir freund­li­cher Weise zur Ver­fü­gung gestellt hat (DANKE Gre­gor!).

Vor­über­le­gung

  • Der Betrach­ter soll in eine andere Welt „ent­führt“ wer­den, die er so nicht kennt und die ihn zum län­ge­ren Ver­wei­len veranlasst.
    • Ein Motiv, wel­ches so nicht über­all zu fin­den ist
    • Ver­frem­dung der Rea­li­tät in einem Maß, dass trotz­dem noch real erscheint
  • Was soll die Aus­sage sein?
    • Ratio­na­les Bild­kon­zept oder irra­tio­na­les Bildkonzept
  • Mit wel­chen Mit­teln kann das erreicht werden?

Umset­zung

Theo­rie

  • Es soll in Rich­tung Land Rover gehen, d.h. sehr weit wir­kende Land­schaft,
    „klei­nes“ Auto.
  • Der Look soll an Chris­tian Schmidt ange­lehnt sein
  • Kampagnen-Claim soll sein „There is so much to explore“
  • Mit­tel
    • Ein sehr sehr räum­li­ches Motiv
    • Motiv mit einer sur­rea­len Landschaft
    • Kräf­tige, aber trotz­dem noch natür­li­che Far­ben (damit ist nicht gemeint, dass diese in der Natur so auf­tre­ten, son­dern ledig­lich, dass in der Bear­bei­tung nicht ein­fach nur der Sättigungs-Regler hoch­ge­schraubt wird)

Pra­xis

Schauen wir uns zunächst das Aus­gangs­ma­te­rial an.


Ohne Frage eine fan­tas­ti­sche Auf­nahme.
Die Vor­ga­ben „Räum­li­ches Motiv“ und „sur­reale Land­schaft“ kann ich somit bereits abhaken!

Für eine Print­kam­pa­gne wie sie umge­setzt wer­den soll so jedoch nicht zu gebrau­chen, zumin­dest nicht ohne Bearbeitung.

Schritt 1 — Gradationskurven

Im ers­ten Schritt passe ich den Kon­trast­um­fang mit Hilfe der Gra­da­ti­ons­kur­ven an, da das Aus­gangs­foto für meine Zwe­cke zu flau und kon­trast­arm ist.
Zudem ist das der erste Schritt für die Vor­gabe „Kräf­tige, aber natür­li­che Farben“.


Schritt 2 — Farb­ba­lance in der Mit­tel­töne und Lichter

Die­ser Schritt ist für die Far­ben sehr ent­schei­dend, denn ich möchte sehr kräf­tige, fast male­ri­sche Far­ben erhal­ten, die so in der Natur viel­leicht nur nach einem extre­men Gewit­ter mit anschlie­ßen­dem Son­nen­schein auf­tre­ten kön­nen (ver­mut­lich aber selbst dann nicht).
Die Gesamt­wir­kung des Motivs ist hier­durch jedoch schon deut­lich freund­li­cher und einladener.


In den Lich­tern habe ich hierzu die Magen­ta­töne um +8 Punkte in die Grün­töne gezo­gen und um das noch zu ver­stär­ken die Blau­töne mit –10 Punk­ten ins Gelb gezo­gen.
In den Mit­tel­tö­nen habe ich mehr Rot und Magenta, sowie einen enor­men Anteil an Gelb­tö­nen hin­zu­ge­ge­ben, um saf­tige Far­ben zu erzielen.

Schritt 3 — Ton­wert­kor­rek­tur im Blaukanal

Da mir diese Far­ben noch nicht saf­tig und kräf­tig genug waren, habe ich mit­tels der Ton­wert­kor­rek­tur noch die Blau­töne in den Mit­ten und Tie­fen her­aus­ge­nom­men, denn dadurch pushe ich noch­mal die Kom­ple­men­tär­farbe zu Blau, näm­lich Gelb.


Schritt 4 — Ton­wer­kor­rek­tur für das gesamte Bild

Da mir Ton­werte immer­noch nicht 100%ig gefal­len, habe ich hier noch­mal eine Ton­wert­kor­rek­tur auf die Mit­tel­töne und die Lich­ter ange­wandt und anschlie­ßend die zen­trale Wol­ken­de­cke davon leicht aus­mas­kiert, da mir sonst die Lich­ter an die­ser Stelle zu stark aus­ge­brannt wären.


Schritt 5 — Dyna­mik des Him­mels reduzieren

Seit Pho­to­shop CS4 gibt es die (in mei­nen Augen) super prak­ti­sche „Dynamik“-Korrekturebene. Diese habe ich genutzt, um die Dyna­mik des Him­mels zu redu­zie­ren, OHNE ihm kom­plett die Sät­ti­gung zu entziehen.

Bei die­ser Kor­rek­tur wird die Sät­ti­gung von weni­ger gesät­tig­ten Far­ben mehr erhöht als die von Far­ben, die bereits zu einem gewis­sen Grad gesät­tigt sind.“ (Pho­to­shop Hilfe)


Schritt 6 — Dyna­mik des gesam­ten Bildes

Zum Schluss habe ich noch die Dyna­mik des gesam­ten Bil­der um –5 her­ab­ge­setzt, eine kleine aber feine Änderung.


Vor­her / Nach­her Vergleich

Abschlie­ßend möchte ich noch­mal das Bild vor und nach der Bear­bei­tung präsentieren.



Und hier alle Ebe­nen in der Über­sicht, wie man sieht, ist das schnell gemacht, wenn man weiß, wo man hin will.


Wei­ter­füh­rende Überlegungen

In den Vor­über­le­gun­gen habe ich es ja schon ange­spro­chen: Weite Land­schaft, „klei­nes“ Auto, ein mög­li­ches Kampagnenmotiv.


