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Großformatdruck mal anders

28 Apr 2010, Geschrieben von Peter Rudolph in Art,Vor Ort, 2 Kommentare

Großformatdruck mal anders


Einen Dru­cker besitzt wohl so ziem­lich jeder, der gestal­te­risch tätig ist. Der Groß­teil druckt dabei ledig­lich auf DIN A4, nur wenige Pri­vat­an­wen­der kön­nen einen Dru­cker ihr Eigen nen­nen, der For­mate bis A3 oder gar grö­ßer aus­gibt. Für sol­che For­mate muss dann meist ein Dienst­leis­ter her­hal­ten, und die Pro­duk­tion gro­ßer Pla­kate und Ban­ner wird meist zu einer kost­spiel­ei­gen Ange­le­gen­heit. Hinzu kommt dann oft­mals noch das Pro­blem der Befes­ti­gung — wie schaffe ich es, dass ein meh­rere Meter gro­ßer Druck ver­nünf­tig und Dau­er­haft an einer Fas­sade hält? Wäre es nicht ziem­lich genial, das Motiv direkt auf die Wand dru­cken zu kön­nen, statt zuerst ein Medium zu bedru­cken, das anschlie­ßend umständ­lich befes­tigt wer­den muss? Und genau das ist nun — zumin­dest mit einem Pro­to­ty­pen — mög­lich. Die Jungs von Facadeprinter.org haben am Mitt­woch in Ber­lin eine Kost­probe ihres aus­ge­tüf­tel­ten Geräts gege­ben und Sie­ben und Acht­zig war vor Ort, um für euch ein paar Impres­sio­nen festzuhalten.

Ber­lin Kreuz­berg. Es ist 9 Uhr am Mitt­woch Mor­gen, die April­sonne scheint schon ziem­lich kräf­tig und beleuch­tet eine Sze­ne­rie, die man hier direkt am Kott­bus­ser Tor wohl so noch nie gese­hen hat: Die Sei­ten­wand der Wilhelm-Liebknecht-Bibliothek ist abge­sperrt, der Boden davor weit­läu­fig mit schwar­zer Plane abge­deckt. Auf der Straße und auf der Bal­lus­trade des gegen­über­lie­gen­den Plat­ten­baus hat sich bereits eine dichte Men­schen­traube ver­sam­melt, Pas­san­ten wer­den aus Sicher­heits­grün­den umge­lei­tet, bekom­men aber als Ent­schä­di­gung einen Flyer, der sie dar­über infor­miert, was hier pas­sie­ren wird. Kern der gan­zen Aktion ist ein selt­sam anmu­ten­des Gerät, man erkennt eine Gas­fla­sche, einen Gewehr­lauf, einen Touch­screen und viele Kabel — das ist er also, der berühmt-berüchtigte Fas­sa­den­dru­cker. Das Gerät, mit dem es mög­lich sein soll, aus bis zu 12 Metern Ent­fer­nung meter­große Motive auf Haus­wände zu drucken.

Wie funk­ti­niert das Ganze? Grob gesagt, nach dem Inkjet-Prinzip: Was beim Tin­ten­strahl­dru­cker kleinste Tin­ten­tröpf­chen sind, sind beim Fas­sa­den­dru­cker Paint­ball­ku­geln, die voll auto­ma­tisch an die Wand geschos­sen wer­den. Erfun­den haben das Gerät Michael Haas und Mar­tin Fus­sene­ger, die an der Hoch­schule für Gestal­tung in Karls­ruhe Pro­dukt­de­sign stu­diert haben. Unter­stützt wer­den sie von Mecha­tro­ni­ker Julian Ade­nauer. Wäh­rend sich die Zuschauer noch einen guten Platz sichen, klat­schen bereits die ers­ten Kugeln an die Wand gegen­über. Kugel für Kugel zer­platzt an der schmud­de­li­gen Fas­sade und lässt nach und nach das Motiv erah­nen. Erstaun­lich prä­zise setzt der Fas­sa­den­dru­cker Punkt neben Punkt, die schräg ein­fal­lende Mor­gen­sonne macht aus den Farb­kleck­sen ein fast drei­di­men­sio­nal anmu­ten­des Mus­ter. Immer wie­der pau­siert der Druck­vor­gang, die Druck­meis­ter wech­seln die Farbe der Muni­tion und befreien den Lauf des umge­bau­ten Paint­ball­ge­wehrs von Kon­dens­was­ser. Unten auf der Folie wird aus anfäng­li­chen Sprit­zern ein dich­tes Mus­ter aus Farb­kleck­sen, das an sich schon als Kunst­werk her­hal­ten könnte, wäh­rend oben an der Wand Schritt für Schritt die „Hand Got­tes“ entsteht.

