20 Mai 2010, Geschrieben von Rene Haas in Gestaltung, 5 Kommentare
Screendesign: Die DPI-Lüge
DPI — Wenn wir für die Ausgabe im Druck arbeiten, sind uns diese drei Buchstaben bestens bekannt. Die DPI (Dots per Inch) geben an, wie viele Druckpunkte auf einer klar definierten Strecke platziert werden. Je höher dieser Wert, desto mehr Punkte werden von der Druckplatte auf das Papier übertragen. Mit einem höheren DPI-Wert steigert sich dementsprechend auch die Bildqualität. Was uns hier im Druck alles so logisch erscheint, wirkt im Bezug auf die Ausgabe an Monitoren mehr als absurd. Und doch hört und liest man immer wieder Angaben wie „72 DPI für die Webausgabe“ etc — mal sehen was dahintersteckt!
Grundbegriffe:
Inch / Zoll: 1″ = 2,54cm
DPI: Dots per Inch / Druckpunkte auf einer Strecke von einem Inch.
PPI: Pixel per Inch / Anzahl der Pixel auf einer Strecke von einem Inch.
Bit: Kleinste Einheit in der Informationstechnik. 1Bit kann nur 2 Zustände annehmen einen für „an“ und einen für „aus“. Im Binärsystem würde das der 1 oder 0 entsprechen.
Datentiefe: Auch bekannt unter dem Namen „Farbtiefe“.
Physikalische Auflösung: Exakte Anzahl von Bildelementen auf einem Längenmaß. Diese Auflösung ist nicht variabel
Relative Auflösung: Gibt die Größe der Grafik in Relation zum Medium an. Bei der relativen Auflösung handelt es sich immer um die DPI da diese je nach Medium und Druckverfahren varrieren können
Auf die Frage, warum man für Screenlayouts 72 DPI nehmen sollte, entgegnete mir in der Ausbildung mein Lehrer unsinnigerweise mit den Worten: „Wegen der geringen Auflösung der Monitore und der Datengröße!“. Zu seinem Schutz sei gesagt, dass er nicht der einzige ist, der diesem Trugschluss auf den Leim gegangen ist. Um ehrlich zu sein, sind dies die zwei häufigsten (und zugleich unsinnigsten) Argumente in der ewig währenden DPI-Frage.
Um eines dieser zwei Argumente (die Datengröße) sofort zu entkräften, muss man sich nur die Formel zur Berechnung der Datengröße einer Rastergrafik anschauen. Wie man am unten gezeigten Beispiel gut erkennen kann, werden die DPI in der Rechnung nicht berücksichtigt und wirken sich somit auch nicht auf die Datenmenge aus.
Beispiel der Datenmengenberechnung für ein 2000 x 3000 Pixel großes Bild in RGB/8bit.
2.000px * 3.000px = 6.000.000 Pixel
6.000.000 Pixel / 3 * 8bit = 16.000.000 Byte (Die 3 steht für die 3 Kanäle R,G & B)
16.000.000 Byte / 1024 / 1024 = 17,166 Megabyte (1024 Byte sind ein Kilobyte und 1024 Kilobyte sind 1 Megabyte)
Die Größe von 17 Megabyte entspricht der Größe eines unkomprimierten (Roh-)Bildes.
Das zweite Argument war die Auflösung der Monitore. Hier sind die 72 DPI immer hoch im Kurs und werden immer wieder gern als DIE Auflösung von Monitoren angepriesen. Um zu schauen, ob mein Monitor dieser (im Grunde fiktiven) Standardisierung entspricht, habe ich ihn mal ausgemessen, die DPI errechnet und bin auf das Ergebnis von 91 DPI gekommen, bei meinem iPhone waren es knappe 160 DPI. Selbst bei meinem Zweitmonitor sind es knapp 100 DPI und damit fernab der stets gefordeten 72 DPI.
Die Pixel auf einem Monitor sind, neben dem soeben besprochenen, auch nicht variabel. Sie haben eine fixe Größe und einen fixen Abstand, welche durch den Hersteller festgelegt worden sind. Wir als Gestalter haben auf diese Werte absolut keinen Einfluss! Ob wir ein Bild in 2, 30, 72 oder 9999 DPI anlegen, ist deshalb von keinerlei Interesse und wirkt sich am Monitor nicht auf die Bildqualität aus. Unten ein Beispiel mit den oben genanten DPI-Werten im Vergleich:
Erschreckend, die Qualitätsunterschiede, nicht wahr? ;)
An den Beispielen sieht man deutlich, dass der DPI-Wert keinerlei Einfluss auf die Bildqualität eines Bildes hat, das auf einem Monitor ausgegeben wird. Das sollte uns aber mittlerweile nicht mehr überraschen, da wir den Unterschied zwischen relativer und physikalischer Auflösung bereits gelernt haben.