Auf das Auto habe ich hier ver­zich­tet, weil ich zum einen kein geschei­tes Stock von einem Gelän­de­wa­gen habe, wel­ches ich nut­zen könnte und zum ande­ren weil ich dafür nicht extra ein 3D Model raus­ren­dern möchte.

Aber ich denke ihr habt eine rege Phan­ta­sie und könnt es euch vorstellen:

  • Der Kampagnen-Claim unten rechts ist ja nicht zu übersehen ;)
  • Ich würde nun eine ganze Reihe von Gelän­de­wa­gen in das Tal der Land­schaft ein­set­zen und diese wie kleine Amei­sen aus­schwär­men lassen.

Ich hoffe, ich konnte ein wenig Inspi­ra­tion geben, zum Nach­den­ken anre­gen und vor allem, dass ihr etwas gelernt habt.

Und nun freuen wir uns auf rege Betei­li­gung in den Kom­men­ta­ren :)

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22 Kommentare

30. Mai 2010 20:33

Bas­tian

Sehr infor­ma­ti­ver und anschau­lich dar­ge­stell­ter Artikel.

30. Mai 2010 20:36

Nicole Böhm

Ham­mer! Muss ich mir gleich mal book­mar­ken. Super Beschrei­bung, tol­les Ergeb­nis.
LG
Nicole

30. Mai 2010 21:31

Bir­git

sehr auf­schluß­rei­che Lektüre :)

Ich würde ja behaup­ten, du hast mal eben in ein paar Minu­ten eine gran­diose Anzeige pro­du­ziert! Außer ein paar sti­lis­ti­schen Fein­hei­ten würde ich daran nix mehr ändern. Der Claim paßt super gut und macht kon­kre­tere Bild­spra­che überflüssig.

30. Mai 2010 22:17

Tino Wehe

Heyho,

DANKE euch für das Feed­back, freue mich sehr darüber :)

LG
Tino

30. Mai 2010 22:56

Kate­gra­phy

Hallo,

sehr gut geschrie­be­ner Arti­kel! Danke für die Erklä­run­gen und die vie­len anschau­li­chen Bilder!

LG Katja

31. Mai 2010 06:07

Davis Tox

Sehr genial gemacht Tino… passt auch irgent­wie Kon­trast­stei­ge­rung mit­tels der Gra­da­ti­ons­kur­ven… hätte ich auch mal von alleine drauf kom­men müs­sen.
Bin halt doch noch Grün hin­ter den Ohren :-)

LG Davis

31. Mai 2010 08:09

Hen­ner

Sehr inter­es­san­ter Artikel…

Gruß
Henner

31. Mai 2010 10:50

Tino Wehe

DANKE EUCH! :)

Noch­mal ein klei­ner Hin­weis: Die Inter­pre­ta­tion der Kam­pa­gnen ist rein meine sub­jek­tive, die kann natür­lich enorm von der gewoll­ten Aus­sage der jewei­li­gen Agen­tur abweichen ;)

8. Juni 2010 15:45

weit-winkliger

Ich würde den Gelän­de­wa­gen links unten hin­set­zen, so dass er fron­tal nach oben auf den Betrach­ter zukommt.

Auf jeden Fall ne feine Sache! Wobei mir das Bild ein biss­chen zu gelb ist.

June 08 2010 16:08 pm

Tino Wehe

da kann man mal wieder sehen, wie die Geschmäcker auseinandergehen ;)

DANKE für die Kritik :)

8. Juni 2010 23:50

Cal­vin Hollywood

Echt schön geschrie­ben. Danke für die Mühe

lg Cal­vin

June 09 2010 10:45 am

Tino Wehe

DANKE DIR :)

9. Juni 2010 18:52

CMD­Vi­su­als

Hey,

nach­dem ichs ja schon im PSNS-Forum gepos­tet hatte: Danke für die­sen Arti­kel, der war genau das, was ich gesucht habe.

Und an die Macher des Blogs: Hal­tet das durch, ich bin echt begeistert!

LG,
Chris

June 09 2010 19:15 pm

Tino Wehe

Keine Ursache :)

June 09 2010 20:11 pm

Sieben

Danke dir, wir tun unser bestes :)

10. Juni 2010 09:51

Heavy Metal | die licht gestal­ten | Uli Staiger

[…] glaubt oder nicht: Sie war der schwie­rigste Part dran. Habt ihr den bemer­kens­wer­ten Bei­trag von Tino Wehe  auf Sie­ben und Acht­zig gele­sen? Dann wisst ihr was ich meine. Abge­se­hen davon, dass der […]

15. Juni 2010 18:10

Bil­der­wald

Hallo
Ist es nur bei mir so dass die Bil­der im Arti­kel nicht mehr ange­zeigt wer­den? (FF 3.63 / Win­dows Vista)?

Gruss
Dario

June 15 2010 19:46 pm

Tino Wehe

Der Blog hat grade den Hoster gewechselt, die Aktualisierungsmaßnahmen dauern noch an. :)

June 15 2010 20:17 pm

Tino Wehe

So, es sollte alles wieder passen :)

15. Juni 2010 20:44

Bil­der­wald

Passt, danke!

24. Juni 2010 14:15

Ham

Tino, ich bin begeistert!!!

Danke!!

lg, Ham

3. Februar 2011 13:33

uwe turek

sorry aber das sieht in mei­nen Augen alles sehr ame­ri­ka­nisch aus. Die Span­nung Him­mel und Land­schaft hebt sich fast auf. Alles wirkt ein wenig flach und viel zu gelb. Manch­mal fehlt lei­der der Sinn zur Reduzierung.

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