Nach etwa 45 Minu­ten und vie­len Hun­dert Schuss Muni­tion ist das Werk voll­en­det. Lei­der geht das oran­ge­far­bene Haupt­mo­tiv auf der beige­far­be­nen Wand etwas unter. Auch die Erfin­der sind mit dem Ergeb­nis nicht ganz zufrie­den. Wenn man bedenkt, dass es sich hier­bei aber erst um das 2. öffent­li­che Pro­jekt der Fas­sa­den­dru­cker han­delt, ist das Ergeb­nis durch­aus beein­dru­ckend, ins­be­son­dere wenn man beginnt sich aus­zu­ma­len, für wel­che Anwen­dungs­zwe­cke das Gerät in Zukunft genutzt wer­den könnte. Sie­ben und Acht­zig meint: Eine geniale Erfin­dung, die mit eini­ger Wei­ter­ent­wick­lung eine große Zukunft haben wird.

Wer sich wei­ter zum Fas­sa­den­dru­cker infor­mie­ren will, fin­det auf facadeprinter.org viele hilf­rei­che Infos. Bei der TAZ gab es ein Inter­view mit den Erfin­dern und außer­dem sind die Jungs auch bei Face­book und Twit­ter vertreten.

Was meint ihr? Wel­che Anwen­dungs­mög­lich­kei­ten fal­len euch spon­tan für den Fas­sa­den­dru­cker ein? Hat das Gerät eine kom­mer­zi­elle Zukunft oder ist es nicht mehr als eine technisch-verspielte Abart des Streetart? Wir sind gespannt auf eure Meinungen!

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2 Kommentare

1. Mai 2010 22:58

Lau­ritz

Ui!
Das ist ja echt mal eine starke Sache.
Man muss zuge­ben:
Ganz neu ist die Idee ja nicht, mit Paint­ball­mu­ni­tion ein Bild zu erzeu­gen.
Habe hier anfangs direkt an Myth­bus­ters den­ken müs­sen, die inner­halb von Sekun­den ein Gemälde der Mona Lisa dank Paint­ball­mu­ni­tion gedruckt haben.
Hier mal die URL zu YouTube: http://www.youtube.com/watch?v=3nUYg8b9UCQ

Aber abge­se­hen davon, dass man das Rad nicht ganz neu erfin­den kann ist das mal etwas neues und für mich aus­ge­fal­le­nes, was defi­ni­tiv Poten­tial haben wird. Gerade in Ber­lin, Ham­burg könnte diese „Wer­be­druck­me­thode“ doch wirk­lich mal eine gute Chance haben.
Das ganze kann man als gesam­tes Kunst­werk anse­hen und könnte mit ein wenig Pro­pa­ganda zu dem einen oder ande­ren Inter­es­sen­ten stoßen.

Ich denke aber die Ziel­gruppe wird nur eine sehr spe­zi­elle sein und wird denke ich für die Masse nicht anspre­chend genug sein… aber gerade in Ber­lin und Ham­burg sollte man sein Glück ver­su­chen… passt sehr zu mein Bild von Ber­lin und in Ham­burg sind viele Wer­be­agen­tu­ren, die denke ich diese Markt­lü­cke gut ver­kau­fen kön­nen… krea­tive Köpfe und Inter­es­sen­ten gibt es da denke ich genug. ;)

6. Oktober 2010 09:53

Demian

Hallo! Super ori­gi­nell! Gefällt mir so sehr! Ich meine, man kann so bestimmt viel Geld spa­ren. Das könnte eine sehr tolle und güns­tige Alter­na­tive von den selbst an die Fas­sa­den klet­tern­den Hob­by­al­pi­nis­ten und den gewöhn­li­chen Wer­bun­gen sein. Wei­ter so!

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