Fazit:
Ob 72, 24 oder gar 3 DPI ist also furchtbar egal, solange es um die Gestaltung für die Monitorausgabe geht. Hier zählen nur harte Fakten und das sind in dem Fall die Pixelausmaße auf die wir schlichtweg keinen Einfluss haben. Woher kommt dann aber der große 72 DPI Mythos? Mir erklärt sich das am ehesten durch die Verwendung von Schriften. So benötigt es für eine lesbare Schrift in einem 2 DPI Dokument schon eine Größe von über 600 pt, um überhaupt die Anforderung der Lesbarkeit zu erfüllen, während in einem Dokument mit 9999 DPI eine 1,5 Pt Schrift schon den Rahmen des Dokuments sprengt. Die Benutzung von Pixelwerten für Schriftgrößen schafft hier Abhilfe, jedoch ist der Gebrauch von Punkt-Angaben weitaus gebräuchlicher. So hat man bei 72DPI einen guten Mittelweg in der Schriftgröße auf dem Monitor als Äquivalent im Druck. Selbst im 72 DPI Märchen steckt also ein kleines (sehr kleines!) Stückchen Wahrheit. Für den Alltagsgebrauch gilt aber nichtsdestotrotz: Solange ein Bild nur für die Verwendung auf dem Monitor gedacht ist, spielt der DPI absolut keine Rolle. Der wird erst dann interessant, wenn ein Dokument für den Druck bestimmt ist.
Weiterführende Lektüre zum Thema (engl.):
The Myth of DPI | Webdesigner Depot
Wie sind eure Erfahrungen mit dem lustigen 72 DPI Gerücht? Gestaltet ihr (aus Gewohnheit oder wider besseren Wissens) mit diesem Wert? Stoßt ihr auch immer wieder auf Unverständnis in eurem Umfeld, sobald die Begriffe Auflösung, DPI und PPI fallen?





















5 Kommentare
22. Mai 2010 20:45
Schnette
Das kam jetzt genau richtig :-)
Danke — toll erklärt!
13. Juni 2010 10:13
Manfred
Eine gute Dartsellung, es hilft für besseres Verständnis.
LG
Manne
17. April 2011 23:40
Dominik Skrabal @DominikSkrabal
Ganz toll zusammengefasst. Als Gestalter und Dozent für Online-Medien könnte ich es nicht besser auf den Punkt bringen.
Wer zu anderen Online-Themen Unterstützung braucht,
kann sich gern bei mir melden: http://www.dominik-skrabal.com
Beste Grüße
Dominik Skrabal
8. Juni 2011 21:04
Gerhard @87blog
Hübsche Erklärung, aber die Beispielrechnung oben darf man aber nicht allzu ernst nehmen:
2.000px * 3.000px = 6.000.000 Pixel
6.000.000 Pixel / 3 * 8bit = 16.000.000 Byte (Die 3 steht für die 3 Kanäle R,G & B)
16.000.000 Byte / 1024 / 1024 = 17,166 Mega*byte (1024 Byte sind ein Kilo*byte und 1024 Kilo*byte sind 1 Mega*byte)
Die 6 Mio Pixel sind noch richtig.
Dann wird aber ein Pixel durch 3 Farben geteilt. Teilen die sich ein Pixel ???
Richtig wäre hier ein MAL 3.
Dann wird mit 8 Bit multipliziert, was ja üblicherweise 1 Byte ist.
Aus dem 1 Byte werden dann aber 8 Byte.
Die richtige Größe wären 18 Mio Bytes, was auf magische Weise wieder den angegebenen 17,166MB entspricht.
Korrekt wäre folgende Rechnung:
2.000px * 3.000px = 6.000.000 Pixel
6.000.000 Pixel * 3 / 8bit = 18.000.000 Bytes (Die 3 steht für die 3 Kanäle R,G & B)
18.000.000 Byte / 1024 / 1024 = 17,166 Mega*byte (1024 Byte sind ein Kilo*byte und 1024 Kilo*byte sind 1 Mega*byte)
23. November 2011 09:23
Daniel Burkart @87blog
Wie kann man sich so ausführlich mit einem Thema beschäftigen und dann von DPI an einem Bildschirm sprechen? Da gibt’s keine Dots!! Da spricht man von Ppi. Oh mann.
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